Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Es klingt skurril und irgendwie sinnlos: Ein neuer Service in den USA ermöglicht das Twittern per Fax. Ausgelegt sein soll das Angebot vor allem auf Senioren und Menschen ohne Internet-Anschluss.
Twitter lebt eigentlich von der Geschwindigkeit, von dem, was Echtzeit-Web heißt, dabei zu sein, wenn etwas passiert. Und der Dienst lebt davon, dass seine Nutzer online sind. Immer und überall. Doch was, wenn man entweder kein Internet hat oder sich nicht genügend damit auskennt, um Twitter und Co. zu nutzen? Pech gehabt, könnte man denken. Doch nicht, wenn es nach dem US-Anbieter Celery geht. Er ermöglicht nun das Twittern per Fax.
Das Unternehmen mit Sitz im US-Bundesstaat New York wirbt für seinen Dienst mit Carol, einer 70-Jährigen Großmutter, deren Familie überall auf der Welt verstreut lebt. Ihr Problem: Die Zeitverschiebung. Doch seit einiger Zeit gibt es eine Lösung: «Ihre Tochter schickt ihr Rezepte per E-Mail aus Italien und Carol schreibt zurück und bewertet jedes. Ihr Sohn ist im Irak stationiert und schreibt wöchentlich über seine Abenteuer und, was noch wichtiger ist, über seine Sicherheit.» Und Carol? Carol bleibt mit beiden in Kontakt, ganz ohne Internet.
Das System dabei ist denkbar einfach: Alle Nachrichten, die Carol bekommt, sammelt der Dienst und leitet sie per Fax weiter. Umgekehrt werden alle Nachrichten, die Carol ihren Kindern schreibt, von ihr per Fax an Celery geschickt, die daraus wiederum E-Mail-Nachrichten macht und verschickt.
Vollends skurril wird das Angebot jedoch, wenn man bedenkt, dass Celery seinen Service auch für Twitter anbietet, den Echtzeit-Kurznachrichtendienst, der im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt hat. Dass die Tweets, die ihre Kinder absetzen, dadurch mit reichlich Verzögerung bei Carol ankommen, scheint die alte Dame nicht zu stören.
Anders als E-Mail oder Twitter allerdings ist der Service natürlich nicht kostenlos. Die Abopreise schwanken dabei, je nach Ausstattung: Ein Monat oder 100 Seiten in Farbe kosten 13,98 Dollar (etwa 9,70 Euro), in Schwarz-Weiß liegt der Preis bei 8,98 Dollar. Und wer kein Fax-Gerät hat, kann sich das «Celery ‹Ready-to-Email› Fax Device Package» bestellen, für schlappe 89 Dollar. Mit dem Angebot wolle man die Generationen verbinden, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung, und jeder Altersgruppe erlauben, in der Form zu kommunizieren, die sie gewohnt sei.
Im Netz sorgt der Dienst aber nicht nur wegen der Preise für Kopfschütteln. Während das Internet mit all seinen Diensten den Fortschritt verkörpert, gilt das Fax-Gerät heutzutage als reichlich antiquiert. «Ich habe, zum Beispiel, nie gelernt, ein Fax-Gerät zu bedienen», schreibt Brenna Ehrlich auf mashable.com, «denn diese Technik war schon veraltet, bevor sie irgendeinen Zweck für mich hätte haben können». Und auch die Aussage von Dorothy Miller, einer 80-jährigen Großmutter und Celery-Kundin, klingt denn eher nach Satire, denn nach Werbung. Denn die schickt zwar ihrer ganzen Familie Tweets per Fax, ihrer Tochter jedoch nicht: «Normalerweise schreibe ich meinter Tochter nicht all zu oft, denn sie redet zu viel und das braucht zu viel Zeit.»
Für deutsche Kunden kommt Celery ohnehin noch nicht in Frage, bisher bietet das Unternehmen seine Dienste nur in den USA, Kanada und Puerto Rico an. Doch vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es ähnliche Angebote auch in Deutschland gibt. Potentielle Kunden jedenfalls gibt es: Politiker, die sich ihre E-Mails immer noch im Vorzimmer ausdrucken lassen. Findige Geschäftemacher sollten dennoch vor dem Gang zur Hausbank erst einmal recherchieren, wie es außerhalb der Staatskanzleien und Abgeordnetenbüros um die Zahl der Faxanschlüsse in Deutschland bestellt ist.
bla/ped/news.de