Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Der Online-Journalismus steht vor einer Wende: Das Ende der gebührenfreien Artikel im Internet scheint zu kommen. Auch deutsche Verleger haben angekündigt, künftig Geld dafür zu verlangen.
Es bewegt sich was auf dem Onlinemarkt. Dass es mit den kostenlosen journalistischen Inhalten im Netz so nicht weitergehen kann, zeichnet sich schon seit geraumer Zeit ab. Die Medienkrise zwingt die Verleger, jetzt zu handeln und gibt dem Trend, Gebühren für journalistische Inhalte im Netz zu verlangen, ordentlich Schub. Die Auflagen brechen ein, das Anzeigengeschäft zerbröselt, die Leser klicken sich lieber kostenlos durchs Internet, als eine Zeitung zu abonnieren.
Not macht erfinderisch, in den USA, England und Frankreich kündigen Medien an, mit dem kostenlosen Journalismus Schluss zu machen. Jetzt ist die Welle der Gebühren in Deutschland angekommen: Auch der Hamburger Verlag Gruner + Jahr grübelt darüber nach, wie sich mit Inhalten im Netz Geld verdienen lässt. «Wir müssen dafür endlich ein funktionierendes System für Micropayment aufbauen, damit die Leser Inhalte ganz einfach in Mini-Beträgen bezahlen können», sagte Vorstandschef Bernd Buchholz der Zeitung Rheinische Post.
Die Wahrscheinlichkeit, dass andere Verlage nachziehen werden, ist groß. Einer dürfte auf jeden Fall ein Kandidat sein: Mathias Döpfner, Vorstandschef von Axel Springer, hat erst kürzlich die «Kostenlos-Kultur» im Netz scharf gerügt. Für Bild, Welt und BZ soll es bis Ende des Jahres kostenpflichtige iPhone-Applikationen geben.
Experiment der New York Times sorgt für Schrecken
Bislang konnten sich bezahlte Onlineinhalte nicht durchsetzen, weil sie vom Leser nicht akzeptiert wurden, wie das Beispiel der New York Times zeigt. Im Jahr 2005 hatte das Medium für Kolumnen und Kommentare Geld verlangt und war zwei Jahre später wieder zurückgerudert, weil die Leser ausblieben.
Das hatte Verlage weltweit mit Schrecken verfolgt. Jetzt, da der Druck höher wird und die Zeitungen massenweise vor sich hindümpeln, gibt es eine neue Strategie: Wenn sich nur genug Medienschwergewichte zusammentun, wird der Leser seinen Geldbeutel schon öffnen – so die Hoffnung. Mittlerweile will auch die New York Times wieder zum Paid Content zurückkehren.
Außerdem hat sich gezeigt, dass sich so genannte Micropaymentsysteme, bei denen der Leser für jede Artikel einzeln bezahlt, nicht durchsetzen - sie sind einfach zu teuer, zu kompliziert und zu zeitaufwendig. Die Lösung sollen künftig Flatrates sein.
Auch bei Medienmogul Rupert Murdoch rumort es gewaltig - er macht jetzt gemeinsame Sache mit Mircrosoft: Die Inhalte der Mediengruppe News Corp. sollen nicht mehr in den Google-Suchergebnissen auftauchen, sondern nur noch bei der Microsoft-Suchmaschine Bing. Microsoft will sich für dieses Bündnis erkenntlich zeigen und für die Inhalte bezahlen. Murdoch hatte sich in der Vergangenheit mehrfach darüber empört, dass Google Inhalte seiner Medien kostenlos in der Google-News-Suche zur Verfügung stellt und gleichzeitig im Anzeigengeschäft mächtig absahnt. Murdoch hatte im zweiten Quartal des Jahres 2009 einen Verlust von 203 Millionen Dollar hinnehmen müssen.
Die britische Times, die auch zu Murdochs News Corp. gehört, will bald für ihre Inhalte im Netz Geld verlangen. «Wir arbeiten noch am exakten Preismodell», verkündet die Pressestelle der Times. Der Preis soll sich am Kioskpreis der Zeitungen orientieren: Etwa einen Euro soll ein Zugang von 24 Stunden zur Seite www.timesonline.co.uk kosten. Das System solle im Frühjahr 2010 beginnen, hatte Chefredakteur James Harding hatte auf einer Zeitungskonferenz angekündigt.
Auch The Sun, The Sunday Times, Fox News oder Sky News sollen künftig nicht mehr kostenlos im Netz zu lesen sein. Frankreich hat der Figaro angekündigt, im kommenden Jahr Geld für Onlineinhalte zu verlangen.
Erfolg bei den Wirtschaftsmedien
Bislang sind Wirtschaftsmedien mit dem Modell recht erfolgreich. Das Wall Street Journal, die Financial Times oder das Handelsblatt haben es geschafft, ihre Texte erfolgreich mit einer «Premium-Mitgliedschaft» zu verkaufen. Auf www.ftd.de kann jeder Leser zwei Artikel im Monat umsonst lesen, wer sich registriert, kann zehn Texte im Monat lesen. Das ganze Paket kostet mindestens 3,49 Euro in der Woche. Die Seite hat 117.000 zahlende Leser. Der Chefredakteur der Financial Times, Lionel Barber, prognostiziert: «In den nächsten zwölf Monaten werden fast alle Nachrichtenanbieter Geld für ihre Inhalte nehmen.» Eine Flatrate des Wall Street Journal kostet 1,99 Dollar die Woche. Damit hat die Seite einen Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar erzielt.
In Deutschland sind bislang meist nur die Artikelarchive kostenpflichtig, wie bei der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Rundschau oder der Rhein-Zeitung. Sehr zufrieden kann die Stiftung Warentest sein, die für ihre Testergebnisse Geld verlangt. Im Jahr 2009 hat die Seite damit bislang 1,9 Millionen Euro Umsatz gemacht.
Davon träumen die großen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger in Deutschland auch. Die Frage ist nur, für welche Texte Leser bereit sind, Geld zu zahlen. Wenn alle Verleger mitziehen, bleibt dem Leser keine andere Wahl – so weit der Plan.
voc/news.de/ap
ja klar wie soll das auch gehen , sie können alle gerne und ich wäre suoer dafür endlich geld zu verdienen , aber einer bezahlt dann wird copiert und sie landen auf server in ländern die sich darum nicht im geringste kümmern das würde dann alles nur mit blocker gehen und dann gibt es noch die ganzen umgehungsserver es ist schlicht weg einfach unmöglich es würde nur gehen abschalten das www und das ist wiederum auch nicht mehr möglich denn alles läuft bereits über diese leitungen und eine riesen industrie verdient darann und die anderen verlieren ob das so gewollt ist :o)
jetzt antwortenKommentar meldenDas Ende der Kostenloskultur wird ungefähr einmal jährlich ausgerufen. Beispiel aus dem heise-Newsticker: http://www.heise.de/newsticker/meldung/T-Online-Kostenlos-Kultur-im-Internet-wird-nicht-ueberleben-41917.html Das war 2001. ;)
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