Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Mit 19 legt Patricia Kaas ihr zweites Best-Of-Album vor, zudem geht sie bald wieder auf Tournee. Im Interview spricht die Französin über die Qual der Wahl, ihren Auftritt beim Eurovision Song Contest und ihre Karriere. Und über unerfüllte Wünsche.
Madame Kaas, mit 19 bringen Sie nach acht Studioalben ein Best-Of-Album heraus und das mit 43 Jahren. Ist es nicht noch ein wenig zu früh dafür?
Kaas: Nein, das denke ich nicht. 19 habe ich für diejenigen gemacht, die das beste aus meiner Arbeit haben wollen und ich denke, das ist es geworden! Sie müssen bedenken, dass das bereits mein zweites Best-Of-Album ist. Das erste erschien vor zehn Jahren und ich veröffentliche seit 24 Jahren Alben.
Wie schwierig ist es, sich aus dem eigenen Repertoire die 19 besten Titel herauszusuchen?
Kaas: Es ist ein bisschen frustrierend, zugegeben. Denn man muss auswählen, aber größtenteils ist es großartig, denn man hört sich alte Stücke an und das ist wirklich bewegend. Und dann gibt es da einige Lieder, die die Fans hören wollen und einige, auf die ich wieder das Augenmerk richten möchte.
Haben Sie die Titel alleine ausgewählt?
Kaas: Ja natürlich! Ich bin die Einzige, die über meine Aufnahmen entscheidet, auch wenn ich durchaus auf meine Manager und mein Plattenlabel höre.
Sie gelten als Künstlerin, die Grenzen überwindet, gerade dadurch, dass Sie deutsch und französisch singen. Auf dem Album aber sind nur zwei deutsche Titel. Sind Ihnen die französischen lieber?
Kaas: Ich komme aus Frankreich, das ist mein Land, nichtsdestotrotz war meine Mutter Deutsche und ich selbst fühle mich ein wenig deutsch. Darum habe ich mich entschieden, in meiner Muttersprache zu singen, und ich spreche gerne deutsch. Das sind meine Wurzeln.
Zwischen Ihren letzten beiden Alben lag eine Schaffenspause von sechs Jahren. Jetzt scheint es, als stürzten Sie sich mit Alben und Konzerten geradezu in Arbeit. Ist dieser Eindruck richtig?
Kaas: Nein, das war der Plan, den ich wollte, eine Tour und dann ein neues Album. 19 ist ein Best-Of, es ist nicht Teil meines Kabaret-Lebens. Ich bin nicht in Eile. Ich versuche, meinen Fans auf der ganzen Welt eine Freude zu machen, darum ist die Tour so lang ausgefallen.
Wie steht es denn um die Schauspielerei? Einen Film haben Sie bereits gedreht, kommt noch ein zweiter dazu?
Kaas: Bis jetzt habe ich in Ladies & Gentlemen von Claude Lelouch an der Seite von Jeremy Irons gespielt, und ja, ich rechne damit, eines Tages einen weiteren Film zu drehen, es war eine großartige Erfahrung. Aber in erster Linie bin ich Sängerin! Derzeit arbeite ich an einem Projekt für das kommende Jahr mit. Ein film noir ...
Sie werden gerne mit Edith Piaf und Marlene Dietrich verglichen. Ein Vergleich, dem Sie zustimmen würden?
Kaas: Das ehrt mich, Edit Piaf war eine unglaubliche Künstlerin, charismatisch und bewegend, dank ihr sind französische Chansons auf der ganzen Welt bekannt. Und ich bin stolz, wenn ich dem ein wenig hinzufügen kann, aber ich denke nicht, dass irgendeine Sängerin sich mit Edith Piaf vergleichen kann!
Gibt es denn andere Künstler, in deren Tradition Sie sich sehen?
Kaas: Alle, die den französischen Chanson geschaffen haben, Edith Piaf natürlich, aber auch Jacques Brel, Yves Montand, Georges Brassens, Leo Ferré, Mireille Mathieu aber auch Hildegard Knef, Marlene Dietrich und viele andere.
Sie sind im Mai beim Eurovision Song Contest aufgetreten und haben den 8. Platz belegt. Ein Ergebnis, dass Sie zufriedenstellt?
Kaas: Ich war ein bisschen enttäuscht, aber ich habe auf Französisch gesungen, ein langsames Lied auf der Bühne ... Nun, was für eine Herausforderung! Dann aber habe ich entdeckt, dass 126 Millionen Menschen mein Lied hören, also ...
Von Belgien haben Sie einen Punkt und von Deutschland drei Punkte bekommen. Enttäuscht Sie das?
Kaas: Warum? Vielleicht hat ihnen das Lied nicht gefallen. Andere Länder haben mir mehr gegeben, sogar England.
Hatten Sie vor der Veranstaltung die Sorge, sie könnte ihre Karriere beschädigen? Der Song Contest hat ja nicht überall einen guten Ruf.
Kaas: Wenn ich beschließe, etwas zu tun, bereue ich es nie im Nachhinein, meine Karriere ist sicher und der Eurovision Song Contest eine großartige TV-Show! Fantastisch! Ich habe dort wundervolle Momente gehabt, die ich mit Menschen aus ganz Europa geteilt habe, wahre und fröhliche Momente. Ich habe neue Leute getroffen, ich habe neue Freunde. Ansehen interessiert mich nicht. Wichtig ist es, zu tun, was man ist.
Schon vor Jahren haben Sie in einem Interview den Wunsch geäußert, ein Kind zu bekommen. Wie steht es um diesen Wunsch?
Kaas: ...
Und sonst? Welchen Wunsch konnte sich Patricia Kaas noch nicht erfüllen?
Kaas: Ein Abendessen mit George Clooney. (lacht)
Patricia Kaas wurde 1966 im lothringischen Forbach geboren. Mit mehr als 16 Millionen verkauften Alben in 47 Ländern gilt sie als eine der erfolgreichsten französischsprachigen Pop- und Chansons-Sängerinnen. Einige ihrer Titel singt sie auch auf deutsch, ihre Mutter Irmgard war Deutsche. Patricia Kaas geht ab Dezember wieder auf Tournee, die Tourdaten stehen auch auf ihrer Homepage.
voc/news.de