Neues im Netz Zukunftsmusik

Musiksuche im Netz (Foto)
Unbekannten Melodien kommt man im Netz auf die Schliche. Bild: news.de

Von news.de-Mitarbeiterin Anwen Roberts
Wie das Netz zur Jukebox wird: Google rüstet sich für die Musiksuche, bekommt aber ernstzunehmende Konkurrenz von der Open-Source-Software Playdar. Beide sollen bei der Suche nach aufgeschnappten Songs helfen.

Wer vor der Jahrtausendwende einen unbekannten Song aufschnappte, hatte nur begrenzte Möglichkeiten zur Identifizierung – DJ fragen? Uhrzeit merken und beim Radiosender anrufen? Refrain einprägen und dem Proberaumkumpel vorsingen? Plattenladenverkäufer mit umständlichen Beschreibungen nerven? Damals war die Halbwertszeit des Ohrwurms eng an die eigene Gedächtnisleistung gekoppelt - und Recherchen in Form von «Klingt so ähnlich wie Metallica mit ein bisschen Massive Attack aber eigentlich ganz anders» waren bestenfalls Glückssache.

Und heute? Heute gibt es YouTube, Last.fm, gigantische Liedtext-Datenbanken und die Playlists sämtlicher Radios allüberall im Netz. Und es gibt Shazam, für jeden iPhone-Besitzer eine Offenbarung: Kurz das Gerät vor die Boxen gehalten, ein paar Sekunden gewartet, schon spuckt eine SMS Titel und Interpret aus, mit beeindruckender Trefferquote. So hat das Rätselraten fast in Echtzeit ein Ende. Und bei schon bekannten Titeln ist jeder Netznutzer mittlerweile daran gewöhnt, jedes beliebige Lied identifizieren und in der Regel kurz darauf anhören zu können.

Längst ist die Musiksuche ein mächtiges Sahnetortenstück der Onlinesuchanfragen – unter Googles Top 10 der Suchbegriffe seit 2004 rangiert Lyrics auf Platz 1, Music auf Platz 9. So kündigte Google dann auch an, die Liedersuche im Netz «musikalischer» machen zu wollen. Und stellte konsequent Ende Oktober seinen Musikdienst Discover Music online – vorläufig nur in den USA. Doch die Musiksuche bietet nichts wirklich Neues, sondern bündelt nur das, was Musikfans ohnehin selbst herausfinden können. Denn Googles Musikdienst ist nicht wirklich ein Musikdienst: «Der Suchmaschinist bündelt nur vorsortierte Web-Angebote, um Netz-Nutzer gezielter zu legalen und oft kostenpflichtigen Musikangeboten im Web zu führen.», schreibt Spiegel Online.

Google löst Probleme, die wir nie hatten

Wer einen Interpreten oder Songtitel eingibt, sieht einige Ergebnisse mit einer Link-Übersicht zu einer Audio-Vorschau – in der Regel sind das nur ein paar Sekunden zum Reinhören, wie es auch Amazon und Co. anbieten, und kein Link zum Track selbst. Kurzum liefert Google Discover Music die Lösung für ein Problem, von dem die meisten Netznutzer gar nicht wussten, dass sie es hatten – schließlich ist das nächstliegende bisher, den Clip gleich selbst auf YouTube zu suchen, auf Pandora zu hören oder illegal herunterzuladen. Daran wird auch die Suchergebnislisten-Aufhübschung von Google in nächster Zeit nicht viel ändern können.

Zeitgleich mit Googles Musik-Marketingmaschinerie startet aber ein anderes Projekt, das um einiges mehr an Innovationspotenzial und auch Sprengkraft zu bieten hat – die Revolution kommt diesmal nicht aus Mountain View. Die Open-Source-Software Playdar hat ein ehrgeiziges Ziel: sofortige Hörbarkeit eines beliebigen Songs im Netz. Bisher ist Playdar nur in einer Testversion vorhanden, die jede Musikdatenbank durchforsten, jeden Titel auf dem eigenen Rechner lokalisieren kann.

Zunächst nicht sonderlich revolutionär, doch nach Wunsch der Betreiber soll das Programm nach und nach mit Musikbibliotheken und Streaming-Diensten wie iTunes und Spotify kombiniert werden. Dann könnte Playdar herausfinden, auf welchem Rechner der gewünschte Song gerade gespielt wird und ihn von dort aus abspielen, wodurch Spotify erhebliche Kosten für Lizenzen und Bandbreite einsparen könnte, sagte Playdar-Gründer Richard Jones dem US-Magazin Wired. Heute noch ein abseitiges Nerd-Programm, könnte Playdar sich so zum integrativen Plugin für die Zukunftsmusik im Netz mausern. Das wäre die ultimative Jukebox – oder immerhin das, was Googles Musikdienst heute schon verspricht.

amg/news.de

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