Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Millionen von Fans beneiden sie, weil sie Mädchenschwarm Robert Pattinson wohl nicht nur in Twilight küssen darf. Mit gerade mal 19 Jahren ist Kristen Stewart einer der größten Nachwuchsstars Hollywoods, obwohl sie das eigentlich nie sein wollte.
Sie ist gerade einmal 19 Jahre alt, eher ein blasse, unscheinbare junge Frau, die so gar nicht in das Klischee eines niedlichen Hollywood-Girls passen will. Selten sieht man sie lächeln oder aus sich herausgehen. Obwohl sie in Los Angeles lebt und aufgewachsen ist, würde es ihr nie in den Sinn kommen, das Leben eines Partygirls zu leben. Unangepasst, stur und jederzeit bereit, den Kampf mit ihrer Umgebung aufzunehmen, das ist das Bild, das die Öffentlichkeit von Kristen Stewart hat.
Und diese Öffentlichkeit würde die Schauspielerin, die derzeit zu den meistfotografierten Frauen der Welt gehört, am liebsten meiden. «Ich möchte Geschichten erzählen und kein Star sein» ist ein typischer Satz, den Stewart in Interviews sagt. Sie sei nicht Schauspielerin geworden, um berühmt zu sein. Sie gibt offen zu, über ihre Berühmtheit geradezu unglücklich zu sein und Angst zu haben, eine Psychopathin zu werden. «Traurig und einsam» sei das Leben mit dem Ruhm, da ergehe es ihr wie den Vampiren.
Und diesen Vampiren hat sie den Ruhm, der sie so unglücklich macht, zu verdanken – genauer gesagt: einem ganz Bestimmten. Edward Cullen, blass und für viele zu schön, um ein Mensch zu sein, hat ihr Herz erobert und obwohl er «ihr jede Sekunde den Hals zerfetzten könnte», entscheidet sie sich für ein Leben mit ihm. Die sture, unangepasste und rebellische Bella, das ist die Rolle von Kristen Stewart in der Vampir-Saga Twilight, die für die Schauspielerin über Nacht den internationalen Durchbruch bedeutete.
Seit sie in der Twilight-Saga, der zweite Teil News Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde läuft ab dem 26. November in den deutschen Kinos, die 17-jährige Bella spielt, wird Stewart auf Schritt und Tritt von Kameras verfolgt, Millionen von Teenagerinnen verehren sie und wollen so sein wie sie, die mit dem Mädchenschwarm Robert Pattinson vor der Kamera stand und ihn sogar küssen durfte.
Doch es sind nicht einfach nur der Hype um die Twilight-Filme und ihre Rolle als Bella, die den momentanen Rummel um ihre Person erklären. Wie bei allen großen Liebespaaren der Filmgeschichte wünschen sich die Kino-Fans auch bei Bella und Edward alias Kristen und Robert, dass aus der Fiktion Realität wird. Und in diesem Fall scheinen sie sogar Glück gehabt zu haben. Vieles spricht dafür, dass die beiden nicht nur auf der Leinwand ein Paar sind. Doch die Twilight-Fans haben es hier mit Kristen Stewart zu tun, die die Gesetze der Promi-Welt nicht akzeptieren will und alles dafür tut, das ihr Privatleben privat bleibt.
Seit nunmehr über einem Jahr vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo in der Klatschpresse etwas Neues zum angeblichen Liebespaar Pattinson und Stewart vermeldet wird. Mal sind sie zusammen, mal getrennt, mal verlobt, mal ist Stewart lesbisch. Die beiden Protagonisten selbst schweigen eisern, kein Wort verlieren sie über ihr Leben als Kristen & Robert. Kein Dementi, keine Bestätigung, nur Sätze wie «Es ist so bescheuert. Wir sind nur Charaktere in einem Comic-Heft» oder «Ich versuche einfach nur, einen Teil zu schützen.»
Kristen Stewart ist nicht nur als Schauspielerin ein Ausnahmetalent, auch charakterlich stellt sie eine große Ausnahme in Hollywood dar. Gerade weil sie sich von der Traumfabrik nicht verbiegen lassen will, ihren Kopf stur durchsetzt, gilt sie vielen als arrogant und aufmüpfig. Aber gerade das macht sie zu einer authentischen Person, zu einem der authentischen Stars, die Hollywood so sehr braucht, die aber dort eher Mangelware sind.
Ihre charakterliche Stärke erklärt sich vielleicht, wenn man sich anschaut, aus welchem Elternhaus sie stammt. Aufgewachsen ist sie mitten in Hollywood, ihr Vater John Stewart ist Regisseur beim Sender Fox TV und ihre Mutter Jules Mann-Stewart eine australische Drehbuchautorin. Schon sehr früh sammelte Kristen Erfahrungen vor der Kamera, schon sehr früh lernte sie, das Geschäft Hollywood zu durchschauen und eine gesunde Distanz dazu aufzubauen.
Entdeckt wurde sie mit acht Jahren von einem Agenten beim Krippenspiel in ihrer Grundschule. Daraufhin spielte sie in Fernseh- und Independent-Filmen mit. Ihr Durchbruch gelang ihr im Alter von 12 Jahren: Damals spielte sie die trotzige Tochter von Jodie Foster in Panic Room. Hoch gelobt wurde sie für ihre Rolle als Vergewaltigungsopfer in dem TV-Drama Speak, in Fierce Lane übernahm sie neben Diane Lane eine Hauptrolle. Und dann kam Twilight.
Stets sind es Frauen, die ihren eigenen Kopf haben, die Stewart reizen und in deren Rollen sie das Kino-Publikum überzeugt. Ihre rebellische Haltung, kein Star sein zu wollen, wird dadurch noch authentischer. Nach ihrem Vorbild gefragt, nennt sie immer einen Namen: Jodi Foster. Sie bewundere ihre Kollegin für deren Fähigkeit, ihr Privatleben fast komplett vor der Öffentlichkeit zu schützen. Bisher gelingt ihr das, sicher auch weil sie den Rat, den ihr Jodie Foster einmal gab, strickt befolgt: «Der Schlüssel für sie ist, dass sie keine lebende Reality-Show wird.»