Moralische Instanz im Netz
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 04.12.2009
Wer gibt heutzutage noch Antworten auf moralische Fragen? Die Kirche? Die Politik? Dr. Dr. Rainer Erlinger mit seiner Gewissensfrage im SZ-Magazin? Unter Umständen. Auf jeden Fall aber ein Blog, geführt von zwei Journalistinnen: dastutmannicht.de, unser Surftipp der Woche.
«Es braucht wieder mehr Menschen in diesem Land, die sagen: So etwas tut man nicht», sagte Bundespräsident Horst Köhler in seiner Berliner Rede im Frühjahr. Gleich um die Ecke, in Potsdam, haben sich das zwei Menschen zu Herzen genommen: die Journalistinnen Margaret Heckel und Ursula Weidenfeld. Mit ihrem Blog dastutmannicht.de wollen sie Menschen eine Plattform bieten, um «in ethischen oder moralischen Konflikten» ihre Fragen stellen zu können.
Und wer gibt die Antworten? «Personen mit Fachwissen, Ethikexperten oder Menschen mit Lebenserfahrung und Autorität. Das können Lehrer und Ärzte sein, Pastoren, Väter, Mütter, Großmütter, Gewerkschafter, Unternehmer – oder Betroffene, die eine ähnliche Situation schon einmal bewältigt haben. Jeder mit Kompetenz und Autorität für diese Frage.»
Die Themen sind dabei so bunt wie das Leben. Oder wie der Tod. Aktuell etwa wird die Frage «Kann ich einen unerwünschten Beerdigungsgast des Friedhofs verweisen?» diskutiert, die Antwort des Experten lautete eindeutig: Nein.
Ansonsten geht es um unbezahlte Rechnungen, Vitamin B bei der Jobsuche, den Übertritt von einer Religion in die andere oder Freundschaften zum Ex-Freund. Alles nach dem Motto: «Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können – oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken.»
Ein wenig versteckt unter dem Menüpunkt «Blogs» finden sich die Sophisticated Mums. Übersetzt könnte das einiges bedeuten. Anspruchsvolle Mütter etwa oder erfahrene Mütter, komplizierte Mütter oder weltkluge Mütter. Ein bisschen von allem steckt in diesem noch jungen Blog der Autorinnen Inge Kloepfer und Gerlinde Unverzagt. Mütter, so schreiben sie, gibt es in allen Größen, Farben und Formen. «Dabei haben alle etwas gemeinsam, ganz egal, ob sie gerade den Hartz IV-Antrag ausgefüllt, das Aktienportfolio aufgestockt, die Scheidungsurkunde unterzeichnet oder die Promotion abgeschlossen haben: Mütter besuchen Elternabende. Mütter stehen mindestens zweimal in der Woche in der Küche, um etwas zu produzieren, das nicht aufgetaut und auch nicht vom Pizza-Service geliefert ist. Und: Mütter sind Weltmeister in Selbstkritik.»
Doch nicht nur von sich selbst, auch von der Gesellschaft werden Mütter kritisiert. «Deshalb zucken wir schuldbewusst zusammen, wenn mal wieder im Fernsehen oder in der Zeitung von multiplem Versagen moderner Mütter die Rede ist. Außer den Kindern selbst scheint niemand allzu viel von Müttern zu halten. Doch das ändert sich, wenn wir den l'Oréal-haften Funken in die Asche blasen: Weil wir es uns wert sind. Das private kleinste gemeinsame Vielfache ist politisch. Darüber reden wir. Darüber streiten wir. Deshalb bloggen wir.»
Und das tun sie in äußerst lesenswerter Weise. Drei Beiträge sind bis jetzt erschienen, unterhaltsam, engagiert und kritisch. Etwa zur neuen Familienministerin Kristina Köhler und der Frage, ob sie als (noch) unverheiratete und kinderlose Frau überhaupt für dieses Amt taugt.
Mit all diesen Facetten ist dastutumannicht.de ein Lichtblick in der aktuellen Blogosphäre, die sonst eher durch Stillstand oder sogar Sterben gekennzeichnet ist. Optisch zurückhaltend, inhaltlich dafür umso brillanter.
voc/nbr/news.de
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Verehrter Dr. Dr. Erlinger. Sie sehen, die Korrektur ist bereits erfolgt, und Sie können sicher sein, das schlechte Gewissen plagt mich. Herzlichst, Florian Blaschke
jetzt antwortenKommentar meldenIch schreibe selbstverständlich für das "SZ-Magazin" und nicht für die "Zeit" MfG Dr. Dr. Erlinger
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