Neue Pop-Alben Rocken, schwitzen, schreien

Von wegen stille Nacht. Wenn die Toten Hosen auftreten, ist das mit Sicherheit alles andere als leise. Und so heißt ihr neues Live-Album denn auch Machmalauter. Was sonst noch passiert ist? Die Neuerscheinungen, mit Ich + Ich, Snoop Dogg, Natascha Leonie und Ingrid Michaelson.

Die Toten Hosen (Foto)
Auf jeden Fall laut: Die Toten Hosen. Bild: JKP/Warner

Die Toten Hosen: Machmalauter – Live

Die Toten Hosen touren seit Monaten mit ihrem Erfolgsalbum In aller Stille durch die deutschen Hallen. Ende Dezember verabschieden sich die Düsseldorfer Deutschrocker für eine längere Pause mit sechs ausverkauften Weihnachtskonzerten in ihrer Heimatstadt von den Fans. Damit das Warten auf Campino und seine Jungs nicht so lang wird, veröffentlichen sie eine Live-CD/DVD ihrer Machmalauter-Tour. Über 700.000 Zuschauer haben die legendären Live-Auftritte der Düsseldorfer gesehen. Das Doppel-CD-Album Machmalauter: Die Toten Hosen – Live! wurde in mehreren Städten während der Tour aufgenommen. Es enthält die komplette Setlist eines Konzertabends inklusive aller Zugaben. Die DVD Machmalauter: Die Toten Hosen live in Berlin wurde Ende August in der Berliner Waldbühne gefilmt. Wer die Toten Hosen kennt, weiß, dass Campino und seine Band auf der Bühne leben, rocken, schwitzen, schreien und die Fans in ihren Bann ziehen.

Interpret: Die Toten Hosen
Titel: Machmalauter – Live
Plattenfirma: JKP/Warner
Spielzeit: 2 CDs / 123 Minuten
Erscheinungsdatum: 27. November 2009

Ich + Ich : Gute Reise

Mit Pflaster und Gute Reise sind Ich + Ich ganz oben angekommen: Platz eins in den Single- und Album-Charts schon kurz nach der Veröffentlichung. Das ist dem Erfolg des Vorgängeralbums zu verdanken, dem Dauerbrenner Vom selben Stern: Damit etablierten sich Adel Tawil und Annette Humpe in der deutschen Popszene. Pflaster hat musikalisch den Drive, der das Vorgängeralbum auszeichnete, ist aber textlich nicht so intensiv wie Vom selben Stern, Stark und So soll es bleiben. Damit hatten Tawil und Humpe die Messlatte allerdings auch sehr hoch gelegt. Auf Gute Reise kommt nur noch Alleine tanzen an diese Qualität heran. Die Fans sehen das ähnlich: Auf der offiziellen Ich + Ich-Webseite stimmten bei der Frage nach dem Lieblingssong vom aktuellen Album deutlich die meisten für Pflaster und Alleine tanzen. Universum, Was wär ich ohne dich, Einer von zweien und Yasmine folgen mit erheblichem Abstand. Mit Danke, Stein und Die Lebenden und die Toten scheinen gleich drei von zwölf Liedern durchgefallen. Gute Reise bleibt deutlich hinter Vom selben Stern zurück; Tawil und Humpe unterstreichen damit aber dennoch ihre Sonderstellung als Doppel-Ich im deutschsprachigen Pop.

Interpret: Ich + Ich
Titel: Gute Reise
Plattenfirma: Polydor/Universal
Spielzeit: 46 Minuten
Erscheinungsdatum: 13. November 2009

Snoop Dogg: Malice In Wonderland

So aggressiv ist Snoop Dogg nicht mehr, wie der Albumtitel Malice In Wonderland signalisiert. Jedenfalls musikalisch ist da kein wadenbeißender Straßenköter mehr unterwegs. Snoop Dogg residiert inzwischen als «Chairman» des wiederbelebten Labels Priority Records in einem der feinsten Bürotürme von Los Angeles. Der musikalische Flow hat sich seinen eleganten Maßanzügen angepasst – glatt und geschmeidig. Aber selbstverständlich gibt es genug Kraftausdrücke, die für den «Parental Advisory»-Sticker sorgen. Snoop rappt sich mit sanftem Flow durch Songs wie I Wanna Rock, der etwas anderes als Rockmusik meint, 2 Minute Warning, Different Languages und Gangsta Luv, die erste Single. Gastmusiker gibt es reichlich von Lil Jon über The-Dream, Kokane, Soulja Boy Tell Em, Brandy und Pharell. Am Ende hat man das Gefühl, es sei nun alles gerappt. Nicht nur in Snoop Doggs Malice In Wonderland, sondern im gesamten Genre der superreichen Gangsta-Rapper.

Interpret: Snoop Dogg
Titel: Malice In Wonderland
Plattenfirma: Capitol
Spielzeit: 54 Minuten
Erscheinungsdatum: 4. Dezember 2009

Natascha Leonie: Forget Humble

Natascha Leonie kommt aus Frankfurt, lebt in London und veröffentlichte kürzlich ihr beachtliches Debütalbum Forget Humble. Beeinflusst vom irischen Folk und US-Country-Pop spielte die 27-jährige Sängerin und Songschreiberin 13 einfühlsame Lebens- und Liebeslieder ein. Dabei kommt ihre Klassik- und Jazz-Ausbildung zum Ausdruck. Während Streicher und Piano Leonies Balladen Bridge, Dog'n'Bone oder Black Ice die nötige Tragik und Melancholie verleihen, sorgen Elektro-Beats, Indie-Pop-Synthies und dreckige Gitarren auf Don Juan oder Monument für Abwechslung und Frische. Auf dem folkigen Mosquito dominieren traditionelle irische Geigen, eine Pedal-Steel-Gitarre und der klare Gesang Leonies. Bevor die Frankfurterin und Wahl-Londonerin anfing eigene Songs zu schreiben, spielte sie in verschiedenen Bands und reiste als Managerin und Konzertveranstalterin von Künstlern wie Damien Rice oder The Frames um die Welt. Forget Humble nahm Leonie zusammen mit Michael Wolff und Andy Jackson in London, Frankfurt und Dublin auf. Mit dem Erstlingswerk ist Leonie ein kleines musikalisches Wunder geglückt, das berührt, mitreißt und ihr hoffentlich den verdienten Erfolg bringt.

Interpret: Natascha Leonie
Titel: Forget Humble
Plattenfirma: Polarbear
Spielzeit: 40 Minuten
Erscheinungsdatum: 10. November 2009

Ingrid Michaelson: Everybody

Die Selfmade-Singer-Songwriterin des Internetzeitalters hat nun ihr viertes Album herausgebracht. Everybody ist nach Girls And Boys aber erst das zweite, das auch in Deutschland erschienen ist. Der Titelsong animiert zum Mitsingen und Mitmachen wie das zuvor erschienen Be OK, das allerdings zu den ausgelassenen Alben gehört. Mit Soldier und Are We Yet spielt die 30-Jährige aber auch ihre ernstere Seite aus – mit der sie sich vor ihrem Plattenvertrag in Fernsehserien wie Grey's Anatomy spielte. Michaelson ist eine klassische Singer-Songwriterin zwischen Folk und Pop mit klassischen Einflüssen wie in Sort Of. Dass sie es nur mit langem Atem über Portale wie MySpace und populären Fernsehserien zu einiger Bekanntheit schaffen konnte, zeigt, dass heute Karrieren ganz anders gemacht werden. Voraussetzung sind ein überdurchschnittliches Songwriting, die Beherrschung mehrerer Instrumente und eine natürlich-lockere Kommunikation mit dem Publikum. Ganz groß: Incredible Love. Everybody ist insgesamt ein angenehmes Album mit zwölf gut durchhörbaren Songs.

Interpret: Ingrid Michaelson
Titel: Everybody
Plattenfirma: Cabin 24/Universal
Spielzeit: 46 Minuten
Erscheinungsdatum: 18. September 2009

bla/voc/nbr/news.de/ap

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