So., 27.05.12

«Gesetz der Rache» 18.11.2009 Einmal Schlachtplatte

Gesetz der Rache (Foto)
Clyde Shelton (Gerard Butler) hat seine Familie verloren und sinnt auf Rache. Bild: Constantin

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Mit Gesetz der Rache hat Regisseur F. Gary Gray einen verstörend brutalen Actionthriller geschaffen, einen Film ohne Sinn, Verstand und Maß. Gerard Butler darf darin Rache am gesamten Justizsystem der USA nehmen. Sein Gegenspieler: Jamie Foxx als Staranwalt.

Clyde Shelton (Gerard Butler) hat für etwa eine Minute ein glückliches Leben – für eine Kinominute. Gerade sitzt er noch mit seiner kleinen Tochter zusammen, die ein Armband mit der Aufschrift «Daddy» für ihn gebastelt hat, in der Küche bereitet seine Frau das Abendessen vor, als es an der Tür klingelt. Die zwei Männer, denen Shelton öffnet, beenden die Idylle mit verstörender Brutalität. Shelton wird gefesselt, seine Frau vergewaltigt und beide vor den Augen des Familienvaters ermordet.

Der Fall landet bei Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx), der die Täter auch schnappen kann. Doch die Beweisaufnahme hat geschlampt, Rice muss einen Deal machen – der eigentliche Täter kommt mit einem blauen Auge davon, sein Komplize, eigentlich eher ein Mitläufer, wandert in die Todeszelle. Shelton fühlt sich betrogen, um sein Recht, um seine Rache. Also nimmt er sie selbst in die Hand. Bis dahin aber wird es zehn Jahre dauern, zehn Jahre, in denen er an seinem Plan feilen kann.

Als sein Feldzug beginnt, müssen als erstes die Täter dran glauben. Bestialisch bringt er die beiden um die Ecke, schickt Rice und seiner Familie ein Video vom Gemetzel und lässt sich kurze Zeit später in aller Seelenruhe verhaften. Schon glaubt Rice, der Fall sei gelöst. Doch Shelton knüpft sein Geständnis an eine Bedingung. Dieses Mal will er einen Deal machen. Rice soll sich für eine Änderung des Rechtssystems einsetzen.

Der Staranwalt lässt sich auf das Spielchen ein, als jedoch die erste Abmachung zwischen den beiden platzt, beginnt das Töten. Aus dem Gefängnis heraus ermordet Shelton eine Schlüsselfigur nach der anderen. Schnell verliert Rice die Kontrolle über den Fall und der einst liebender Familienvater Shelton stellt sich als hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter heraus, spezialisiert auf das Töten von Menschen. Selbst die Einzelzelle kann ihn nicht davon abhalten, ein Massaker biblischen Ausmaßes anzurichten. Am Ende bleibt der Bürgermeisterin nichts anderes übrig, als den Ausnahmezustand über Philadelphia zu verhängen.

«Gesetz der Rache»
Eine Katastrophe von biblischem Ausmaß
Video: Constantin

Regisseur F. Gary Gray hat mit Gesetz der Rache einen Actionthriller par excellence geschaffen, einen Film, der in allem über das Ziel hinausschießt, mit einer absurden Logik und einem Ausmaß an Gewalt und Action, das, weil es keine Grenzen kennt, schon fast ins Skurrile abdriftet. Gray präsentiert eine große Schlachtplatte, in der Shelton auf die absonderlichsten Arten und mit viel Fantasie seinem Job nachgehen kann.

Bis hierhin erscheint Grays Film wie ein Werk ohne Sinn und Verstand. Das Spiel mit der Moral hingegen haben er und Drehbuchautor Kurt Wimmer clever gelöst. Schon durch die brutale Einstiegsszene ziehen sie den Zuschauer auf Sheltons Seite und es dauert lange, bis sich daran etwas ändert, auch, weil Anwalt Rice nicht immer als Sympathieträger agiert. Zudem mag das Publikum Tüftler, Geheimdienstler noch dazu, und das Gefühl der Rachsucht dürfte jedem aus eigener Erfahrung bekannt sein.

Dem gegenüber stehen jedoch oft zu schlicht gezeichneten Rollen. Der moralinsaure Anwalt, der durchgedrehte, aber geniale Mörder, die blonde, ehrgeizige Assistentin und der etwas abgehalfterte Bulle sind nur einige der holzschnittartigen Typen, die in den 109 Minuten die Leinwand bevölkern. Die Darsteller haben diese Rollen gut im Griff und vor allem Gerard Butler scheint sich als außer Kontrolle geratenes Superhirn mächtig wohl gefühlt zu haben. Für einen echten Blockbuster aber dürfte das zu wenig sein.

Überzeugen können hingegen Spannung und Tempo des Racheepos. Kluge Schnitte, ordentliche Effekte und einige echte Schockmomente machen Gesetz der Rache zu solider, wenn auch schwer verdaulicher Actionkost. Inhaltlich aber patzt der Film. Der Plot ist schlicht Blödsinn und so fantasievoll die einzelnen Morde auch sein mögen, so trickreich Shelton in waschechter Geheimdienstmanier agiert, am Ende bleibt die große Frage nach dem Warum. Dass der Film die nicht beantworten kann, ist seine größte Schwäche.
 

Titel: Gesetz der Rache
Regisseur: F. Gary Gray
Hauptdarsteller: Jamie Foxx, Gerard Butler, Leslie Bibb, Bruce McGill
Spielzeit: 109 Minuten
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 19. November 2009

nak/news.de
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