Von Andreas Heimann
Die Freunde kennen sich seit langem, sind sich jedoch fremd. Im Interview spricht Autorin Katharina Hacker über ihr neues Buch Alix, Anton und die anderen, die Besonderheiten ihres Romanprojekts und den Realismus des Unglücklichseins.
Der Roman ist gerade erst erschienen, aber Sie arbeiten schon an der Fortsetzung?
Hacker: Es soll noch zwei weitere Bücher geben. Eines über Antons Eltern ist für nächstes Jahr geplant, ein Buch über Alix danach. Teile des Projektes erscheinen nun in verschiedenen Verlagen. Aber ich will darüber nicht jammern.
Sie veröffentlichen die Geschichte zum Teil auch im Internet?
Hacker: Ja, ich benutze auch das Netz. Ein neues Kapitel aus dem Romanprojekt ist schon auf meiner Website erschienen. Ich weiß aber noch nicht, ob noch weitere Kapitel online gehen.
Ist es nicht sehr ungewöhnlich, dass der Roman in zwei Spalten auf jeder Seite erzählt wird?
Hacker: Mir geht es um die Frage, wie wir mit dem umgehen, was wir auslassen, was wir verpassen, nur aus dem Augenwinkel sehen. In der zweiten Spalte geht es um diese Perspektive.
Wird in der zweiten Spalte eine Gegengeschichte erzählt?
Hacker: Beide korrespondieren miteinander. Ich will nicht den Eindruck erwecken, die Geschichte, die ich erzähle sei zwangsläufig so, wie sie ist. Ich glaube nicht an Zwangsläufigkeit, nicht an Determinismus, sondern an Freiheit. Man kann gegen den Strich leben. Man kann an einem Unglück verzweifeln, aber man hat Zwischenräume, man kann auch sagen: Ich will das anders.
Sieht das in dem Buch nun anders aus als geplant?
Hacker: Ich wollte eine breitere Spalte links, die andere immer rechts. Das ist nun nicht so. Die zweite Spalte sollte gerade kein Kommentar sein. Ich bin schon unglücklich darüber.
Es gibt viele Bezüge zu Berlin, ist es ein Berlin-Roman?
Hacker: Nein, es ist nicht als Berlin-Roman gemeint. Es ist sicher ein Großstadtroman, aber er könnte auch in Köln oder München funktionieren, die kenne ich aber nicht. Meine Romanfiguren wohnen da, wo ich wohne. Die Geschichte würde allerdings nicht in eine kleinere Stadt passen, kleine Städte sind ganz anders.
Sind die Protagonisten des Romans nicht alle sehr unglücklich?
Hacker: Anton ist froh, als er Lydia kennenlernt und sich verliebt. Bernd ist froh mit seinem Buchladen. Es stimmt, es wird von mehreren Unfällen erzählt. Claras Sohn ertrinkt, Jans Eltern sterben. Aber ich finde nicht, dass das unrealistisch ist. Ich will gar nicht düster sein.
Katharina Hackers neuer Roman Alix, Anton und die anderen ist gerade erschienen. Es soll ihr letzter sein, der bei Suhrkamp verlegt wird und ist gleichzeitig der erste Teil eines Romanprojektes. Dessen nächster wird nun bei S. Fischer erscheinen, nachdem sich die Autorin nach fast 15 Jahren von ihrem bisherigen Verlag getrennt hat.
iwe/bla/news.de/dpa