Von news.de-Mitarbeiter Martin Weber
Seit 20 Jahren begeistert die herrlich skurrile Zeichentrickfamilie Die Simpsons die Zuschauer und fasziniert nicht zuletzt mit galliger Kritik am American Way of Life. Auch die Auftritte Prominenter und die Werbebranche haben der Sendung zum Erfolg verholfen.
Gelb ist die Farbe des Erfolgs: Seit 20 Jahren begeistern Die Simpsons ihre Fans in vielen Ländern, am 17. Dezember 1989 startete die vielfach preisgekrönte US-Zeichentrickserie im amerikanischen Fernsehen. Aber warum eigentlich sind das trottelige Familienoberhaupt Homer Simpson, Mutter Marge mit der abartigen Turmfrisur, der flegelige Sohn Bart und seine beiden Schwestern knallgelb?
Um diese Frage ranken sich diverse Legenden. Die wohl am häufigsten kolportierte besagt, Simpsons-Erfinder Matt Groening habe nur noch diese Farbe vorrätig gehabt, als er die Figuren mit den vierfingrigen Händen auf die Schnelle entwarf. Eine andere behauptet, das Gelb diente anfangs der Verwirrung des Publikums: Der unvorbereitete Zuschauer sollte glauben, dass etwas mit der Farbeinstellung seines Fernsehers nicht stimmt. Pro7 zeigt am heutigen Jubiläumstag wie immer von 18.10 Uhr bis 19.10 Uhr eine Doppelfolge der herrlich skurrilen und politisch völlig unkorrekten Serie, die in der Schweiz seit Kurzem nur noch mit einem Jugendschutzhinweis gezeigt werden darf.
Unterbelichtet, aber dennoch intellektuell
Die Geburtsstunde der Simpsons schlug eigentlich schon im April 1987: Nach einer Werbepause der Tracey Ullman Show im US-Sender Fox lief der erste Kurzfilm mit den gelben Chaoten, eine kleine Episode mit dem Titel Good Night. Damals waren die Figuren noch viel gröber als heute gezeichnet, die Zuschauer schlossen Homer, Bart und Co. trotzdem sofort ins Herz.
Gut zweieinhalb Jahre später war es soweit, und die fidele Arbeiterfamilie, deren Lebensstil ein gallig-komischer Gegenentwurf zu praktisch allem ist, woran ein aufrechter amerikanischer Durchschnittsbürger glaubt, bekam ihre eigene Serie: Simpsons Roasting on an Open Fire (deutscher Titel: Es weihnachtet schwer) hieß die erste Folge. Es war der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte: Die in der fiktiven amerikanischen Kleinstadt Springfield – so heißen Dutzende Orte in den USA – spielende Serie räumte in den Folgejahren nicht nur eine Unmenge an Fernsehpreisen ab, sondern brachte es bislang auch auf mehr als 440 Episoden.
Das Schöne daran: Der völlig unterbelichtete, furchtbar eigensüchtige, aber trotz allem doch liebenswerte Homer mit seinem Heißhunger auf das uramerikanische Süßgebäck Donuts, die aufopferungsvolle Marge (deutsche Synchronstimme: Anke Engelke) und ihre drei Kinder treffen nicht nur den Massengeschmack, sondern sind auch in gebildeten Kreisen beliebt – Intellektuelle rühmen die schräge Serie als einen popkulturellen Kommentar zu den Schattenseiten des American Way of Life.
Ausgeschlachtet von der Werbeindustrie
In unzähligen Ländern sind die tragikomischen Helden, die es auch schon auf die Kinoleinwand geschafft haben, zu sehen. Bei Pro7, wo die Serie seit 1994 läuft und derzeit täglich um 18.10 Uhr ausgestrahlt wird, hatten Die Simpsons nach Auskunft des Senders zuletzt knapp zwei Millionen Zuschauer in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen und gute Marktanteile um die 15 Prozent. Bei den 14- bis 29-jährigen Zuschauern kommt die gelbe Chaostruppe sogar auf knapp 32 Prozent Marktanteil.
Auch die Werbeindustrie entdeckte die Simpsons schon bald als gewinnbringende Protagonisten. Die gelbe Sippe hat schon für große Marken geworben, zudem läuft das Geschäft mit Videospielen, Comics, Figuren, T-Shirts, Tassen und zahllosen anderen Merchandising-Artikeln rund – es gibt auf dem Feld der Werbeartikel praktisch nichts, was es nicht auch in einer Simpsons-Variante gibt.
Außerdem hatten schon viele Prominente einen Gastauftritt als Zeichentrickfigur in der Serie – von den Musikern Paul McCartney und Tom Jones über das Physikgenie Stephen Hawking und den öffentlichkeitsscheuen Schriftsteller Thomas Pynchon bis zu dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Al Gore und dem früheren britischen Premierminister Tony Blair. Vor Kurzem waren in einer in den USA ausgestrahlten Folge sogar Frankreichs Traumpaar Nicolas Sarkozy und Carla Bruni zu sehen – natürlich ganz in Gelb.
bla/nbr/news.de