Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Eigentlich ist das Stoff für ein großes Drama: Burke ist Lebenshilfe-Trainer, erlaubt sich selbst aber keine Trauer. Als er Eloise trifft, zerbricht seine fragile Fassade. Love Happens jedoch banalisiert die Geschichte soweit, das sie nicht einmal mehr unterhält.
Jennifer Aniston hat Kondition. Temporeich schmachtet sie sich durch ihren männlichen Kollegenkreis. Sie liebte Jim Carrey (Bruce Allmächtig), Ben Stiller (… und dann kam Polly), Vince Vaughn (Trennung mit Hindernissen), Owen Wilson (Marley & Ich) und kürzlich erst Ben Affleck (Er steht einfach nicht auf dich). Clive Owen bekam sie einst von Julia Roberts empfohlen, da der so gut küssen könne. Nach Entgleist urteilte Aniston: «Er küsst wirklich gut.» Und dazu, dass sie nun für den kommenden Bond-Film im Gespräch ist, sagt sie nur: «Daniel Craig, das wäre ein Riesenspaß.»
Warum sie sich für Love Happens und Aaron Eckhart entschieden hat, können lange 109 Minuten nicht beantworten. Burke Ryan ist erfolgreicher Autor und Trainer in Sachen Lebenshilfe, hat aber sein eigenes Drama, den Tod seiner Frau, mitnichten verarbeitet – und ist deshalb noch nicht reif für eine neue Frau. Eckhart schafft es nicht, diesen schmalen Grat, der die Gefühlslage Burkes ist, glaubhaft darzustellen. Stattdessen konzentriert er sich darauf, jede einzelne seiner Stirn- und Lachfalten staatsstragend aussehen zu lassen. Egal, ob er nun pathetische Reden schwingt, in Tränen ausbricht oder seine Liebe gesteht.
Eloise, die Aniston in Anlehnung an ihre früheren Rollen gewohnt unauffällig verkörpert, hat gerade den untreuen Tylor abserviert und eigentlich keine Lust auf eine neue Beziehung. Bis sie Burke trifft. Der Plot ist hier eigentlich schon zu Ende, doch sei noch die fürs Genre so wichtige beste Freundin erwähnt: Marty (Judy Greer) weiß natürlich, dass Eloise immer an die Falschen gerät und beäugt die sich anbahnende Liebelei mit Burke daher misstrauisch, um rechtzeitig vor dem Happy End alles prima zu finden.
In Love Happens stimmt überhaupt nichts. Ist in vergleichbaren Geschichten wenigstens noch das Kriegen-Sie-sich-oder-kriegen-sie-sich-nicht-Spiel interessant, entfällt auch das hier komplett. Eloise und Burke mögen sich zweifellos von Beginn an, scheitern jedoch an ihrem unverdauten Schmerz. Eigentlich bräuchte es an dieser Stelle Zwischentöne, für die aber beiden Hauptdarstellern die Tiefe fehlt. Und vom Drehbuch, das belanglos nächtliches Blumenstecken, Konzertbesuche und die so typischen Treffen an der Haustür aneinander reiht, werden sie nicht unterstützt. Spätestens, als ein weißer Papagei völlig unmotiviert zur zentralen Symbolik erhoben und zum Zwecke der Vergangenheitsbewältigung in die Freiheit (oder besser: den in den nordamerikanischen Wäldern sicheren Tod) entlassen wird, ist klar: Brandon Camp, der Regie und Drehbuch direkt auf einmal versemmelt hat, geht jegliches Gefühl für diesen Film ab.
Und Aniston? Die darf im Film nur einmal richtig küssen. Aber zumindest für sie gibt es Hoffnung: Bei drei der sieben Filme, an denen die Schauspielerin gerade arbeitet, kommen die Begriffe «Liebe», «Scheidung» und «Ihn Loswerden» im Arbeitstitel vor.
Titel: Love Happens
Regie: Brandon Camp
Hauptdarsteller: Jennifer Aniston, Aaron Eckhart, Dan Fogler, John Carroll Lynch, Martin Sheen, Judy Greer
Spielzeit: 109 Min
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 12. November 2009