«Ich habe keine Lust, den ewigen Clown zu geben»
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Gibt es denn thematisch für Sie eine Grenze?
Nuhr: Keine grundsätzliche. Grundsätzlich kann man über alles Witze machen, wenn man eine bestimmte Haltung dazu verkörpert und stilsicher ist. Das hoffe ich einfach mal, dass ich das bin.
Ihre Sendung wird in Düsseldorf aufgezeichnet. Vor Livepublikum?
Nuhr: Ja, klar. Und das darf sich auch beteiligen. Schön wäre, wenn nicht alle drei Sekunden jemand was reinbrüllt, da muss man schon ein wenig Disziplin wahren. Im Grunde kommt mir da mein Lehramtsstudium schon entgegen.
Sie hoffen, Sie können erziehend eingreifen?
Nuhr: Pädagogisch.
Aber ein Restrisiko bleibt natürlich trotzdem ...
Nuhr: Ach ja, genau! Das war ja die Frage, die wir gerade vergessen haben: Ob mir langweilig geworden ist. Und da komm ich jetzt drauf zurück: Ein gewisses Restrisiko muss ja immer sein, sonst wird es irgendwann Routine. Bis an mein Lebensende alle zwei Jahre ein neues Programm zu machen, ist zwar schön und das mache ich auch sehr gerne, aber man muss auch etwas machen, was einen aus der Routine rausholt.
Ist so etwas geplant? Denkt ein Dieter Nuhr in Begriffen wie «Karriere» oder «nächster Schritt»?
Nuhr: Naja, das sind die falschen Begriffe. Ich habe nie Karriere geplant. Sonst hätte ich immer schon zehn Schritte vorher aufgehört. Ich hätte das vor 15 Jahren noch gar nicht für möglich gehalten, dass mal Tausende von Leuten kommen oder ich eine eigene Fernsehsendung kriege. Das unterscheidet auch die Generation, die damals angefangen hat, glaube ich von der heute. Insofern mache ich keine Karriereplanung, aber ich frage mich natürlich schon, was ich eigentlich machen will die nächsten Jahre. Man muss vorausplanen, sonst kriegt man ja die Stadthalle Würzburg gar nicht, denn dann ist da Erotikmesse.
Es gibt eine Menge Prominenter, die aus Ihren Rollen nicht mehr herauskommen. Geht Ihnen das auch manchmal so?
Nuhr: Eigentlich nicht, im Gegenteil. Ich habe eigentlich keine Lust, den ewigen Clown zu geben. Ich kann auch sehr lustig sein, einen Abend lang, aber ich mach das nach privatem Gusto. Ich fühle mich da nicht unter Zwang, und ich finde das auch albern, wenn sich Leute über ihre Rollenzwänge beschweren. Irgendwo hat man sich das selbst ausgesucht und die Hoheit darüber, wie man sich privat verhält. Wenn man immer das tut, was andere wollen, hat man natürlich irgendwann den Schwarzen Peter.
Erwarten denn die Menschen, dass Sie immer witzig sind?
Nuhr: Ja, sowas gibt es. Aber das ist mir eigentlich Wurscht. Ich bin ja nicht deren Privatclown.
Die Zuschauer können auch per Twitter in Ihre Sendung eingreifen. Sie selbst twittern auch recht fleißig. Hand auf's Herz: Ist das alles von Ihnen, was da in Ihrem Account auftaucht?
Nuhr: Ja, von wem sonst? Macht ja sonst keiner. Ich lasse doch niemanden in meinem Namen etwas aufschreiben, das geht doch nicht. Ganz im Ernst. Ich kann doch niemandem sagen: Tu mal so, als wärst Du ich.
Das kostet ja durchaus ein bisschen Zeit oder geht das nebenbei?
Nuhr: Das geht aus der Lameng, ich lese ja sowieso nebenher ein bisschen Zeitung im Internet. Das ist eine Frage der Selbstdiziplinierung. Ich habe damit irgendwann mal angefangen und habe gemerkt, dass ich durch diese Vorgabe, 140 Zeichen nicht zu überschreiten, gezwungen werde, unglaublich zu komprimieren. Das, fand ich, ist eine Art buddhistisches Selbstdisziplinierungswerk.
Nehmen Sie das auch als Comedian mit?
Nuhr: Ja, ganz viel davon landet im Programm oder wird jetzt in der Sendung landen. Denn da sind ja zum Teil ganz lustige Pointen bei.
Und können Sie aus diesem Zwang, sich auf 140 Zeichen zu beschränken, auch etwas lernen als Comedian?
Nuhr: Ja, klar. Deswegen habe ich es eigentlich gemacht. Normalerweise neige ich ja eher zum Ausholen. Und ich habe bei Twitter auch lernen müssen. Am Anfang habe ich das noch so gemacht, dass die Meldungen darauf aufbauten, was jeweils in der Vormeldung stand. Und das geht ja gar nicht. Die Leute folgen ja mehreren Twitterern, da werden die Sachen unterbrochen. Das musste ich alles erst lernen. Aber man versucht ja auch, dranzubleiben.
An der Jugend?
Nuhr: Ja, genau. (lacht) Social Networking. Ich will das Web 4.0 ja auch noch erleben und daran teilnehmen.
Ihre Sendung ist erst einmal viermal geplant, bis zum 8. Dezember. Eine Vorsichtsmaßnahme, falls es nicht läuft?
Nuhr: Nö, das ist einfach mal ein Versuch. Ich neige sowieso nicht dazu, Verträge über mehrere Jahre abzuschließen, weil ich ja gar nicht weiß, ob ich das dann noch machen will. Oder ob ich das kann. Insofern kommt mir das sehr nahe, einfach mal etwas ausprobieren zu können. Wir haben es ja schon zweimal ohne Fernsehen ausprobiert und ich habe das Gefühl, das geht sehr gut.
amg/reu/news.de
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Schade... bis eben hatte ich gedacht, diese faden social media-gags seien wenigstens nicht von ihm selbst. Na gut... überlasse ich das Feld den Nuhr-Maniacs. Dabei dachte ich, er wäre einer der Besten.
jetzt antwortenKommentar meldenLieber Florian Blaschke, ein sehr schönes Nuhr-Interview mit tollen Fragen hast du da geführt. Die Gesprächsatmosphäre ist bis zu mir, am Schreibtisch sitzend, angekommen. Dieses Interview hätte ich auch gern geführt. Beste Grüße aus der Altmark.
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