Frauenrechtlerin Schwarzer zu Dönhoff «Neugierde, Sorgfalt, Haltung»

Alice Schwarzer begleitete Marion Dönhoff ein Jahr lang als ihre Biografin. In einem Interview mit news.de hilft die Publizistin, sich der Person Marion Dönhoff ein wenig zu nähern.

Alice Schwarzer schrieb eine Biografie über Marion Dönhoff. (Foto)
Alice Schwarzer schrieb eine Biografie über Marion Dönhoff. Bild: dpa

Sie haben eine Biografie über Marion Dönhoff geschrieben, wollten aber zwischendrin dreimal hinschmeißen. Warum? 

Schwarzer: Ich wollte die Arbeit dreimal hinschmeißen, weil die von mir Porträtierte zwar gesehen werden wollte, aber nicht erkannt, weil ich sie erfassen sollte, aber nicht berühren. Eine schwer auszuhaltende Doublebind-Situation. Aber ich denke, ich habe sie bewältigt, habe die «Gräfin» vom Piedestal geholt und einen lebendigen Menschen aus ihr gemacht.

Ihre Biografie trägt den Titel Marion Dönhoff, von Gräfin keine Spur. Warum diese vertrautere Variante? 

Schwarzer: Marion Dönhoff war tief geprägt von ihrer Herkunft – aber pfiff auf Titel. Ich glaube, sie wäre oft lieber einfach die Marion gewesen, statt dieses Gräfinnen-Label verpasst zu kriegen. Und es ist wohl auch kein Zufall, dass unsere Beziehung bei der «Gräfin» anfing – und bei «Marion» endete.

Marion Dönhoff war alleine schon durch ihre Herkunft privilegiert. Woher stammt dennoch ihr Verantwortungsgefühl für andere? 

Schwarzer: Die 1909 im tiefen Ostpreußen auf einem Schloss Geborene war privilegiert und vernachlässigt zugleich. Sie kam zu einer Zeit auf die Welt, in der Frauen noch kein Abitur machen durften, sondern im Kindbett starben. Auch Gräfinnen. Und sie war das letzte, fast vergessene Kind alter Eltern. Doch von Anfang an war es selbstverständlich, dass die Komtess den Kopf hinhalten musste, wenn sie Streiche mit den Dorfkindern gemacht hatte – und Suppe zu bringen hatte, wenn jemand im Dorf krank war.

Marion Dönhoff war ein großer Fan von Karl May. Hat sie Ihnen diese Liebe erklärt?

Schwarzer: Marion Dönhoff war das, was man heute in der Psychologie eine «Vatertochter» nennt. Sie hat die kichernden Hausmädchen und knicksenden Hofdamen eher verachtet und fand ihren weitgereisten Vater oder den Kutscher viel interessanter. Also hat sie sich auch beim Lesen von Karl May mit dem Häuptling identifiziert.

Was könnte ein Berufsanfänger von der Journalistin Dönhoff lernen? 

Schwarzer: Junge JournalistInnen können von Marion Dönhoff lernen: Neugierde, Sorgfalt und Haltung. 

ped/nbr/news.de

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Goldt
  • Kommentar 4
  • 29.12.2009 12:19
Antwort auf Kommentar 3

Wer den Einfall zu dieser Biografie hatte, weiß ich leider auch nicht. Aber Frau Dönhoff hätte sich kaum von Frau Schwarzer zu Recherchezwecken begleiten lassen, wenn sie nichts von ihr gehalten hätte.

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  • Sächsin
  • Kommentar 3
  • 29.12.2009 11:35

Kommentar eins und zwei habe ich noch etwas hinzuzufügen: Wenn sich die Kommentatoren etwas mehr mit der Biografie und der Entstehung beschäftigt hätten, hätten sie nicht diese Kommentare schreiben können. Die Frau Gräfin hätte sich sicher nicht auf eine unqualiifizierte Biografin eingelassen. Frau Schwarzer ist ebenso wie Frau Dönhoff eine brilliante Intellektuelle.

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  • robert15
  • Kommentar 2
  • 02.12.2009 18:53

Dem Kommentar 1 ist nichts mehr hinzuzufügen. Allerdings wäre zu klären, wer den absurden Einfall hatte. Alice Schwarzer spielt doch in einer ganz anderen Liga. Ich würde rundweg behaupten, dass es beinahe eine Beleidigung von Frau Gräfin Dönhoff ist.

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