Das wohl berühmteste Projekt von Christo und Jeanne-Claude: Der verhüllte Reichstag von 1995.
Jeanne-Claude ist tot
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Das wohl berühmteste Projekt von Christo und Jeanne-Claude: Der verhüllte Reichstag von 1995.
Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Lange galt Jeanne-Claude nur als Anhängsel ihres Mannes, des Künstlers Christo. Doch sie war mehr als seine Muse, ihre Projekte waren nur als Teamwork denkbar. Nun ist die Künstlerin im Alter von 74 Jahren gestorben.
Es gab sie nur im Doppelpack, niemals alleine. Ein Christo ohne seine Jeanne-Claude war nicht denkbar, ihre Kunst, ihren Alltag bestritten die beiden zusammen. Und spätestens mit dem umstrittenen und viel beachteten Projekt des verhüllten Reichstages erlangten der Bulgare und die in Casablanca geborene Künstlerin Weltruhm. Nun ist Jeanne-Claude im Alter von 74 Jahren an einem Aneurysma gestorben. Der Fotograf der Werke des Paares, Wolfgang Volz, bestätigte die Nachricht.
Seit 1959 waren der Sohn eines Chemiefabrikanten und die Stieftochter eines französischen Armeegenerals verheiratet, zunächst arbeitete Christo noch alleine. Die Idee aber, Dinge zu verhüllen, war bereits geboren. Keine so großen wie den Reichstag freilich, 1961 begnügte sich Christo noch mit eingehüllten Stühlen, Instrumenten, Verkehrszeichen und kleineren Gebäuden. Doch auch für eines der ersten gemeinsamen Projekte zwischen ihm und Jeanne-Claude wurde eingepackt: Der «Wrapped Renault 4 CV» war geboren.
Dabei war das Einpacken nur eine von vielen Facetten ihrer Kunst. Viel mehr ging es dem Paar um die Landschaft, die ihre Werke umgab. Ihre berühmten Tore im Central Park etwa verhüllten nicht, sondern gaben den Blick frei, öffneten neue Perspektiven und bildeten ein Zusammenspiel aus Installation, Wind und Natur. «Eine Feier des Raums und der Menschen im Raum» nannte Christo ihre Kunst, für Jeanne-Claude hatte sie mehr mit Architektur, Stadtplanung und Logistik zu tun, als mit Bildhauerei.
Nach der Geburt von Sohn Cyril 1960 wanderte die Familie 1964 in die USA aus, und die Vereinigten Staaten wurden ihre neue Heimat. Spätestens von diesem Zeitpunkt an wurden die großen Projekte die, für die Jeanne-Claude und ihr Mann die größte Aufmerksamkeit bekamen: 1995, nach mehr als 20 Jahren Planungszeit, verpackte das Künstlerpaar den Berliner Reichstag. Immer wieder war das Projekt am Widerstand deutscher Politiker gescheitert, die sich nicht einigen konnten, ob es sich bei der geplanten Aktion um eine Art «Tempelschändung» handle, oder ob sie die Möglichkeit biete – so der SPD-Vorsitzende Willy Brandt – «den Symbolwert dieses Gebäudes zu vergegenwärtigen». Mit dem Fall der Mauer aber war der Weg frei.
Und Symbole waren all ihre Werke. 1969 wickelten Christo und Jeanne-Claude einen Teil der australischen Felsenküste ein, 1993 verpackte er elf Kleinstinseln in der Biscayne Bucht der Everglades vor der Küste von Miami, 1999 arbeiteten die beiden erneut in Deutschland und stapelten im Oberhausener Gasometer 13.000 bunte Ölfässer zur Installation «The Wall» aufeinander.
Nicht immer verstand die Kunstkritik, wie wichtig Jeanne-Claude für ihren Mann war. Das Paar gab nicht umsonst an, am selben Tag geboren zu sein, nicht umsonst traten die beiden seit Anfang der 1990er Jahre nur noch gemeinsam auf. Sie wollten, sie mussten hervorheben, dass ihre Projekte als Teamwork entstehen, dass sie anders nicht denkbar waren.
Dabei hätten Christo und Jeanne-Claude unterschiedlicher kaum sein können: Er, der Flüchtling aus Rumänien, der sich seine Kunst mit Porträtarbeiten finanzieren musste, sie, Tochter aus gutem Hause, privilegiert, umworben und mit solider Ausbildung.
Bis zum Ende aber war es immer wieder der Reichstag, der mit ihrem Namen verbunden wurde, das Baby, mit dem die beiden 24 Jahre lang schwanger gingen. Immer wieder bekam das Paar nach eigenen Angaben Briefe mit der Bitte, dieses oder jenes hässliche Gebäude zu verhüllen. Solche Menschen aber hätten gar nichts verstanden, sagte Christo einst in einem Interview. Und Jeanne-Claude fügte hinzu: «Wir verhüllen nicht nur ein Gebäude. Wir verhüllen die deutsche Angst, den deutschen Stolz.»
Einig aber waren sich Christo und Jeanne-Claude keinesfalls immer. Als sie 1996 das Bundesverdienstkreuz erhalten sollten, sagte Jeanne-Claude in einem Interview mit dem Spiegel: «Wir fühlen uns sehr geehrt.» Und als Christo mit einem entschiedenen «Nein» konterte, entgegnete die resulute Frau nur: «Doch.» Am Ende hatte sie sich durchgesetzt.
Jeanne-Claude war eben mehr als eine Muse. Sie war durch und durch Künstlerin, und sie war Präsidentin und Treuhänderin der Christo Vladimirov Javacheff Corporation, einer Gesellschaft zur Finanzierung ihrer Projekte. Ihre größte Stärke? Sie selbst sagte darauf einmal dem Focus: «Leidenschaft und Durchhaltevermögen.» Woraufhin ihr Mann antwortete: «Wir müssen aber nicht alles alleine bewältigen. Unsere Projekte sind das Ergebnis der tatkräftigen Unterstützung unserer Freunde und all der klugen Köpfe, die wir immer wieder als Mitarbeiter gewinnen.» Und der wichtigste dieser Freunde, sein Partner, war Jeanne-Claude.
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