Der Türke steht immer am Döner
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Sie sind Unter Uns und erleben Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. Aber die Türken, Italiener und Araber in deutschen TV-Soaps spielen noch immer Stereotype nach, findet Fernsehforscherin Elke Schlote. Unter-Uns-Produzent Guido Reinhard sieht das anders.
Ayla Özgül ist außer sich. «Die bringen Dich um, Tayfun», brüllt die junge Türkin ihren Cousin an. Der schiebt sie weg: «Ich muss da hin, verstehste nicht?»
Folge 4398 im Soap-Dauerbrenner Gute Zeiten, Schlechte Zeiten (GZSZ) – die beiden türkischen Schauspieler Sila Sahin und Tayfun Baydar zoffen sich. Hintergrund: Seine kriminelle Vergangenheit holt Tayfun ein, der in der Soap so heißt wie im richtigen Leben. Ein typisches Klischee.
Genauso wie der türkische Dönerbesitzer, der italienische Eisverkäufer oder der russische Dealer, die durch Deutschlands TV-Serien huschen. Multikulti ist dort immer mehr im Kommen, stellen Forscher fest. Aber, so GZSZ-Sprecherin Brita Wäldrich: «Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Bedienen von Klischees und der allzu realen Darstellung von Charakteren.» Schließlich müssten Soaps die Realität immer etwas überspitzt darstellen.
Ausländer gehören dazu – aber als Stereotyp
Sila Sahin ist jedenfalls froh, dass sie als Ayla kein Kopftuch tragen muss. «Schließlich ist das auch die moderne Türkei.» Allerdings findet sie auch – ob kopftuchtragende Türkin oder italienischer Macho: «Es ist nicht alles Klischee, sondern eben die Kultur.» Generell, betont Produzent Guido Reinhardt, der auch verantwortlich für andere Dailys wie Unter Uns oder die Telenovela Alisa ist: «Wir wollen keine überhöhten Klischees, die zu Abziehbildchen gereichen».
Er muss aber einräumen, dass sich dies in den vergangenen Jahren gewandelt hat. Schließlich seien Serien generell realistischer geworden. «Wir bilden ja die Gesellschaft ab, und Multikulti ist ein Teil davon.» Es sei zudem «ein Ausdruck von Toleranz», auch Russen, Türken oder Spanier in TV-Serien einzubinden.
Allerdings, so befindet zumindest Elke Schlote, zuständig für den Forschungsbereich Migration/Diversity beim Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, sind die Rollen für Ausländer meistens auf Stereotype begrenzt. «Warum gibt es nicht türkische Lehrer oder polnische Beamte?», meint sie. Aus ihren Untersuchungen etwa zur Lindenstraße und zu Türkisch für Anfänger geht hervor, dass sich ausländische Zuschauer oft nicht wiederfinden in den von Ausländern gespielten Rollen.
Multikulti nur auf der Straße
Dass, wie Schlote festgestellt hat, ausländische Schauspieler zumeist in Nebenrollen agieren und nicht selten Opfer darstellen, will Produzent Reinhardt nicht bestätigen. «In den vergangenen 15 Jahren gehörten in unseren Serien 15 bis 20 Türken, Italiener und Araber über eine gewisse Zeit fest zum Hauptcast.» So gab es bei GZSZ lange Zeit die Rolle des Deniz Ergün, in Unter uns die Türkin Aylin.
Grundsätzlich sieht er einen großen Unterschied beim Multikulti-Thema in der Lindenstraße oder in täglich ausgestrahlten Soaps wie GZSZ: «Die Lindenstraße geht damit viel stärker sozial-kritisch um, wir verstehen uns mehr als Unterhaltung.» In der Lindenstraße, die seit Dezember 1985 läuft, waren nach Angaben der Produktion bislang mehr als 20 Schauspieler aus 15 Ländern dabei. «Die Lindenstraße hat schon immer das Thema Migration als wichtig und erzählenswert empfunden und versucht, dabei gesellschaftliche Realität widerzuspiegeln», erklärt ein Sprecher.
Wenn es nach Sila Sahin und Tayfun Baydar geht, dürften es noch viel mehr Ausländer in Serien wie GZSZ sein. «Multikulti gibt's bei uns auf der Straße, aber noch nicht im Fernsehen», meint die 23-jährige Sahin. Und was sie schon ein wenig wurmt: «Warum müssen Türken immer Türken spielen. Ich könnte doch mal eine Sonja sein.»
iwi/bla/news.de/dpa
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