132-faches Platin
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 13.11.2009
Ein Debüt, das keines ist: Them Crooked Vultures legen ihre erste gleichnamige Platte vor, doch die Debütanten sind bereits Stars. Hinter dem genialen Projekt stecken Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Dave Grohl (Foo Fighters) und John Paul Jones (Led Zeppelin). Und so klingt die Platte auch. Wow.
Auf 132 Platinalben bringen es Dave Grohl (Foo Fighters), Josh Homme (Queens Of The Stone Age) und John Paul Jones (Led Zeppelin) insgesamt, rechnet die Schweizer Boulevardzeitung Blick vor. Und die Bands, denen die drei Musiker bisher angehört haben, bei Grohl kommen noch Nirvana und ebenfalls Queens Of The Stone Age dazu, spielen in einer Liga, die nur die wenigsten Musiker überhaupt je erreichen. Nun machen sie gemeinsame Sache – mit der Supergroup Them Crooked Vultures und dem gleichnamigen Album.
Nun kann der Ausdruck Supergroup alles und nichts bedeuten, oft ist das «super» nicht mehr als ein hohler Zusatz. Wer auch immer mit einer Band einen Bekanntheitsgrad erreicht hat, der über dem einer Schülerband rangiert, kann mit ebenfalls bekannteren Musikern eine Supergroup gründen. Und so gab es denn auch dutzende solcher Combos, die heute längst vergessen sind. Niemand kennt mehr Bands wie GTR, Power Station oder The Dirty Mac, trotz prominenter Mitglieder aus Gruppen wie Genesis, Marillion, Duran Duran, den Beatles oder Stones. Them Crooked Vultures, zu deutsch in etwa «Die buckligen Geier», aber verdienen den Titel, den die Presse ihnen schon früh gegeben hat und man könnte ihnen auch gleich noch das zweite Klischee des Powertrios anhängen.
Zwar mag man es bedauern, dass Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl wieder, wie schon bei Scream, Nirvana oder den Queens Of The Stone Age, zum Schlagzeug greift, anstatt zu singen, Josh Homme aber tröstet recht schnell über diesen ersten Schmerz hinweg. Dabei ist der Einstieg in das Album recht gemächlich, fast driften Jones, Homme und Grohl vom Grunge in den Blues ab, wenn sie den Opener No One Loves Me zum Besten geben. Doch nur bis Minute 2:45, ab dann zeigen Them Crooked Vultures die Richtung klar an: Vorwärts geht es, gewaltig polternd, aber doch locker aus der Hüfte. Da weiß jemand genau, was er tut.
Die folgenden gut 63 Minuten mit obskuren Songtiteln wie Scumbag Blues, Interludes with Ludes oder Caligulove sind der Beweis genau dafür, auch wenn die Band das Tempo nicht hält – das aber wäre wohl auch zu viel des Guten. Them Crooked Vultures stampfen einmal als Elefant durch den Porzellanladen ihrer eigenen Rockgeschichte. Halt gemacht wird dabei mehr als nur einmal vor dem Regal der Queens Of The Stone Age, was vor allem an Hommes markantem, falsettartigem Gesang liegt. Eingepackt werden auf dem Weg nach draußen aber auch noch andere Einflüsse, ein bisschen fühlt man sich zwischendurch an The Who erinnert, an Pearl Jam oder Muse.
Das Album ist ein Wechselbad der Gefühle. Schmutzige Riffs wechseln sich mit fast schon gefälligen Melodien ab, der Purismus eines Rocktrios wird von orchestralen Arrangements und psychedelischen Einschüben abgelöst. Hier ein bisschen Background-Chor, dort ein wenig Orgel, und ganz da hinten kann auch das gute alte Klavier nicht schaden. All das kulminiert in dem epischen Elephants, einem von der ersten Sekunde an irrsinnigen und fulminanten Siebenminüter.
Zwar funktionieren nicht alle der 13 Songs von der Band selbst produzierten Songs in derartiger Vollendung – New Fang leiert ein wenig, Warsaw Or The First Breath klingt etwas altmodisch –, insgesamt aber wird man bei allem, was Them Crooked Vultures tun, bei ihrem Album, ihren bisherigen Auftritten, das Gefühl nicht los, eine Band vor sich zu haben, die sich selbst genug ist. Wem das gefällt: Im Dezember kommt die Band auch für drei Konzerte nach Deutschland: Die Shows finden am 6. Dezember in München, am 7. in Berlin und am 8. in Köln statt.
Nach dem, was bisher von ihnen zu sehen war, dürften die drei Musiker auch auf diesen Terminen beweisen, was Spielfreude alles anrichten kann. Wenn's das Publikum denn auch noch mag, in Ordnung. Wenn nicht, wir brauchen niemanden, scheint die Attitüde zu sein. Zumindest müssen wir niemandem mehr etwas beweisen. Recht haben sie natürlich, und ein Stück weit funktioniert ihr Album auch aus diesem Grund so gut, aufgrund der Erwartungshaltung, der Charaktere und ihrer Geschichte. Abwerten kann all das die Platte nicht. Sie bleibt – wenn wir schon Supergroup sagen dürfen, ist auch das erlaubt – ein Juwel.
Interpret: Them Crooked Vultures
Titel: Them Crooked Vultures
Plattenfirma: Sony
Spielzeit: 66 Minuten
Erscheinungsdatum: 13. November 2009
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