Dieter Nuhr wird 1960 in Wesel in der Nähe von Düsseldorf geboren. Eigentlich wollte er Lehrer werden ...
«Ich habe keine Lust, den ewigen Clown zu geben»
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Dieter Nuhr wird 1960 in Wesel in der Nähe von Düsseldorf geboren. Eigentlich wollte er Lehrer werden ...
Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Dieter Nuhr geht wieder auf Sendung, aktueller und interaktiver denn je. Im Interview spricht der Comedian über die Risiken seiner Show, Bildung, Karriere und buddhistische Selbstdisziplinierung. Ach ja: Und er vergisst Fragen. Wir aber auch.
Herr Nuhr, ich muss mich ein wenig wundern. Im Zusammenhang mit Ihrer neuen Sendung liest man immer wieder von Late Night. Das klingt nach Glatteis ...
Nuhr: Ich habe das nicht als Late Night bezeichnet, weil ich glaube, dass die wichtigsten Dinge, die eine Late-Night-Show braucht, fehlen.
Die da wären?
Nuhr: Ein Hintergrund mit Dom drauf und ein Schreibtisch.
Sie haben keinen Schreibtisch?
Nuhr: Nein, ich arbeite im Stehen.
Empfinden das, was Sie tun, denn als Arbeit?
Nuhr: Nein, das natürlich nicht. Deshalb habe ich den Beruf ja ergriffen.
Aber Sie haben mal richtig gearbeitet.
Nuhr: Nein, kann man so nicht sagen.
Sie waren doch mal Lehrer ...
Nuhr: Ich habe Lehramt studiert. Und dann hat irgendjemand mal kolportiert, ich sei Lehrer gewesen. Ich kann da aber gar nichts für. Ich habe nur erstes Staatsexamen gemacht, kein zweites.
Können Sie das Konzept Ihrer neuen Sendung für uns kurz umreißen? Wie funktioniert sie?
Nuhr: Ja, das weiß ich selbst gar nicht genau, das wird die Praxis zeigen. Ich mache das, was ich eigentlich immer tue. Ich rede über das, was mir gerade durch den Kopf geht, beziehungsweise das, was aktuell ist. Und es gibt für das Publikum die Möglichkeit sich zu melden, einzugreifen, per E-Mail und so weiter.
Gibt es denn jemanden, der das, was vom Publikum kommt, für Sie filtert?
Nuhr: Ja, natürlich. Das muss sein, sonst kommen die gesammelten Schwachmaten dieser Welt und äußern sich live im Fernsehen. Man muss ja nicht jedem ein Forum geben.
Wobei so ein bisschen Schwachmat Ihnen doch bestimmt ganz gut gefallen dürfte, oder?
Nuhr: Ja, klar. Alles besonders Schlaue, besonders Doofe hat seine Komik. Aber debile Menschen vorzuführen, ist ja nicht so meine Art. Es muss gar nicht nur doof sein, aber originell darf es gerne sein.
Thematisch ist die Palette, die Sie abdecken wollen, ziemlich breit. Ohne Ihnen die Allgemeinbildung abzusprechen: Müssen Sie sich darauf vorbereiten? Lesen Sie in letzter Zeit besonders viel Zeitung?
Nuhr: Sagen wir mal so: Ich gehöre ja einer Generation an, die noch versucht hat, so etwas wie eine Allgemeinbildung zu entwickeln. Doch natürlich muss man sich vorbereiten, wenn man über Themen spricht, die im Wissenschaftsteil behandelt werden. Aber ich muss nicht selbst Atomphysiker sein, um über Atomphysik reden zu können. Ich muss ja auch kein Nationalspieler sein, um über die Nationalelf reden zu können.
Ihre neue Sendung geht ja fast schon in Richtung Stand-Up, könnte man sagen, oder? Ist Ihnen langweilig geworden?
Nuhr: Das sind natürlich zwei völlig unterschiedliche Fragen. Die Sendung unterscheidet sich von dem, was ich im Bühnenprogramm mache, nur unwesentlich. Ich weiß nicht, ob das Stand-Up ist, was ich da mache. Es ist auf jeden Fall dastehen und reden, und auch Anmerkungen aufnehmen und einflechten. Und ... die zweite Frage habe ich jetzt schon wieder vergessen.
Ich glaube, ich habe sie gerade auch vergessen.
Nuhr: Dann war Sie nicht so wichtig. (lacht)
Ich war gedanklich schon bei der nächsten Frage, muss ich zugeben. Ich hatte gehofft, dass Sie sie behalten. Das ist ja vielversprechend für die Sendung.
Nuhr: Das stimmt. Ach so, ich wollte noch sagen, dass ich auch nicht für mich in Anspruch nehme, immer besser Bescheid zu wissen als meine Zuhörer. Das ist Unterschied bei meinem Ansatz, dass ich auch mal sage: Ich verstehe etwas nicht genau, aber wenn es mir jemand erklären kann, wäre ich dankbar. Manchmal kann man ja aus Unverständnis auch sehr viel Komik entwickeln.
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Leserkommentare (1)
Lieber Florian Blaschke, ein sehr schönes Nuhr-Interview mit tollen Fragen hast du da geführt. Die Gesprächsatmosphäre ist bis zu mir, am Schreibtisch sitzend, angekommen. Dieses Interview hätte ich auch gern geführt. Beste Grüße aus der Altmark.
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