Von news.de-Redakteurin Nadine Kotré
Promis, MTV und Preise - eigentlich verspricht das Spannung. Meist fanden die spektakulären Momente aber bei anderen MTV-Verleihungen statt. Katy Perry will das bei den diesjährigen EMAs ändern. Und dabei ihren Körper einsetzen.
MTV ist bunt, laut und stets bemüht den Nerv der Zeit zu treffen. Dieses Image will und muss auch in den diversen hauseigenen Preisverleihungen umgesetzt werden. Deren Anzahl ist über die Jahre stetig angewachsen. Vorreiter und bis heute am Bedeutendsten sind die Video Music Awards, die erstmals 1984 verliehen worden.
1992 gesellten sich die MTV Movie Awards hinzu, die sich mit Kategorien wie Bester Kuss, Bester Bösewicht oder dem Klassiker Bester Film dem Filmmetier annahmen. Auf Platz drei folgen die Europe Music Awards, die 1994 zum ersten Mal stattfanden und damals noch als europäische Version der VMAs gedacht waren. Mittlerweile präsentiert MTV jährlich mehr als 20 Preisverleihungen wie beispielsweise die MTV Australia Awards, die MTV Mandarin Music Awards oder die MTV Philippines Style Awards.
Dem Image MTVs und dem Geltungsdrang der Musiker ist es zu verdanken, dass sich im Laufe der Jahre der ein oder andere legendäre, schockierende oder peinliche Moment ereignete. Schaut man jedoch genauer hin, stellt man fest, dass diese meist bei den VMAs geschahen. Die Europe Music Award wirken dagegen nicht nur wie die kleine, langweilige Schwester.
Einer der legendärsten Momente der MTV-Geschichte ist der Kuss zwischen Madonna und Britney Spears während des Eröffnungsauftritts zu den VMAs 2003. Da sofort nach dem Kuss Britneys Ex-Flamme Justin Timberlake gezeigt wurde, haben bis heute einige noch nicht mitbekommen, dass auch Christina Aguilera einen Kuss von Madonna bekam. Der pseudo-homo-erotische Kuss löste einen kleinen Skandal aus und blieb mehrere Tage «das» Gesprächsthema im prüden Amerika.
Ein anderer Kuss, wenn auch kein homo-erotischer, sorgte bei den 1994er VMAs für Aufsehen. Damals wiesen die Frischvermählten Michael Jackson und Lisa Marie Presley Vorwürfe zurück, sie hätten nur zu Publicityzwecken geheiratet. Ihr Beweis: ein gezwungener statt leidenschaftlich wirkender Kuss.
Einen legendären Moment, der Britney Spears und Michael Jackson miteinander verbindet, fand 2002 statt. Die damaligen Video Music Awards wurden am Geburtstag von Michael Jackson verliehen, weshalb Britney Spears eine kurze Laudatio auf Jackson hielt. In dieser sagte sie, Jackson als Künstler des Jahrtausends anzusehen. Dieser bedankte sich daraufhin nicht nur für seine Geburtstagstorte, sondern auch für den Preis als Künstler des Jahrtausends und verfiel in eine herzerweichende Dankesrede.
Bevor es den Taylor-Swift-Kanye-West-Moment gab, gab es Kanye West und Justice Vs Simian. Der eher unbekannte Dance-Act gewann sehr zum Missfallen von Kanye West 2006 den Preis für das beste Video bei den EMAs. Daraufhin stürmte West die Bühne und brüllte: «Fuck this. Mein Video hat eine Million Dollar gekostet. Pamela Anderson war darin zu sehen und ich springe über Schluchten und verdammt. Wenn ich nicht gewinne, verliert diese Preisverleihung ihre Glaubwürdigkeit. Nichts gegen euch zwei, aber die Dreharbeiten haben einen Monat gedauert, ich stand auf einem Berg, ich bin mit einem Hubschrauber über Las Vegas geflogen. Und das alles, um König aller Videos zu werden und mit diesem Preis nach Hause zu gehen.»
In diesem Jahr stürmte West die Bühne der Video Music Awards. Doch dieses Mal verkündete er nicht, dass sein Video das beste sei, sondern das von Beyonce. Eine sprachlose Taylor Swift und ein aufgebrachtes Publikum blieben zurück. In den Tagen nach seinem Gefühlsausbruch wurde Kanye West nicht nur von Kollegen und Fans, sondern auch von US-Präsident Barack Obama kritisiert, der ihnen einen Idioten nannte.
Wenn es um mangelnde Gemütsbeherrschung geht, ist nicht nur Kanye West zu nennen, sondern auch Eminem. Der Rapper rastete bei den VMAs 2002 aus, nachdem er während der Show mit dem andauernden Streit zwischen ihm und Moby aufgezogen wurde. Daraufhin drohte er Moby zu verprügeln, was das Publikum mit Buh-Rufen quittierte.
Zu einem kleinen Modeunfall kam es 1999 als Lil' Kim, für ihre extravaganten Kleider eher berüchtigt als berühmt, in einem violettschillernden Irgendwas bei den VMAs erschien, welches ihre linke Brust offenbarte. Diese hatte sie, vermutlich zur Erleichterung aller Verantwortlichen bei MTV, mit einem Stofffetzen überklebt. Diana Ross schien dennoch schwer fasziniert zu sein und griff Lil' Kim an die Brust. Die Rapperin lachte, während alle konservativen Fernsehzuschauer und Sittenwächter förmlich einen Nervenzusammenbruch erlitten.
Auch die Video Music Awards 2008 und 2009 hatten ihre Höhepunkte. Im vergangenen Jahr versuchte sich Britney Spears in der wohl für ihre damalige Figur unvorteilhaftesten Kleidung zum Comeback zu tänzeln. Ihre Koordinationsstörungen, schlechtgemachten Extensions und ihr apathischer Gesichtsausdruck erregten aber eher Mitleid als Begeisterung.
Bei dieser Aufzählung wird deutlich, dass sich die VMAs ihren Ruf als spektakuläre Preisverleihung zurecht verdient haben. Es macht aber auch deutlich, dass die MTV Europe Music Awards noch einiges aufzuholen haben. Vielleicht können Katy Perry, die heute Abend moderiert, oder Auftritte von Lady Gaga und Beyonce daran etwas ändern.
Nach dem zehnmaligen Kleiderwechsel vom vergangenen Jahr hat Perry angekündigt bei den diesjährigen EMAs Kleidung im 1930er-Look zu tragen. «Es wird dennoch lustig werden, aber die Früchte werden dieses Jahr sauer sein.» Zudem werde sie das betonen, was Gott ihr gab: ihre Brüste. «Mir macht es nichts aus, wenn ich hinfalle oder eine Brust rausfällt», so Perry. Den Zuschauer wirds freuen, vielleicht kommt ja so etwas Leben in die leider allzu oft drögen MTV Europe Music Awards.