Heiße Omis und knackige Milchgesichter
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Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Artikel vom 28.11.2009
Einst hießen sie Brad Pitt, Bruce Willis oder Richard Gere, heute Robert Pattinson oder Zac Efron. Um ein Sexsymbol zu werden, braucht Mann heute keine Muskeln oder breite Oberarme mehr. Und die weiblichen Sexsymbole werden immer älter.
Megan Fox ist 2008 von der Zeitschrift FHM zur «Sexiest Woman in the World» gekürt worden. Das lag sicherlich an ihrem Sexappeal, aber vor allem auch an ihrer großen Ähnlichkeit zu Angelina Jolie, die wiederum 2007 von einem britischen Sender zum größten Sexsymbol aller Zeiten gewählt wurde.
Beiden Frauen schmeicheln diese Titel, aber ihnen gehe es natürlich in erster Linie darum, als Schauspielerinnen zu überzeugen (oder im Falle von Jolie zusätzlich als Weltverbesserin), wie sie gerne in Interviews beteuern. «Man kann nicht 24 Stunden am Tag ein Sexsymbol sein», sagte Fox einmal dem Internetdienst femalefirst.com. Sie wolle kein «professionelles Sexobjekt» sein. Das wolle sie sich nicht antun.
Doch Fox scheint ihre Meinung nun geändert zu haben. «Ich fühle mich nicht sexuell ausgebeutet. Im Gegenteil: Ich tanke dadurch Selbstvertrauen», sagte die 23-Jährige kürzlich in einem Interview mit der Bunten. Als junge Schauspielerin in Hollywood müsse man sich als Ware verkaufen, so seien nun mal die Gesetze der Traumfabrik. «Und mit nichts verkauft man ein Produkt besser, als durch Sex, Brüste, Beine, Po.» Nackte Haut schafft Aufmerksamkeit, größere als eine gute Leistung in einem Film, das hat die Jungschauspielerin anscheinend schnell gelernt. Um wirklich groß zu werden, muss man ein Sexsymbol werden.
Mit Sex Aufmerksamkeit erzeugen
Doch der Titel ist hart umkäpft. Und diejenigen, die es geschafft haben, von der Allgemeinheit als sexuell attraktiv wahrgenommen zu werden, müssen dafür sorgen, dass ihnen niemand mit noch mehr Sexappeal den Rang abläuft. Das erklärt vielleicht auch, warum immer mehr weibliche Stars sich zu Sexsymbolen stillisieren lassen, die das eigentlich nicht mehr nötig und mit ihrer Leistung als Schauspielerin oder Sängerin längst überzeugt haben. Der allgemein gesellschaftliche Jugendwahn tut dabei noch sein übriges.
Nicht anders ist zu erklären, dass die 51-jährige Pop-Ikone Madonna, bereits in den 1980er Jahren als Sexsymbol gefeiert, noch heute glaubt, über ihr Sexappeal punkten zu müssen. Auch wenn ihr das gelingen mag, nötig hätte sie es nicht mehr. Mit ihrem jungen Liebhaber Jesus fühlt sich Madonna in der Rolle des junggebliebenen Sexsymbols zwar sichtlich wohl. Andere empfinden die Queen of Pop hingegen nur noch als peinlich.
Gleiches gilt für die Schauspielerin Sharone Stone, die sich zu ihrem 51. Geburtstag oben ohne und verführerisch in einer Lack-Corsage verpackt auf dem Titel der Paris Match zeigte. Auch ihre Kollegin Jamie Lee Curtis bewies mit 50 Jahren in einem US-Seniorenmagazin, wie sexy sie noch ist. Ebenso Nicole Kidmann, die mit schwarzen Dessous und Overknees auf dem Titel des Männermagazins GQ zu sehen war. Alle drei sind zweifelsohne ernstzunehmende Hollywood-Größen.
Der Konkurrenzdruck unter den Stars ist wahnsinnig groß. In Hollywood wimmelt es nur so von jungen, sexy Frauen – neben Megan Fox sparen etwa auch Scarlett Johanson, Mischa Barton, Jessica Alba, Paris Hilton oder Beyoncé nicht gerade mit ihren Reizen, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch es kann sich auch sehr schnell lächerlich machen, wer sich, gepackt vom Jugendwahn und vom Durst nach Publicity, als Sexsymbol stilisiert. Dann wird aus einer Nicole Kidman, die als Charakterdarstellerin respektiert wird, nur noch eine älter werdende Schauspielerin, die mit zuviel Haut ihren über Jahrzehnte gewonnenen Respekt aufs Spiel setzt.
Die Zeiten der kantigen Kerle ist vorbei
Und wie sieht es bei den männlichen Sexsymbolen aus? Hier ist ein gegensätzlicher Trend zu beobachten: Die Zeiten der «richtigen Kerle» wie Bruce Willis, Richard Gere oder George Clooney scheinen vorbei zu sein. Zwar würde ihnen niemand den Status eines Sexsymbols absprechen wollen, aber die Männer, die Frauen heute erotisch finden, sind andere. Meist sind sie blass, extrem jung, haben wenig Muskeln und sehen irgendwie geklont aus: Sie alle haben ein Milchgesicht und hören auf Namen wie Robert Pattinson (Twilight), Chace Crawford (Gossip Girl) oder Zac Efron (High School Musical).
Wer jetzt denkt, dass George Clooney & Co. zum großen Gegenschlag ausholen und ihren Rang als Sexsymbol offensiv verteidigen, indem sie sich wie Sharone Stone & Co. nackt auf den Titeln von Frauen-Zeitschriften tummeln, liegt falsch. Colin Firth (49, Bridget Jones) findet sich schlichtweg zu alt, um als Sexsymbol durchzugehen. Gleiches findet auch Johnny Depp. «Mit 46 kann man kein Sex-Symbol sein», sagte der Schauspieler.
Und das Sexsymbol schlechthin? Brad Pitt? Der verwandelte sich, nachdem er Angelina Jolie traf, in einen lieben braven Hausmann, der keinen großen Wert mehr auf ein gepflegtes Aussehen legt und sich lieber um seine Kinderscharr kümmert, als um seinen eher weniger erotischen Rauschebart, mit dem man ihn immer öfter sieht. Anscheinend sind die männlichen Sexsymbole der alten Schule noch immun gegen den Jugendwahn – im Gegensatz zu ihren weiblichen Ausgaben.
Auf Softis fahren Frauen ab
Aber was findet Frau, und nicht nur die zwischen 14 und 20, an Softies wie Robert Pattinson und Zac Efron so erotisch? Die neuen männlichen Sexsymbole wirken sanfter, liebevoller und netter als ihre Vorgänger. Vielleicht ist es das Kind im Manne, das die emanzipierte Frau von heute sexy findet, weil es ihren Beschützerinstinkt weckt. Stark muss der Mann nicht mehr sein, das ist die Frau mittlerweile ja selbst.
Oder es ist dieser «neue Mann», der Elternzeit nimmt, den Haushalt schmeißt und die Gefühle der Frau versteht, den die Frauen sexy finden. Von einem Bruce Willis scheint frau nicht zu erwarten, dass er ihr abends ungefragt die Füße massiert. Von einem Robert Pattinson wohl schon eher.
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