Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Drei Menschen, mehr oder weniger prominent, berichten von ihrem Leben in der DDR und der Zeit danach: Kameramann Steffen Bohn, Journalistin Kathrin Bräuer und DJ Paul van Dyk. Ganz ohne Ostalgie und gerade deshalb so sehenswert. Unser Clip-Tipp.
Dokumentationen über die DDR gibt es zur Genüge und so wissen wir heute, dass es in dem Land hinter der Mauer bei weitem nicht so schick aussah, wie die Propaganda uns glauben lassen wollte. Auch im Netz finden sich dazu inzwischen vielfältige Informationen, unter anderem hat die Landeszentrale für politische Bildung NRW drei Videopodcasts veröffentlicht und zum Download zur Verfügung gestellt.
Die Reihe Ich fass' es nicht – die Mauer ist weg! besteht aus drei Teilen: In Ich wollte abhauen erzählt der Kameramann Steffen Bohn von seiner Jugend in der DDR, in Süß war nur der Westen erinnert die Journalistin Kathrin Bräuer sich an den Alltag und Zwei Koffer & 48 Stunden holt den DJ Paul van Dyk vor die Kamera, der als 17-Jähriger mit seiner Mutter und seinem Hund Bella die DDR verlassen hat.
Von Ostalgie ist in diesen Interviews wenig zu spüren. Fast schon nüchtern, auf jeden Fall aber mit ausreichend historischem Abstand schildern die drei Protagonisten, wie sie das Leben in der DDR erlebt haben. Sie berichten von Fluchtversuchen und Verhören, von verschwundenen Freunden und vom Abschiednehmen, vom Duft des Westens und dem Mief der Wertstoffsammlung.
Eigentlich ist diese Sammlung für den Unterricht an Schulen gedacht. Der Landeszentrale aber ist es gelungen, eine Reihe zu produzieren, die aus spannenden Blickwinkeln gerade wieder aktuelle Geschichte beleuchtet. Und die dabei helfen, der Kralle der Ostalgie zu entkommen – jedem.
juz/news.de