Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Nur ausgewählte Kritiker durften Til Schweigers neuen Film Zweiohrküken vor dem Kinostart sehen. Aus Angst vor der Kritik, die den Vorgänger Keinohrhasen zum Teil zerrissen hat. «Ätschibätsch», sagt Schweiger und verdrückt sich in die Kleinkinderecke.
Til Schweiger mag wissen, wie man erfolgreiche Filme produziert. Er mag sogar für den ein oder anderen als guter Schauspieler gelten, als deutsche Hoffnung im internationalen Geschäft. Von PR oder Pressearbeit aber scheint er gar keine Ahnung zu haben.
Sich der Kritik nicht stellen zu wollen, weil man die Verrisse im Feuilleton fürchtet, ist aus menschlicher Sicht vielleicht noch verständlich. Niemand liebt es, für harte Arbeit kritisiert zu werden. Zum professionellen Umgang aber gehört das zwingend dazu. Auch Schweiger sollte das wissen, sagte er dem Spiegel doch kürzlich erst: «Ich kann im Feuilleton keinen Blumentopf gewinnen, das ist schade, aber ich muss das akzeptieren.» Genau das aber tut er nicht, er zieht sich schmollend in die Kleinkinderecke zurück, wo er sich die Welt so malen kann, wie er sie möchte. Und aus dieser Ecke kommt auch der Seitenhieb in Zweiohrküken, ein Kiosk, an dem eine Zeitung mit der Schlagzeile «Die 40 nervigsten Kritiker» hängt.
Es gibt aber noch ein weiteres Problem in der Küken-Causa: die Finanzierung des Films. Zwar ist sich Schweiger sicher, er müsse dem Zuschauer nicht erklären, warum er seinen Streifen mit öffentlichen Geldern – immerhin 550.000 Euro von der Filmförderungsanstalt und 900.000 Euro vom Medienboard Berlin-Brandenburg – produziert hat. Der Zuschauer freue sich einfach, dass er ihn gucken dürfe, wieviel Schweiger in den letzten Jahren verdient habe, sei da unerheblich. Die Frage aber, ob sich ein derart vom Steuerzahler finanziertes Projekt der öffentlichen Diskussion entziehen darf, indem nur geladene Kritiker zugelassen werden, ist eine andere.
Bliebe noch der rein praktische Aspekt, den Schweiger betont: «Ätschibätsch, ich zeig euch meinen Film nicht mehr vor Kinostart umsonst, ihr müsst euch eine Karte kaufen, den Film mit Publikum schauen – für viele Kritiker ein Graus –, und dann könnt ihr immer noch den Verriss schreiben.» Ein Kinokritiker, der das Kino nicht mag? Den es graust, einen Film mit Publikum zu schauen? Man kann nur den Kopf schütteln ob derart verschrobener Ansichten.
Gerade das Feuilleton, vor dem Schweiger solche einen Bammel zu haben scheint, dürfte sich von solchen Fisimatenten nicht beeinflussen lassen. Da bleibt ein schlechter Film ein schlechter Film, mag das Publikum auch noch so begeistert sein. Und ein Til Schweiger, der sich derart ins Bockshorn jagen lässt, bleibt ein Angst(ohr)hase.
hav/news.de