«Bella Block»

Kommissarin am Wendepunkt

Von Jana Werner

Eigentlich hatte Bella Block den Polizeidienst quittiert, doch irgendwie gerät sie immer wieder mitten hinein. Mit der neuen Folge Vorsehung kehrt Bella Block zu Regisseur Max Färberböck und den Anfängen der Reihe zurück.

Lester Maul (Was ist das?)

Serienfiguren gehen nicht in Rente und sterben nie. Irgendwie gibt es immer einen Drehbuchkniff, der sie auf den Bildschirm zurückkehren lässt. Dabei ist was dran, am Sprichwort: Wenn's am schönsten ist, soll man aufhören.

Bella Block (Hannelore Hoger), die Titelheldin der gleichnamigen ZDF-Samstagskrimireihe, genießt ihre gewonnene Freiheit in vollen Zügen. Zuletzt hatte die Protagonistin den Polizeidienst quittiert und ihren langjährigen Freund Simon (Rudolf Kowalski) mit einem Segelboot davontreiben lassen. So ist ihr erster Fall im Ruhestand ein Wendepunkt für Bella. Doch die Folge Bella Block – Vorsehung, die heute um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, ist zugleich die Rückkehr zu den Anfängen der preisgekrönten Reihe und zu Regisseur Max Färberböck, dem erneut ein Meisterwerk gelungen ist.

«Bella ist gut drauf, weil sie ein positiver Mensch ist», beschreibt Hoger den aktuellen Gemütszustand ihrer Figur. Und Bella hat eigentlich nicht vor, sich mit Verbrechen zu beschäftigen. Doch schon bald begibt sie sich wieder auf die Pirsch. Bei einer Ausstellung stößt sie zufällig auf einen alten Fall: Vor 17 Jahren hatte Holger Thom (Wotan Wilke Möhring) eine dreiköpfige Familie in seine Gewalt gebracht. Während er Vater und Mutter erschoss, verschonte er die Tochter des Paares namens Helen (Tanja Schleiff). Kurz darauf hatte Bella den Täter vernommen. Doch außer dem Geständnis erhielt sie nur spärliche Angaben von dem damals 27-jährigen Thom.

Selten war die Kommissarin in ihrer langen Laufbahn von einem Täter derart beunruhigt worden. Nun fürchtet Bella wieder Unheil, als sie von seiner Freilassung erfährt. Also beginnt sie, das neue Leben des unscheinbaren Holger Thom zu erforschen – seine Arbeit, seine Pläne, die alten Akten. Sie will einen weiteren Mord verhindern – in ihrer unnachahmlichen Art und auch, «weil sie eine Vollblutpolizistin war», sagt Hoger über ihre bekannteste Rolle.

Die zwei ersten Folgen setzten Maßstäbe

1942 in Hamburg geboren, gelang der gefeierten Theatermimin Mitte der 1990er der TV-Durchbruch mit der kantigen Block. Basierend auf den Romanen von Doris Gercke setzte Färberböck mit den zwei ersten, sehr unterschiedlichen Folgen, Die Kommissarin (1994) und Liebestod (1995), die Maßstäbe für die Reihe. Nach seinem Abschied inszenierten etwa Markus Imboden, Sherry Hormann und Kai Wessel Bellas Facetten und thematisieren Aufwühlendes.

Vorsehung, Bellas 28. Fall, ist ein überzeugender Thriller von Färberböck. Behutsam setzt der Regisseur (Anonyma) ein Puzzleteil nach dem anderen zusammen und baut dabei eine fast unerträgliche Spannung auf. Auf unheimliche Weise mehren sich inmitten einer beängstigenden Stille die Zeichen der erneuten Annäherung des einsamen Täters an die überlebende Helen, die mit ihrem Mann Henrik (Pierre Besson) inzwischen selbst zwei Kinder hat. Die junge Frau gerät, wie ihre ganze Familie, wieder in den Sog der Tat vor 17 Jahren.

Geschickt platziert Färberböck neben Hoger den erschreckend perfide agierenden Möhring (Pandorum, Soul Kitchen) als tickende Zeitbombe und die ausdrucksstarke Schleiff als zerbrechliches Daueropfer. Allein in ihren großen, starren Augen spiegelt sich das ganze Verbrechen wider, ihre Furcht, ihre Verzweiflung, ihre Ohnmacht. Sie glaubt wie Bella, dass Thom sich nicht verändert hat. Und doch stellt sich Helen schließlich ihrem Peiniger und steuert unausweichlich auf ein Finale zu.

Wortgefecht als komischer Höhepunkt

Alle drei Bella-Block-Filme von Färberböck beschäftigen sich mehr mit der Atmosphäre von Verbrechen als mit dem Verbrechen selbst. Dennoch setzt Färberböck einen kleinen, ausgesprochen komischen Höhepunkt in dem sonst so düster-leisen Film: Möhrings noch unbekannter Bruder, Sönke Möhring, darf sich als überdrehter Versicherungsberater einen erfrischenden Wortwechsel mit Bella liefern, die dies sichtlich genießt.

Die neue Bella trägt viele Züge der alten, denn natürlich kann auch sie nicht gänzlich auf den Polizeiapparat verzichten. Aber Vorsehung macht neugierig auf künftige Fälle, die sich ähnlich losgelöst von behördlichen Fesseln entwickeln könnten. Für den 29. Fall drehte Hoger kürzlich an der Seite von Wallander-Mime Rolf Lassgard in Skandinavien. Und auch Färberböck hat eine weitere Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen.

Mit seiner Rückkehr schließt sich für Hoger vorerst ein Kreis. Jeder Bella-Block-Film habe seine Spuren hinterlassen. «Man altert mit seinen Rollen und Tugenden, seinen Stärken und Schwächen», sagt die Charakterdarstellerin. Wenn das Publikum der Reihe weiter treu bleibe, sage Bella auch künftig nicht nein, verspricht Hoger.

Bella Block – Vorsehung, Samstag, 28. November 2009, 20.15 Uhr, ZDF

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