«Assassin's Creed II» Showdown im Vatikan

«Assassin's Creed II» (Foto)
Meuchelmörder im 15. Jahrhundert: Ezio ist die Hauptfigur in Assassin's Creed II. Bild: Ubisoft

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Dass Geschichte auch in Videospiele passt, hat Publisher Ubisoft vor zwei Jahren bewiesen. Jetzt ist mit Assassin's Creed II die Fortsetzung des Erfolgs gestartet. Mit Verbesserungen, aber noch immer nicht ohne Macken.

Fortsetzungen gefeierter Videospiele gab es 2009 allerhand. Eingereiht hat sich da auch Ubisoft. Assassin's Creed II ist der Nachfolger des vor zwei Jahren groß gefeierten Erfolgstitels, der sich den Spuren der Vergangenheit widmete. Kritiklos bliebt der Neuling damals freilich nicht - angefangen bei einer drögen Künstlichen Intelligenz (KI) bis hin zu sich ärgerlich wiederholdenen Questprinzipen.

Das hat Ubisoft beim Neuling nicht außen vor gelassen. Ezio, der in Italien in die Fußstapfen der Vorgängerfigur Altair tritt, sind andere technische Voraussetzungen gegeben. Freilich aber auch eine anderen Kulisse. Spielte Assassin's Creed noch zur Zeit der Kreuzzüge des Richard Löwenherz muss sich Ezio Auditore da Firenze - sein Name verrät es - im Italien des 15. Jahrhunderts einer bitteren Intrige stellen, der die männlichen Vertreter seiner Familie zum Opfer fallen. 

«Assassin's Creed II»
Italienische Momente
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Verschwörer hinter der mörderischen Attacke ist der Papst. Ezio macht sich auf nach Rom, um Alexander VI. den Garaus zu machen. Das aus der Familie Borgia stammende Kirchenoberhaupt ist nicht nur im Spiel eine machtgierige Figur ohne Skrupel. Unzählige Ekzesse und Giftmorde ranken sich um den historischen Borgia-Papst, dessen plötzliches Ableben oft mit einer Vergiftung in Zusammenhang gebracht wird, die sich aber nie beweisen lies.

Verbindungsglied zwischen Ezio und Altair ist Desmond, der mit Hilfe von Lucy in der Animus-Maschine im ersten und zweiten Spiel in die Erinnerungen der Figuren schlüpft. In Assassin's Creed II gerät das aber schnell in Vergessenheit. Die Entwickler haben so sehr an der Spielgeschichte gefeilt, dass der reminiszente Charakter des Vorgängers fast gänzlich verloren gegangen ist. Dieser wird immer nur dann spürbar, wenn Ezio sich in einem Spielgebiet bewegt, das durch seine Aktivitäten erst noch freigeschaltet werden muss. Zudem wird das Erlebte aus dem Vorgängerspiel mit einem einzigen Satz Lucys beiseite gewischt: Das Vergangene sei vergessen.

«Assassin's Creed II»
Ein düsterer Krieger
Video: Ubisoft

Unverwüstliches Steh-auf-Männchen

Rache aber ist weiterhin das Mittel zum Zweck. Gleiches wird mit Gleichem, wenn auch hinterrücks vergolten. Und manches Mal stellt sich doch die Frage: War das jetzt wirklich nötig? Doch das ist die Konsistenz des Spiels. Zugute zu halten ist, dass Mord nicht ausschließlich Mittel zum Zweck ist. Gelegentlich darf dem Gegenüber auch nur ein gehöriger Schrecken versetzt werden. Sonst muss Ezios Erinnerung für Desmond neu geladen und mit korrektem Ausgang wiederholt werden.

Ähnlich läuft es übrigens auch mit dem vermeintlichen Ableben der spielerischen Hauptfigur. Anders als seine Gegner kehrt Ezio immer wieder ins Leben zurück - und muss dafür nicht bei Null anfangen. Das Kerlchen ist unendlich lebendig und mindestens so affenartig. Kein Gebäude, das nicht von ihm erklommen werden kann. Nötig oder nicht, zu Fuß durch die Straßen geht es manchmal eben schneller.

Das kann unter Umständen aber auch misslich werden. Soziales Fehlverhalten wird geahndet, wenn auch vorrangig formell. Geht Ezio mit zu vielen Kulissenfiguren zu grob um, tauchen im Spielterrain Flugblätter mit seinem Konterfei auf, was es ihm erheblich erschwert, seine Aufträge auszuführen.

Schön wäre es gewesen, hätten die Entwickler diese Konsequenz auch bei der KI gezeigt. Selbst in größeren Gruppen erweisen sich die Gegner als kampfschwache Figürchen. Zu leicht kann sich der Spieler aus den misslichen Situationen herausziehen. Bisweilen funktioniert sogar Weglaufen, was einem Assassinen alles andere als gerecht wird.

Kämpferischer Choreografie vom Feinsten

Dafür gibt es reichlich Abwechslung. Bevor es zum finalen Showdown mit dem Papst kommt, gehen viele Aufgaben in die italienische Landschaft. Zwar wird Ezio gelegentlich auch mal zum Boten degradiert. Doch die zu erfüllenden Quests bieten eine Menge Abwechslung. Sicherlich mag die eine oder andere überflüssig sein. Doch irgendein Aspekt taucht in der Geschichte immer wieder auf, macht sie rund. In Kombination mit imposanten Schauplätzen und einigen Rätseln kommt so schnell keine Langeweile auf.

«Assassin's Creed II»
Erkenne deine Bestimmung
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Viel Mühe zeichnet sich zudem in der Choreografie der Kämpfe ab. Die Gegner sind vielfältig und mit unterschiedlichsten Fähigkeiten ausgestattet. Sture Sturmtaktik genügt eben nicht, um sich jedes Problem vom Hals zu schaffen. Zudem ist der Waffenkampf nicht immer der letzte Ausweg. Ezio ist in der Lage, seine Gegenspieler auch zu entwaffnen und die Feindeswaffe anschließend selbst zu benutzen.

An vielen Stellen wird die Xbox-360-Version den Ansprüchen hinter dem Spiel, aber auch den technischen Gegebenheiten der Konsole nicht gerecht. Ein Blick auf die Figuren - vor allem auf ihre Gesichter - zeigt noch immer puppenhafte Züge. Der enorme Aufwand, der bei der lebendigen Gestaltung der Kulissen deutlich wird, spiegelt sich bei den Figuren nur bedingt wieder. Selbst der Blickkontakt zwischen den Figuren geht stellenweise gehörig daneben.

Regelrecht nervig ist die Steuerung. Selbst wenn Ezio geradeaus guckt, heißt das noch lange nicht, dass sich der Assassine auch in die Richtung bewegt. Wirklich von einem Dach fallen kann er zwar nicht. Trotzdem ist es umständlich, ihn in die gewünschten Bahnen zu lenken. Solche Tücken tauchen bei den kämpferischen Auseinandersetzungen freilich nicht auf.

Deren präzise Inszenierung ist einer der Gründe für die Altereinstufung der Jugendschützer ab 16 Jahre. Heimtückische Attacken und direkte, kaltblütige Angriffe rechtfertigen die Entscheidung zusätzlich.

Fazit: In Sachen Story braucht sich auch der zweite Assassin's Creed-Teil nicht zu verstecken. Wer den ersten Teil nicht kennt, findet sich zurecht. Dass aber die Geschichte des Vorgängers weitgehend ignoriert wird, lässt für Neueinsteiger dann doch manche Frage offen. Was hat es mit der Erinnerungsmaschine auf sich, warum blitzen Hightech-Bilder mitten im Zeitalter Leonardo Da Vincis auf? Kombiniert mit der zwar überarbeiteten, bei weitem aber nicht überragenden Spielmechanik erweist sich Assassin's Creed II als gute Spielunterhaltung, die bis zum Spieleolymp allerdings noch etwas Feinschliff nötig hat.

Titel: Assassin's Creed II
Genre: Action-Adventure
Publisher: Ubisoft
Entwickler: Ubisoft Montreal
Preis: zirka 55 Euro
Sprache: Deutsch
USK: ab 16 Jahre
Altersempfehlung der Redaktion: ab 16 Jahre
Plattform: Xbox 360 (außerdem: Playstation 3, Nintendo DS, Playstation Portable)
Veröffentlichungsdatum: November 2009
Weiterspielen: Assasssin's Creed, The Witcher

kat/news.de

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