Von Imke Hendrich
In Potsdam wird der deutsche Medienpreis Bambi verliehen. Der frühere Kanzler Helmut Kohl soll einen «Millenniums-Bambi» für seine Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung erhalten. Schauspieler Maximilian Schell wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Den Rekord hält Superstar Tom Cruise. Fast acht Minuten und 1319 Worte brauchte er für seine umstrittene Dankesrede bei der Bambi-Verleihung anno 2007. Ob Helmut Kohl, die Klitschko- Brüder, Bayern-Manager Uli Hoeneß oder Popstar Shakira auch so viel zu sagen haben?
Sie gehören zu den diesjährigen Preisträgern der begehrten Medienauszeichnung. Die goldenen Rehkitze werden heute Abend vor 800 Gästen in der Potsdamer Metropolis-Halle verliehen. Ein Höhepunkt dürfte dabei sicher das «Millenniums-Bambi» für Ex-Bundeskanzler Kohl sein, der 20 Jahre nach dem Mauerfall für seine Verdienste um die deutsche Einheit geehrt wird.
Allerdings kann Kohl aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich bei der Gala erscheinen, wie sein Büro mitteilte. Er wolle den Preis kurz vorher in seinem Privathaus in Ludwigshafen entgegennehmen. Die Videoaufzeichnung – vermutlich auch mit Dankesworten – werde dann bei der Gala gezeigt. Zunächst hatten die Bambi-Organisatoren damit gerechnet, dass Kohl nach Potsdam kommt. Auch ein anderer Preisträger wird dort nicht auf der Bühne stehen: Johannes «Jopie» Heesters, der kurz vor seinem 106. Geburtstag einen weiteren Bambi erhält.
Witt und Bartels moderieren
In die Fußstapfen von Harald Schmidt als Conférencier treten Katarina Witt und Sportreporter Tom Bartels. Er versprach im Vorfeld, die 61. Bambi-Gala werde mit dem deutsch-deutschen Duo «ernsthafter – ohne eine Trauerveranstaltung zu sein».
Promi-Alarm am roten Teppich, reichlich Glamour beim Dinner und dazwischen jede Menge Preisträger: Für ihren sexy Hüftschwung ist die kolumbianische Sängerin Shakira bekannt, die ihren Bambi in der Kategorie «Pop International» in die Höhe recken wird. Christoph Waltz erhält für seine grandiose Darstellung in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds die Auszeichnung, Maximilian Schell für sein Lebenswerk. Fünf Ehren-Bambis gehen an «Deutsche in Hollywood»: an die Regisseure Roland Emmerich, Florian Henckel von Donnersmarck, Oliver Hirschbiegel und Caroline Link sowie Kameramann Michael Ballhaus.
Im Zeichen des Mauerfalls
Nachdenkliche Töne dürfte es bei der Laudatio für Jürgen Schulz geben, der unter anderem den Verein «Kinderhilfe – Hilfe für leukämie- und tumorkranke Kinder e.V. Berlin» gründete. Geehrt werden auch «Helden der Montagsdemos». Christoph Wonneberger, Siegbert Schefke und Aram Radomski bekommen Kitze für ihre Schlüsselrolle bei der friedlichen Revolution in der DDR im Jahr 1989. Das «Sport-Reh» geht an die Boxer Vitali und Wladimir Klitschko und das «Wirtschaftsreh» an Noch-Manager Uli Hoeneß vom FC Bayern München.
«Insgesamt werden 30 Bambis vergeben», sagt eine Sprecherin von Hubert Burda Media. Der Münchner Verlag ehrt so «Menschen mit Visionen und Kreativität, deren herausragende Erfolge und Leistungen sich im ablaufenden Jahr in den Medien widerspiegelten».
Für die Gala, die live in der ARD zu sehen ist, wird ein riesiger Aufwand betrieben: 40 Köche, 105 Kellner und 60 Hostessen sollen die Gäste verwöhnen. 6000 Rosen und 500 Hortensien schmücken die Tische. Für den roten Teppich, über den Stars und Sternchen unter Blitzlichtgewitter schreiten sollen, sind 1500 Quadratmeter edlen Stoffes nötig. Bis zu 1000 Menschen werkeln mit an dem Großereignis – und das alles für eine 28 Zentimeter hohe und 3,6 Kilo schwere Figur, gegossen aus Bronze und mit 18 Karat vergoldet. Wert: 3000 Euro.
Rund 1000 Bambis wurden laut Burda seit der Premiere im Jahr 1948 vergeben. Die Hitliste der Preisträger führt der unvergessliche Heinz Rühmann mit einem glatten Dutzend Rehe an. Heftige Kritik gab es 2007, als Scientology-Anhänger Cruise für seine «Courage», einen Film über Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu drehen, geehrt wurde. Sein eher wirrer und wortreicher Auftritt gipfelte im Stauffenberg-Zitat «Es lebe das heilige Deutschland».
Auch die kürzeste aller Bambi-Reden haben die eifrigen Chronisten ausgemacht: 1956 erklomm der junge Schauspieler Horst «Hotte» Buchholz mit hochrotem Kopf die Bühne und hauchte ins Mikrofon: «Danke!»
juz/bla/reu/news.de/dpa