Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Wie wäre es, Fehler wiedergutmachen zu können? Im Film Die Tür gibt es eine Menge zweiter Chancen – allerdings mit blutigen Nebenwirkungen.
Eigentlich wollte der ehemals weltbekannte Künstler David Andernach in dieser kargen Winternacht allem ein Ende machen und widerstandslos zum Erfrieren liegen bleiben. Vor fünf Jahren war seine Tochter Leonie im Pool ertrunken, während er, statt auf sie aufzupassen, bei seiner Geliebten weilte. Doch bevor ihn seine Schuldgefühle endgültig zerfressen, entdeckt er eine Tür, einen Weg zurück zu dem Tag, an dem Leonie starb. David begreift sofort, rettet seine Tochter aus dem Pool und hat plötzlich die Chance, alles anders zu machen.
Mads Mikkelsen (Casino Royale) spielt bestechend an der Grenze zwischen Verzweiflung und Euphorie. Zwar kostet Regisseur Anno Saul zu Beginn von Die Tür die Exzellenz seines Hauptdarstellers exzessiv aus und zeigt ihn ermüdend oft in Nahaufnahme. Doch Mikkelsen schafft es grandios, Davids Züge sowohl vom Selbsthass als auch vom unbedingten Glauben an die zweite Chance erzählen zu lassen.
Der jedoch wird schon bald erschüttert. Die sensible Leonie (Valeria Eisenbart) merkt schnell, dass mit ihrem Vater irgendetwas nicht stimmt. Davids Ex-Geliebte Gia (Heike Makatsch) weiß nichts von dessen Läuterung und fordert regelmäßig ihre Schäferstündchen ein. Allein der Versuch, die Liebe zu Ehefrau Maja (Jessica Schwarz) wieder zu entfachen, scheint zu gelingen.
Das könnte der Auftakt dafür sein, alles das zu leben, was wegen einer schicksalhaften Entscheidung ungelebt bleiben musste – läge da nicht noch eine Leiche im Garten, ein vergrabenes moralisches Problem, von dem David die Nachbarskinder beim Spielen fern halten muss: Er ist als Doublette in die Vergangenheit gekommen und hat die dort ansässige Ausgabe seiner selbst in einem Handgemenge getötet. Eine Hypothek auf eine glückliche Zukunft, die nicht nur er aufnimmt.
Anno Saul gelingt es erst im Mittelteil von Die Tür, das beklemmende Gefühl Davids, in seinem eigenen Leben ein Fremder und von moralischen Bedenken getrieben zu sein, eindringlich darzustellen. Die vielen subtilen, beinah eingefrorenen Bilder von Kamerafrau Bella Halben (Im Winter ein Jahr) inszenieren dann jedoch eine ins Unheimliche gleitende Vorortidylle, der sich zu entziehen kaum möglich ist.
Zum Schluss jedoch fällt die Spannung rapide ab: David Andernach, ein höchst zwiespältiger Antiheld zwischen selbstgefälligem Künstler und aufopferndem Vater muss sich fragen, wie weit er für sein eigenes Lebensglück zu gehen bereit ist. Eigentlich eine hochspannende Geschichte. Doch statt sie so suggestiv wie zuvor zu Ende zu erzählen, löst Regisseur Anno Saul das Ende in schwachen Actionszenen auf. Er irritiert damit nicht nur den an die subtilen Bilder gewohnten Zuschauer, er nimmt auch sich selbst die Chance, dass sein Film nachwirkt.
Titel: Die Tür
Regisseur: Anno Saul
Hauptdarsteller : Mads Mikkelsen, Jessica Schwarz, Heike Makatsch, Thomas Thieme
Spielzeit: 103 Minuten
Produktionsland: Deutschland, 2009
FSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 26. November 2009