Von news.de-Redakteur Christian Vock, Berlin
Bei ihrer Olympia-Berichterstattung heißt es für ZDF und ARD: nicht kleckern, sondern klotzen. Vor allem auf das neue HDTV ist man stolz. Doch wie sinnvoll ist das alles wirklich?
Es war das große Schulterklopfen. Als ARD und ZDF heute in Berlin ihre Olympiaberichterstattung vorstellten reihte sich ein Eigenlob an das nächste, kaum ein Superlativ, der nicht benutzt wurde. Zahlen über Zahlen, wann wo und vor allem wie lange über das olympische Treiben berichtet werden soll. Es sei den Verantwortlichen verziehen, ein bisschen Show, ein bisschen Eigenwerbung sei selbst den Öffentlich-Rechtlichen zugestanden. Die Ware muss ins Schaufenster.
Was man dort zu sehen bekam, darüber kann man aber streiten. Denn, und das machte die über einstündige Präsentation deutlich: Die Olympia-Berichterstattung wird unter dem Motto laufen «mehr ist mehr». Vor allem auf das hochauflösende Fernsehen (HDTV) war man stolz. «Das werden die schärfsten Spiele, die es je gegeben hat», kalauerte Volker Herres, Programmchef des Ersten, etwas unbeholfen, aber mit umso glänzenderen Augen.
Kein Zweifel, eine Diskussion über das «Ob» des HD-Fernsehens und die damit verbunden Kosten ist so sinnvoll wie ein drittes Nasenloch. Hochauflösendes Fernsehen ist die Zukunft, an der keiner mehr vorbei kommen wird. Heute zweifelt auch kaum jemand an der Überlegenheit des Farb- gegenüber dem Schwarz-Weiß-Fernsehen. Auch wenn es fraglich ist, wie viele Menschen tatsächlich schon bei den Spielen in Vancouver HDTV nutzen können und auch wenn Sport hauptsächlich von der Spannung lebt, die es nun einmal nicht hochauflösend gibt: Irgendwann muss man damit anfangen, warum also nicht jetzt?
Worüber man durchaus diskutieren kann, ist der Umfang der Berichterstattung. 600 Stunden Olympia kündigen die Öffentlich-Rechtlichen in Hörfunk und Fernsehen an. Zur Information: Die Spiele an sich dauern nur 408 Stunden. Hinzu kommt noch die Online-Berichterstattung, bei der unter anderem Katarina Witt aus Vancouver bloggen wird. Brauchen wir das wirklich alles?
So alt die Leier von den Gebühren auch ist: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht immer unter Rechtfertigungsdruck seiner Kosten. Und das ist völlig in Ordnung. Wer mit einer Regelmäßigkeit für sein immer umfangreicheres Angebot immer mehr Geld bekommt, der muss sich auch Fragen nach dessen Verbleib gefallen lassen.
So richtig beruhigen konnte der Einwurf von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nicht, der versprach, angesichts des Kostendrucks noch stärker als bisher die Synergy-Effekte zwischen ARD und ZDF zu nutzen. Was das in Zahlen bedeutet, davon war heute nicht die Rede.
Doch wie so oft, wird man erst im Nachhinein wissen, was die ganzen Neuerungen dem Zuschauer schlussendlich gebracht haben. Einen ersten Vorgeschmack gab es aber heute schon: Zu dem Trailer, den das ZDF für seine Berichterstattung als Erkennungszeichen senden wird und bei dem das Biber-Maskottchen die Olympischen Ringe in den Nadelwald knabbert, meinte ARD-Wetterfrosch Jörg Kachelmann: «Ich glaube, Biber gehen nur auf Laubbäume.»
mik/news.de