Mit Schnauzbart in die 90er
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Von news.de-Redakteur Jan Berger
Artikel vom 05.11.2009
Eine absurde Verschwörung, Matt Damon mit Schnauzbart und eine wahre Geschichte. Der neue Film von Steven Soderbergh bietet reichlich Schauwerte und zeigt Liebe zum Detail, leidet aber unter seiner Länge.
Die Geschichte von Mark Whitacre ist so verrückt, dass sie wahr sein muss. Der Ingenieur arbeitet bei einem Agrarkonzern, der von einem japanischen Konkurrenten erpresst wird. Flugs wird das FBI eingeschaltet – und Whitacre packt aus. Es geht um illegale Preisabsprache und Betrug in Milliardenhöhe. Ohne den kleinen Ingenieur hätte das nie jemand erfahren. Nur gibt es einen Haken im Spiel des Informanten: Was Whitacre erzählt und erlebt hat, stimmt nicht in jedem Detail. Und es ist nicht nur sein Konzern, der sich Geld in die eigene Tasche wirtschaftet.
Wie gesagt, Whitacre ist keine Phantasiefigur, sondern real. Genau wie die Geschichte, die in Der Informant! erzählt wird. Auch wenn es zeitweise völlig absurde Züge annimmt, beinah ins Surreale abgleitet, was der Ingenieur und das FBI erleben, es hat sich so abgespielt. Und Regisseur Steven Soderbergh schafft es, die Atmosphäre der 90er Jahre wieder aufleben zu lassen. Sehr detailverliebt widmet er sich dem Leben von Mark Whitacre und lässt den Zuschauer durchgängig darüber im unklaren, welche Rolle der Ingenieur wirklich spielt.
Wirklich lebendig wird der Informant allerdings nur dank Matt Damon. Völlig verändert, mit hässlicher Brille, leicht dämlichem Blick und geschmackloser Kleidung verkörpert er den spießigen Ingenieur so vertrauenerweckend, dass man ihm keine bösen Absichten unterstellen kann. Seine Gedanken untermalen als Kommentar den Film immer wieder. Ein genialer Kniff, der dafür sorgt, dass man sofort Mitgefühl für Whitacre entwickelt, der scheinbar unverschuldet in die haarsträubende Verschwörung hinein gerät. Die Kommentare machen klar, wie deutlich seine Weltsicht von der Realität abweicht. Und lassen alles plausibel wirken, was sich Whitacre ausdenkt.
Doch obwohl sich diese Nähe zwischen Zuschauer und Hauptfigur einstellt, obwohl man sich ohne Probleme in die 90er Jahre zurückversetzt fühlt und Matt Damons Leistung tadellos ist: Ein großes Manko hat der Film. Er ist zu lang. Eine Episode reiht sich an die nächste, auf eine kuriose Charade folgt die nächste Ungeheuerlichkeit. Trotz der liebevollen Ausstattung langweilt Der Informant! zum Ende der 108 Minuten deutlich. Schade, dass es Soderbergh und seinem Star Matt Damon nicht gelungen ist, die Handlung in flotten 90 Minuten zu erzählen.
jan/reu/news.de
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