Erfolgreicher Hungerstreik Finkelgruen setzt sich durch

Peter Finkelgruen (Foto)
Der Hungerstreik des jüdischen Schriftstellers Peter Finkelgruen war erfolgreich. Bild: dpa

Der einwöchige Hungerstreik des jüdischen Autors Peter Finkelgruen gegen die Berliner Entschädigungsbehörde war erfolgreich: Das Amt wird nun doch die ausstehenden Rechnungen zur Behandlung seiner verfolgungsbedingten Herzerkrankung übernehmen.

Der in Köln lebende 67-Jährige beendete damit seinen Hungerstreik nach sieben Tagen. «Meine Aktion war erfolgreich. Ich bedauere jedoch, dass es derartiger Aktionen bedarf, um die Behörden zu einem gesetzkonformen, richtigem und anständigem Verfahren zu bewegen.» Sein für den 9. November in Berlin am Holocaust-Mahnmal geplanter Protest sei nun nicht mehr nötig.

Finkelgruen, der Eltern und einen Großvater durch den Nazi-Terror verlor, leidet nach seiner Kindheit im Ghetto von Schanghai bis heute unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erlitt 2006 einen Herzinfarkt. Seit Jahren streitet er mit der Behörde über eine Kostenübernahme für seine medizinische Behandlung und wirft dem Amt einen Verstoß gegen das Bundesentschädigungsgesetz vor. 1974 hatte die Behörde, die zuständig ist für die Versorgung von NS-Verfolgten, sich zur Zahlung von Behandlungskosten bereiterklärt. Allerdings, so behauptet der Autor, erst nach seiner gerichtlichen Klage und internationalem Druck. Die Zahlungen wurden dann aber allmählich eingestellt. Für den Herzinfarkt seien keinerlei Behandlungskosten übernommen worden.

Das Berliner Amt zahle ihm nun auch einen «symbolischen Betrag für den entstandenen Schaden, als Folge der unterlassenen notwendigen Information über alle Ansprüche», sagte Finkelgruen. In seinem Protest war der 67-Jährige auch vom PEN-Zentrum unterstützt worden, das von Berlin sofortige Hilfe gefordert hatte. Es werfe kein gutes Bild auf die Bundesrepublik, wenn ein Opfer der Nazis am Holocaust-Mahnmal eine «engherzige Wiedergutmachungspraxis dieses Landes» beklage, schrieb das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland an Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Auf die Bedürfnisse der noch lebenden Holocaust-Opfer solle großzügiger eingegangen werden, hatte die Schriftsteller-Vereinigung verlangt.

kat/news.de/dpa

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