Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Einen müden Start hat die ZDF-Krimiserie Flemming hingelegt, nun aber sieht es so aus, als würde sich das Format rund um den verschrobenen Polizeipsychologen erholen. Vor allem bei den jüngeren Zuschauern scheint die Serie ihre Fans zu finden.
Es war schon ein mehr als seltsamer Auftritt, den Flemming (Samuel Finzi) da in seinem Pilotfilm hingelegt hat. Erst versuchte er, mit Jackett und ausgerissener Tasche am Taxistand eine Stewardess anzugraben, am Ende baute er für sie einen Tisch mitten in einem Brunnen auf und wartete klitschnass auf sein Date. Ein Psychopath? Ein Alkoholiker? Keins von beiden. Ein Polizeipsychologe, den das ZDF seit dem 13. November in den Krimifreitag schickt.
Der Start indes verlief reichlich holprig für den verschrobenen Flemming. Den 90-minütigen Auftaktfilm um 21.15 Uhr sahen im Schnitt nur 3,53 Millionen Zuschauer, ein Marktanteil von 12,1 Prozent. Mäßig, wenn man bedenkt, dass es sogar eine Tatort-Wiederholung im Ersten auf mehr Quote bracht, dass Stolberg, ebenfalls ein noch recht frischer Ermittler im ZDF, es auf 4,72 Millionen Zuschauer und damit 15,4 Prozent bringt, oder dass die am Donnerstag zuvor erstmals ermittelnde Soko Stuttgart 4,38 Millionen Zuschauer und damit 21,2 Prozent Marktanteil erreichte.
Zuletzt aber hat Flemming aufgeholt, die zweite Folge verbuchte immerhin einen Zuwachs von einer halben Million Zuschauer: 4,06 Millionen Menschen wollten wissen, wie die Folge ausging, ein Marktanteil von 13,7 Prozent. Gegen die Klassiker im ZDF jedoch, den Fall für Zwei etwa, sieht Flemming immer noch blass aus. Der schafft es nach wie vor auf 4,79 Millionen Zuschauern und 15,9 Prozent.
Brisante Krimi-Experimente
Die Kritiker mochten den Ermittler hingegen von Anfang an. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung urteilte über den verschrobenen Psychologen: «Man merkt, dass der Autor Gregor Edelmann in seine Hauptfigur vernarrt ist. Neben Flemming, den Samuel Finzi sprühfunkelnd spielt, verblassen die anderen, auch seine von Claudia Michelsen gespielte Ex-Frau Ann Gittel. Mit diesem Flemming setzen Autor und Sender die erfolgreiche Geschichte des Letzten Zeugen fort, der preisgekrönten Serie, in welcher der verstorbene Ulrich Mühe brillierte.»
Kaum weniger überzeugt zeigte sich der Spiegel, der über die erste Folge schrieb: «Der Verbal-Rabauke Flemming ist ein schöner Neuzugang für jenen Freitagabend-Sendeplatz im ZDF, der einmal die ‹Kaminstunde des deutschen Fernsehens› genannt wurde. Doch wo ehedem Ermittler alter Schule wie Derrick antraten, werden inzwischen auch hoch brisante Krimi-Experimente wie Kriminaldauerdienst gewagt.»
Und die können durchaus schiefgehen. Der KDD, wie die Krimiserie im Kürzel hieß, wurde zwar von den Kritikern ausdrücklich gelobt, beim Publikum aber fiel sie aufgrund ihrer düsteren Bildsprache durch und wurde nach zwei Staffeln abgesetzt. Der Krimiabend des ZDF, er gehört seit jeher eher den schlichteren Fällen, den eingängigen Charakteren, selbst Ulrich Mühe als Dr. Robert Kolmaar war zwar ein besessener und leicht melancholischer Ermittler, doch er sperrte sich nicht, für den Zuschauer taugte er als Identifikationsfigur.
Ein narzisstischer Hochstapler
Flemming macht es einem da schon schwerer. Die Welt schrieb über die Serie: «Wie diese fantastisch vielseitige und vielschichtige Figur es in ihrem Debüt leichthin vermag, gleichzeitig als Kriminalpsychologe zu buddeln, als erotomanischer Frauenheld zu baggern und als narzisstischer Mann des Wortes hochzustapeln, dürfte zum einen so manchen Bauarbeiter neidisch werden lassen.» Doch will der Zuschauer wirklich neidisch werden? Will er eine Hauptfigur, die rätselhaft bleibt? Eine, mit der man keinerlei Gemeinsamkeiten entdeckt und die man schlichtweg nicht versteht?
Ein Blick ins Internet lässt genau das Gegenteil vermuten, zumindest, was das junge Publikum angeht. Die Reaktionen auf Twitter etwa waren fast durchweg negativ, von dem «kläglichen Versuch, skandinavischen Krimi-Flair in einen deutschen Krimi zu ballern» war da die Rede, von «Vorschulpsychologie» und «Backfabrikdrehbuch», von schrottigen Dialogen und idiotischen Konstellationen.
Die Quoten aber sprechen eine andere Sprache, möglicherweise könnte Flemming dem ZDF bei den 14- bis 49-Jährigen sogar auf die Sprünge helfen. Derrick, Der Alte oder Ein Fall für Zwei, sie alle waren eher Krimis für die älteren Semester. Flemming jedoch verbucht seine größten Steigerungen genau in dieser Zielgruppe.
Flemming, freitags, 21.15 Uhr, ZDF
juz/news.de