Eine Legende (fast) ohne Skandal
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Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Artikel vom 21.11.2009
Zum letzten Mal moderiert Frank Elstner Verstehen Sie Spaß?. An einen Rückzug denkt der 67-Jährige dennoch nicht. Und das ist auch gut so: Bis heute ist er zwischen den Selbstdarstellern der Branche eine Ausnahme geblieben – eine mit Geheimnissen.
Im Leben des Frank Elstners Skandale zu finden, ist fast unmöglich. Zwar hat er fünf Kinder von vier Frauen, aber allen gehe es miteinander gut, wie Elstner stets betont. Kein einziger Rosenkrieg, keine schmutzige Wäsche, die in den Boulevardzeitungen des Landes gewaschen wurde. Und auch seine wilde Ehe mit seiner Lebensgefährtin Britta hat er nach 25 Jahren vorbildhaft beendet: Er hat die Frau, mit der er zwei Töchter hat, diesen Sommer spontan geheiratet.
In der Bunten verrät die TV-Legende jetzt immerhin, dass er als junger Ministrant den Wunsch hatte, Priester zu werden, was ihm jedoch verwehrt worden sei. Der Grund: ein Verhältnis mit der Nichte eines katholischen Geistlichen. Das immerhin riecht nach einem kleinen Skandal, will man meinen. Aber nur auf den ersten Blick. Später wurde sein «Verhältnis» seine Ehefrau und die Mutter seines ältesten Sohnes, während Elstner seine Berufung im Fernsehen fand. Und religiös ist er dabei auch noch geblieben. Gerne hätte er Papst Johannes Paul II. bei Wetten, dass ..? begrüßt, was ihm trotz der Hilfe des damaligen Kardinals Ratzingers leider nicht gelang, wie er in der Bunten verriet. «Bei Gott, dieser Mann wusste alles über mich», sagte Elstner über seinen wohl göttlichsten Fan.
An einem «richtigen» Skandal aber war er zumindest in einer Nebenrolle beteiligt: Elstner stand 2008 auf der ominösen Gästeliste der Ackermann-Party im Kanzleramt. Auf Staatskosten feierte er dort zusammen mit Josef Ackermann und dessen Freunden, darunter etwa Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler und Berater Roland Berger den 60. Geburtstag des Deutsche-Bank-Chefs. Das war es dann aber auch schon mit den Skandalen. Aber immerhin.
Dass er in seiner Karriere Schlagzeilen bestimmter Art schlichtweg nicht nötig hatte, wird klar, wenn man sich seine TV-Laufbahn anschaut. Vor mittlerweile 28 Jahren hat er Wetten, dass..? erfunden, Europas erfolgreichste Unterhaltungsshow, die er 39 Mal selbst moderierte und das mit Quoten um die 40 Prozent – für Thomas Gottschalk heute unvorstellbar. Und natürlich schuf er den Fernsehklassiker Verstehen Sie Spaß?, den er nun zum letzten Mal moderiert.
Noch nicht einmal schnulzig soll der Abschied werden, keine tränenreichen Bilder will er liefern. Sein letztes Verstehen Sie Spaß? soll eine Sendung wie jede andere werden. «Ich gehe, wie so oft, im richtigen Augenblick», sagt er. Denn er bleibe ja den Zuschauern erhalten, in den zahlreichen Shows, die er weiterhin moderiere – wie etwa der Talkshow Menschen der Woche oder das Das unglaubliche Quiz der Tiere. Und an einem neuen großen Unterhaltungsformat bastle er zur Zeit, wie er der Zeitschrift Das Neue Blatt verriet. Aber moderieren werde er es nicht, da sei er sich sicher. Er wolle einfach mehr Zeit für seine Familie haben, erklärt er.
Frank Elstner ist zweifelsohne eine TV-Legende, noch bevor er vom Bildschirm verschwunden ist. Zu verdanken hat er das vor allem Wetten, dass ..? und seinem Talent zu spüren, wie der Zuschauer im Fernsehen unterhalten werden will. Neben all den Egomanen und klamaukhaften Moderatoren im deutschen Fernsehen ist er außerdem mit seiner bodenständigen, freundlichen, sich selbst zurücknehmenden Art bis heute eine Ausnahme geblieben. Elstner beweist, dass man als Entertainer überzeugen kann, auch ohne die Zuschauer mit einer Selbstdarstellung unterhalten zu wollen.
Auch wenn er keine Themen für die Klatschpresse liefert, so umgeben Elstner aber immerhin ein paar geheimnisvolle Dinge. Was viele beispielsweise nicht wissen: Er ist kein Deutscher, sondern kommt gebürtig aus Österreich. Dazu ist er noch Vegetarier und heißt in Wahrheit gar nicht Frank Elstner, sondern Tim Elstner. Weil ein Co-Moderator in einer Radio-Sendung den gleichen Vornamen hatte wie er, mopste er sich einfach den Namen seines Bruders. Andere hätten sich vielleicht einen Künstlernamen ausgedacht, nicht so Tim Elstner. Und noch nicht einmal das reicht bei ihm für einen Skandal.
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