Camerons blaues Wunder
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Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Artikel vom 17.12.2009
Die Geschichte eines Naturvolkes, das durch Habgier und Arroganz bedroht wird, wurde schon oft erzählt. Aber noch nie so spektakulär wie von James Cameron in Avatar. Der Titanic-Regisseur entführt das Publikum in die außerirdische Welt der blauhäutigen Na'Vi.
Die Menschen hätten es wissen müssen, dass man mit dem Waldplaneten namens Pandora nicht spielen sollte. Zu unheilsverkündend ist bereits der Name. Aber die Habgier der menschlichen Rasse nimmt, wie so oft, überhand und will das wertvolle Gestein, das unter dem Dorf der Ureinwohner, den Na'Vi, liegt, schürfen.
Regisseur James Cameron erzählt in dem neuen Fantasy-Spektakel Avatar seine Parabel über den zerstörerischen und raffgierigen Charakterzug der Menschen. Er nutzt dabei nicht, wie vor ihm etwa Kevin Costner mit Der mit dem Wolf tanzt die unzähligen historischen Beispiele von Arroganz und Gewalt, die wir bereits auf der Erde zu bieten haben. Er verlegt stattdessen seine Geschichte in die Zukunft auf einen fremden Planeten.
Seine Hauptfigur ist Jake Sully, ein querschnittsgelähmter Marine, der von dem charismatischen Australier Sam Worthington gespielt wird. Sully soll sich in einen Avatar, einen Körper aus menschlicher DNS und dem Erbmaterial der hochgewachsenen blauhäutigen Na'Vi, einloggen und damit das Vertrauen der Bewohner Pandoras gewinnen und ihre Bräuche kennen lernen. Seine militärischen Auftraggeber haben jedoch nicht den kulturellen Kontakt im Blick, sondern wollen die Na'Vi zum Umsiedeln bewegen. Wenn nötig mit Gewalt. Und Sully liefert ihnen durch seine Beobachtungen die nötigen Informationen über ihre Schwächen.
Dass Jake, der in seinem Leihkörper endlich wieder rennen kann, sich in die Pandora-Welt, die Na'Vi und ihre verbundene Lebensweise sowie die Häuptlingstochter Neytiri verliebt, kam in dieser einfachen Rechnung nicht vor. Diese kleine Variable aber ändert alles und führt zur Schlacht zwischen Mensch und Na'Vi.
Avatar sollte Titanic folgen
Eigentlich hatte Cameron sich Avatar bereits 1999 im direkten Anschluss an seinen Megaerfolg Titanic auf die Agenda geschrieben. Aber selbst mit der Geldmaschine des Unglücksschiffs im Rücken war kein Studio bereit, ihm die Mittel zur Verfügung zu stellen, die das Projekt gekostet hätte. Zudem war die Technik einfach nicht so weit.
Zum Glück war Cameron so klug, seinen Wunschfilm vorerst auf Eis zu legen, statt billige Kompromisse zu machen. Man stelle sich vor, was für seltsame Watschelfiguren vor zehn Jahren aus den Na'Vi geworden wären, hätten die damaligen Effekte-Marktführer ILM, die George Lucas' Star-Wars-Witzfigur Jar Jar Binks auf die Leinwand gerotzt haben, den Na'Vi angenommen. Das muss auch Cameron bewusst gewesen sein. ILM konnte zwar jedem gewünschten Effekt spektakuläres Leben, aber doch keine Seele einhauchen. Erst als Cameron in Der Herr der Ringe die CGI-Figur Gollum erblickt, wusste er: Jetzt ist es fast soweit.
Dass Avatar ein solch fantastisches Spektakel geworden ist, liegt aber auch an den erzählerischen Fähigkeiten von Cameron und seinem Talent, einfühlsame Schauspieler wie Worthington in die Bresche zu schicken, anstatt sich ausschließlich auf die Technik zu verlassen. Aber Pandora zu so atemberaubender Schönheit zu verhelfen und das Publikum vergessen zu lassen, dass die Na'Vi am Computer entstanden sind, ist der große Verdienst der neuseeländischen Wunderkinder von Weta.
Was Gollum begann, perfektioniert Avatar
Peter Jacksons kreativer Begleiter Richard Taylor, der schon in den Herr-der-Ringe-Filmen und bei King Kong den optischen Hut auf hatte, sorgt wieder dafür, dass auf der Leinwand eine magische Welt entsteht, die einen oft so sehr ins Staunen versetzt, dass man kurzzeitig vergisst, der Geschichte zu folgen. Mit der aber lässt sich James Cameron bewusst Zeit und gibt dem Publikum Raum, sich an den fantastischen Landschaften und Wesen satt zu sehen, um dann die Handlung mit opulenter Wucht voranzutreiben und die Leinwand in der Schlacht explodieren zu lassen.
Das ist Camerons und Taylors wahrscheinlich größte Leistung: Technik und Optik sind zwar überwältigend, erdrücken aber nie die Geschichte, sondern katapultieren sie in eine neue Welt. Was Weta mit Gollum und Mittelerde so revolutionär begonnen hat, wird in Avatar perfektioniert. Wenn sich das Warten jedes Mal so sehr lohnt, dann darf Mr. Cameron auch bis zum nächsten Projekt gerne wieder ein paar Jahre Pause machen. Auch wenn in der Zwischenzeit eine große Lücke im Kino entsteht.
Titel: Avatar
Regie: James Cameron
Darsteller: Sam Worthington, Sigourney Weaver, Zoe Saldana, Stephen Lang, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi
Spielzeit: 161 Minuten
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 17. Dezember 2009
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