Wer nicht aufpasst, gibt alles preis
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 10.12.2009
Facebook gibt vor, den Datenschutz zu verbessern. Doch eigentlich will das Netzwerk Nutzerdaten frei im Web anzeigen.
Schon lange steht das soziale Netzwerk Facebook bei Datenschützern und Nutzern in der Kritik. Die Einstellungen zur Privatsphäre seien undurchsichtig und in den Tiefen der Seiten versteckt. Gestern nun launchte das Netzwerk ein neues Tool, mit dem Nutzer bessere Kontrolle über die Verbreitung ihrer Informationen bekommen sollten. Nach dem Einloggen wird jeder der inzwischen mehr als 350 Millionen Mitglieder aufgefordert, seine Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen. Doch wer hier nicht aufpasst, macht seine Informationen im gesamten Web frei verfügbar.
Die Nutzer werden aufgefordert, für ihre Daten neue Einstellungen zu wählen: Entweder kann man die eigenen Statusmeldungen, Fotos und Videos allen Internetnutzern zugänglich machen oder seine bisherigen Einstellungen behalten, sodass nur Freunde innerhalb das Netzwerkes sehen können, was auf der eigenen Seite passiert. Facebook allerdings schlägt seinen Nutzern die erste Variante ausdrücklich vor – und hat sie zudem standardmäßig voreingestellt. Wer also nicht aufpasst und einfach auf Speichern klickt, macht seine Daten automatisch frei verfügbar. Statusmeldungen oder Kommentare könnten dann beispielsweise über die Google-Suche gefunden werden.
Auch wer gar nicht erst auf die Aufforderung reagiert, seine Privatsphäre-Einstellungen zu aktualisieren, gibt bald alles preis. Und das könnte die große Mehrheit sein: Laut dem Blog Techcrunch haben bei den vergangenen Umstellungen 80 Prozent aller Nutzer nicht auf Hinweise von Facebook reagiert, die eigenen Einstellungen zu aktualisieren.
Facebook will, dass Nutzer Daten zugänglich machen
Schon im Juni hatte Facebook ein Tool gelauncht, womit Nutzer ihre Statusmeldungen auf Wunsch auch außerhalb des Netzwerkes im Internet zugänglich machen konnten. Die Meldungen hätten dann per Echtzeitsuche im Web gefunden werden können – und Facebook wäre attraktiv geworden für Werbepartner oder für eine Kooperation mit Google oder Bing. Jedoch hat dieses Tool kaum jemand genutzt.
Mit seinen neuen Privatsphäre-Einstellungen hat Facebook einen Weg gefunden, die Nutzer dazu zu bringen, ihre Daten frei verfügbar zu machen – und gleichzeitig für einen angeblich verbesserten Datenschutz zu werben: Wer den Empfehlungen Facebooks folgt oder die Hinweise ganz ignoriert, öffnet seine Daten für das ganze Web. Facebook selbst verteidigt seine Empfehlung als eine echte Hilfestellung: Sie seien erstellt worden, um den Nutzern zu helfen, sich zu vernetzen und ihre Links und Videos zu teilen.
In den USA sammeln Experten schon Beweise, um gegen die Praxis von Facebook vorzugehen. «Wir machen derzeit eine Menge Screenshots», sagte Marc Rotenberg, Director des Datenschutzinformationszentrums der Nachrichtenagentur Reuters.
voc/news.de
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