So., 27.05.12

Nikolaus Brender 27.11.2009 Haudegen mit Haltung

Nikolaus Brender (Foto)
Nikolaus Brender, ein Mann, den so leicht nichts umwirft. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Nach monatelangen Debatten und reichlich Hin und Her entscheidet der ZDF-Verwaltungsrat nun über die Zukunft von Chefredakteur Nikolaus Brender. Doch wer ist dieser Mann eigentlich, an dem die Diskussion entbrannt ist? Ein Porträt.

Nikolaus Brender ist ein Mann von Statur, nicht nur körperlich. Die Zeit beschrieb ihn kürzlich als «Haudegen», als massiven Mann, einen, «den so leicht nichts umwerfen kann.» Schon öfter hat der 1949 in Freiburg geborenene Journalist bewiesen, dass er einiges aushält. Rückblick auf das Jahr 2005: Die rot-grüne Bundesregierung hat gerade äußerst knapp die Bundestagswahl verloren, Brender leitet mit seinem ARD-Kollegen Hartmann von der Tann die Elefantenrunde am Wahlabend. Und Gerhard Schröder legt los.

Er bezichtigt die Medien, die Wahlniederlage mit verschuldet zu haben, ein Vorwurf, dem Brender entschieden gegenübertritt. «Ich weise darauf hin, dass ARD und ZDF das nicht vorzuwerfen ist. Nicht alles, was ihnen nicht passt, ist eine Medienkampagne», entgegnete er dem «Kanzler außer Rand und Band», wie die Frankfurter Rundschau später schreibt. Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellt fest: «So kam es zum spannendsten Dialog des Abends und einer Sternstunde des öffentlich-rechtlichen Fernsehens». Sie bescheinigt «dem durchsetzungsfähigen Workaholic», sich konsequent abseits parteipolitischer Allgemeinplätze zu halten. Schröder wird später auf seiner Kanzlerschaft beharren. Er ist inzwischen von der politischen Bühne größtenteils verschwunden. Brender hat durchgehalten. Bis heute.

Interessant, dass sich durchaus Gemeinsamkeiten zwischen Schröder und Brender ausmachen lassen. Der Rheinische Merkur nannte den Journalisten denn auch den Gerhard Schröder des Zweiten Deutschen Fernsehens und zitierte den Medienforscher Lutz Hachmeister mit den Worten: «Mit dem schnauzbärtigen ZDF-Mann und dem schlagfertigen Kanzler gerieten zwei Figuren aneinander, die sich im Typus sehr ähnlich waren: skeptisch gegenüber jedem intellektuellen Habitus und politischem Feinsinn, immer mitten im Geschehen.»

Selbstbewusst, aber kein Sturkopf

Das Streiten liegt dem Juristen und Politikwissenschaftler im Blut, der Ende der 1970er Jahre beim Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden und der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit volontierte. Es folgten ab 1980 Stationen als Redakteur und Reporter beim SWF Fernsehen, zwei Jahre später wurde er bereits als Planer der Tagesschau-Redaktion des SWF zugeteilt und avancierte zum Verantwortlichen Redakteur und Reporter für die Tagesthemen-Redaktion des SWF.

1984 ging Brender ins Ausland, bis 1989 berichtete er als ARD-Fernsehkorrespondent aus Buenos Aires und Südamerika. Nach seiner Rückkehr wurde er im März 1989 neuer Leiter der Programmgruppe Ausland Fernsehen beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln. Beim breiten Fernsehpublikum wurde er vor allem als Kommentator der Tagesthemen und als Moderator des Weltspiegel bekannt. Von da an vergingen noch zehn Jahre bis zum Posten des ZDF-Chefredakteurs, zehn Jahre, in denen er beim WDR in hohe Ämter kam und sich seinen Ruf als Workaholic erarbeitete. Und er hatte wesentlichen Anteil daran, dass das WDR-Fernsehen flexibler und experimentierfreudiger wurde. Die Zuschauerquoten stiegen in seiner Amtszeit von 4,5 auf 6,8 Prozent.

2007 hätte Brender noch einmal zum WDR zurückkehren können. Doch er stolperte über die Causa Piel. Lange galt er als möglicher neuer Intendant des Senders, als Nachfolger von Fritz Pleitgen. Doch der Rundfunkrat des WDR wollte nicht ihn, sondern Hörfunkdirektorin Monika Piel. Als sich das abzeichnete, zog Brender sich zurück. Er wolle kein «Zählkandidat» sein, sagte er seinerzeit.

Diese Reaktion zeigt: Selbstbewusst ist Brender, ein Sturkopf aber ist er nicht. Eher ein Mann, der in sich ruht, der auch 2009 noch seinen Schnauzbart pflegt und raucht, einer, der sich aus Modeerscheinungen nicht viel zu machen scheint. Aus Trends hingegen durchaus, und wenn es sein muss, dann diskutiert er die auch so lange innerhalb des ZDF, bis einer heult. So wie Johannes B. Kerner, der nun statt einer politischen Talkshow im Zweiten einen müden Stern-TV-Abklatsch auf Sat.1 moderiert. Wenn es sein muss, weiß Brender sich durchzusetzen. Wenn es sein muss aber, weiß er auch sich zurückzuziehen. Derzeit scheint es diese Option für ihn noch nicht zu geben.

Keiner für Kumpanei oder Klüngel

Er habe eine Neigung zum Populären, schrieb der Tagesspiegel Anfang des Jahres über ihn, neben einigen Erfolgen wie der Nachrichtensendung heute, der Doppelspitze des heute-journal oder dem Magazin frontal 21 seien die ZDF.Reporter auf Boulevardniveau gesunken: «Schindluder hat er mit der Auslandsberichterstattung getrieben, sich unnötig mit guten Korrespondenten zerstritten, das Auslandsjournal durch wechselnde Programmplätze gehetzt.» Die allgemeine Schwierigkeit, jüngere Zuschauer für Politik und Nachrichten zu gewinnen, sei ihm aber nicht anzulasten. Dafür habe das ZDF seit einiger Zeit im Wettbewerb mit der ARD beim Aktuellen die Nase klar vorn.

Diese Neigung zum Populären passt zu dem Mann, der in einem Fragebogen des Magazins Focus auf die Frage, was für ihn eine Versuchung sei, antwortete: «Eine Bockwurst in der Autobahnraststätte», dessen schönster Lustkauf ein Paar handgenähte Budapester Schuhe im dritten Semester gewesen sei, die er heute noch trage. Sie passt zu einem Mann, der ehrliche Worte und ehrliche Menschen zu schätzen weiß, Qualität in jeder Form, der da wegzappen würde, wie er seinerzeit sagte, «wo Mogelpacker ein Nichts als News verkaufen.» Das erinnert ein wenig an die Debatte mit Roland Koch, seinem derzeit hartnäckigsten Widersacher. Der behauptete kürzlich, das heute-journal habe schlechtere Quoten als die RTL-Nachrichten. Brenders Antwort: Ein Interview, in dem er Koch mit ein paar einfachen Rechenbeispielen den Wind aus den Segeln nahm.

Brender gilt als unabhängiger Journalist, der Streit mit Koch ist denn auch eigentlich kein streit Koch gegen Brender, sondern Koch gegen das System ZDF. Wäre die Breitseite von Seiten der SPD oder einer anderen Partei gekommen, Brender hätte ebenso gekontert, ob Schröder oder Merkel oder Koch, von keinem Politiker ließ sich Brender bisher etwas sagen, er ist keiner für Kumpanei oder Klüngel. Als er Anfang des Jahres den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus erhielt, kommentierte Ulrich Wickert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: «Wenn heute Preise an Journalisten vergeben werden, dann vielleicht, weil sie einen besonderen Scoop, eine Enthüllung, gelandet haben oder weil sie so häufig zu sehen sind, dass sie zum Fernsehmobiliar gehören, geachtet werden und das Publikum erfreuen.» Fast altmodisch könne man da den Grund für die Preisvergabe an Brender nennen: «Er erhält ihn für seine Haltung.»

ped/news.de
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Nikolaus Brender: Haudegen mit Haltung » Medien » Nachrichten

URL : http://www.news.de/medien/855034168/haudegen-mit-haltung/1/

Schlagworte:

About , Albert Streit , Alexander Koch , Andre Schröder , ARD-Vorsitzenden , Astrid Fritz , Äußerst , Auslandsberichterstattung , Autobahnraststätte , Blaschke , Brender , Budapester , Causa , Chris Paar , Christin Ulrich , Clemens Fritz , Dennis Schröder , Diskutiert , Eden Reporter , Entscheidet , Erfolgen , Erinnert , Feinsinn , Fernsehen Anfang , Fernsehen News , Fernsehen Presse , Fernsehen ZDF , Fernsehpublikum , Florian Baxmeyer , Florian Bernschneider , Florian Blaschke , Florian Bruns , Florian David , Florian Drücke , Florian Fricke , Florian Hartenstein , Florian Hartherz , Florian Lukas , Florian Mayer , Florian Meier , Florian Meyer , Florian Müller , Florian Nagel , Florian Naroska , Florian Schroedter , Florian Seidel , Florian Silbereisen , Florian Vogel , Fritz Bleyl , Fritz Dellwo , Fritz Fuchs , Fritz Karl , Fritz Pleitgen , Frontal , Gelandet , Gemeinsamkeiten , Gerhard Altenbourg , Gerhard Harhausen , Gerhard Hoehme , Gerhard Kraiker , Gerhard Richter , Gerhard Roth , Gerhard Weber , Gesunken , Größtenteils , Hans Koch , Helmut Schröder , Heute-Journal , Horst Lutz , Interessant , Jana Hartmann , Johannes Caspar , Johannes Enders , Johannes Fabrick , Johannes Herber , Johannes Mallow , Johannes Martin , Johannes Otte , Johannes Paul , Johannes Schmalzl , Johannes Schmid , Johannes Schmitz , Johannes Stjärne , Johannes Strasser , Johannes Strate , Johannes Waidelich , Johannes Wurtz , Jörg Hartmann , Kerstin Hartmann , Klüngel , Kommentator , Körperlich , Korrespondenten , Lange Jahre , Lange Zeit , Legt , Ließ , Los Angles , Los Henucos , Los Zetas , Lutz Engelen , Lutz Gissmann , Lutz Kleveman , Lutz Wisotzki , Marco Fritz , Maria Hartmann , Marvin Fritz , Medienkampagne , Michel Koch , Monika Branicka , Monika Finsterbusch , Monika Hansen , Monika Harms , Monika Hauser , Monika Heinold , Monika Karsch , Monika Piel , Monika Queisser , Monika Rinck , Monika Sozanska , Moritz Hartmann , Music Worte , Nachrichtensendung , Neigung , Nennen , Nikolaus Brender , Nikolaus II , Nikolaus Kopernikus , Öffentlich-Rechtlichen , Passt , Peter Lutz , Philippe Koch , Piel , Planer , Pleitgen , Politikwissenschaftler , Politischem , Programmgruppe , Raphael Koch , Reichlich , Roland Ampenberger , Roland Emmerich , Roland Hartmann , Roland Jäger , Roland Jahn , Roland Kaiser , Roland Pauli , Roland Ratzig , Roland Specker , Roland Sternisko , Roland Wöller , Rückblick , Rundfunkrat , Schreibt , Scoop , Seinerzeit , Selbstbewusst , Skeptisch , Statur , Stellt , Sternstunde , Stevens Rückkehr , Streiten , Strong , Sueddeutsche , Tagesthemen , Target , Typus , Ulrich Aselmann , Ulrich Bischoff , Ulrich Boenisch , Ulrich Bönisch , Ulrich Deppendorf , Ulrich Gerth , Ulrich Großmann , Ulrich Hegerl , Ulrich Kienzle , Ulrich Klages , Ulrich Koch , Ulrich Krempel , Ulrich Nieland , Ulrich Noehten , Ulrich Noethen , Ulrich Nußbaum , Ulrich Perrey , Ulrich Peters , Ulrich Pleitgen , Ulrich Post , Ulrich Rotermund , Ulrich Schleicher , Ulrich Schröder , Ulrich Wallin , Ulrich Wickert , Unabhängiger , Verloren , Viktoria Köln , Wahlniederlage , WDR-Fernsehen , Wechselnde , Widersacher , Wolfgang Koch , Workaholic , ZDF-Chefredakteur , ZDF-Mann , ZDF-Verwaltungsrates ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige