Stadtfluchten
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Von news.de-Mitarbeiterin Juliane Wienß
Artikel vom 04.12.2009
In dieser Woche entführt Sie das Fernsehen an Orte jenseits der Stadt, hinaus aufs Land und in die Weiten von Bergen und ewigen Straßen. Aber keine Sorge: Kein purer Heimatfilm ist darunter, ganz in Gegenteil wird es statt herzig auch mal blutig und statt idyllisch sogar richtig gefährlich.
Mit der frischen Luft auf dem Land und wenig gutem Willen, glaubt Ivan (Mads Mikkelsen), ist jeder Verbrecher resozialisierbar. So lebt der Pfarrer inmitten blühender Bäume in einer Männer-WG der besonderen Sorte: mit dem kleptomanischen Gunnar, dem explosiven Khalid und seinem Neuzugang, dem Nazi Adam. Der schlägt seinen Betreuer zwar fast tot, setzt sich dafür aber ein anspruchsvolles Ziel: einen eigenen Apfelkuchen zu backen. Der Humor von Adams Äpfel am Freitag ist dermaßen schwarz, dass der Zuschauer glaubt, die Dänen hätten ihn erfunden (22.25 Uhr, 3Sat).
Auf dem moldawischen Land lebt es sich jenseits der Idylle: Der Staat zählt zu den ärmsten Europas, jeder vierte Moldawier arbeitet im Ausland, um die Familie daheim versorgen zu können. Die preisgekrönte Doku am Samstag über Die Blumenbrücke (23.10 Uhr, Arte) besucht den Bauern Costica, der mit seinen Kindern in der Provinz blieb, während seine Frau nach Italien ging. Seit dreieinhalb Jahren kennt er nur noch ihre Stimme am Telefon und ihre Post in die ferne Heimat.
Auf einer der längsten Straßen Lateinamerikas ist die Heimat überall fern. Die Ruta 40 führt ab der bolivianischen Grenze über 5000 Kilometer gen Süden durch die steinigen Weiten Argentiniens. Sie ist heiß und kalt, hoch und tief, Wüste und Wald, weil sie sämtliche Klimazonen des Kontinents durchkreuzt. Und sie ist auch die wirtschaftliche Lebensader der umliegenden Länder. Hunderte Fernfahrer aus Bolivien, Argentinien und Chile sind täglich ihre Blutkörperchen. Sie kennen die besten Geschichten über Die legendäre Ruta 40 für den Sonntagabend (18.30 Uhr, 3Sat).
Dass er nur ein Geschichtenerzähler sei, muss sich Carlo vorhalten lassen. Der Glaziologe warnt in der Tiroler Provinz vor dem baldigen Abtauen eines Gletschers und einer Flutwelle, die auf die Stadt niederdonnern würde. Aber sein Schwiegervater, der Bürgermeister, will davon nichts wissen, weil er gerade versucht, den örtlichen Tourismus anzukurbeln. Wenn Gletscherblut vom Hang fließt, sind Naturaufnahmen und Beziehungskiste vom Heimatfilm geborgt, die Spannung aber kommt vom Motiv der Katastrophe mit realistischem Hintergrund. Der beratende Gletscherforscher Wilfried Hagg lieferte dem Umweltdrama am Montag ein seriöses Fundament (20.15 Uhr, ZDF).
Auch auf den benachbarten Bergen fließt Blut, aber echtes: Bei der Eisweinlese taucht ein Toter in der Presse auf. Kriminalinspektor Simon Polt (Erwin Steinhauer) ist auf dem Gut zur Stelle, um sich die Familienverhältnisse der Winzer mal genauer anzuschauen. Was nach Krimi auf dem Lande klingt, ist zugleich Milieustudie einer österreichischen Weinregion und ihrer Bewohner. Neben eindrucksvoller Fotografie überzeugt dieser Polterabend am Dienstag auch durch seine Besetzung, etwa mit Monica Bleibtreu (20.15 Uhr, 3Sat).
Die Stadt ist oft die glänzende Seite eines Landes, wer ihre Probleme sucht, muss an den Rändern oder in der Provinz schauen, wie es den Menschen geht. Obwohl die Rassentrennung in Südafrika längst offiziell beendet wurde, ist das Wohlstandsgefälle zwischen Schwarz und Weiß nach wie vor enorm. Mangel und Not offenbaren sich nicht nur in den Townships, sondern auch auf dem Land, wo die Reformen vielerorts scheiterten. Die Doku am Mittwoch zeigt, dass das Land, das in einem halben Jahr die WM ausrichten will, jede Menge Risse im Regenbogen hat (23.30 Uhr, ARD).
Wie das Leben, oder besser gesagt, das Überleben außerhalb der City wirklich ist, bringen die belgischen Extremtester in Erfahrung. In dieser Episode der insgesamt achtteiligen Dokusoap (19.30 Uhr, ZDFneo) schlägt sich Tom Waes durch die Welt der Gebrauchsanleitungen und versucht, gemeinsam mit seinem Ton- und seinem Kameramann in der Wilnis zu überleben. Aber was helfen die Tipps eines Bärenspezialisten, wenn man den Kompass nicht lesen kann? Die spinnen doch, die Belgier am Donnerstag. Auf dem deutschen Ländle ist's es doch bei weitem nicht so gefährlich.
bla/news.de
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