Er soll neben Oliver Pocher eines der Zugpferde bei Sat.1 werden. Mit eigener Talkshow und – ab 2010 – als Sportexperte ist Johannes B. Kerner ein Hoffnungsträger des Münchner Senders. Die erste Folge von Kerner aber zeigt: Diese Rechnung dürfte nicht aufgehen, sein Debüt enttäuscht.
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Hab' ich nicht gesehen, den Kerner. Wusste gar nicht, dass der auf Sendung ist. Hätte ich es gewusst, hätte ich ihn auch nicht geguckt. Aber dann extra nicht.
«Das Klima für Arbeitnehmer wird rauer», lernen wir als eine der ersten Weisheiten in Johannes B. Kerners neuer Sendung – und Romy Büssow, ehemalige Aldi-Mitarbeiterin, kann ein Lied davon singen. Nach eigenen Angaben wurde sie am Arbeitsplatz unter Druck gesetzt und schlussendlich zur Selbstkündigung gezwungen, ein Anwalt schätzt ihre Lage vor der nächsten Verhandlung kurz ein, eine Stellungnahme von Aldi wird verlesen.
Nach 20 Minuten wissen wir: Aldi geht offenbar nicht immer gut mit seinen Mitarbeitern um. In anderen Unternehmen sieht es ähnlich aus. Bagatellkündigungen machen die Runde, einige davon werden angerissen, obwohl es sich dabei vielleicht um ein Medienphänomen handelt. Und die Frage, was die mit Romy Büssows Geschichte zu tun haben, bleibt offen. Aber das Thema ist en vogue. Und somit passt es zu einem Kerner, der mit seiner Sendung moderner werden will.
Seine Show, sie ist kein Talk im klassischen Sinne – er selbst nennt sie «Magazin» – schon der Vorspann mit seiner energischen Musik zeigt: Hier geht jemand zu Werke, der nicht nur nette Unterhaltung bieten, der nicht nur talken will. Kerner will bewegen, den Zuschauer und die Gesellschaft. Und er will Mehrwehrt bieten, weshalb sich seine Sendung neben den Gästen auch ausführlicher Einspieler, mehr oder weniger solider Experten im Studio und eines Unterhaltungsteils bedient. Kerner solle zeitgemäß, prägnant, schneller und filmischer sein, sagte der Moderator kürzlich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Das alles ist ihm gelungen. Eine Qualitätsmerkmal aber ist das noch lange nicht.
Erstaunlich ist vor allem, welche Bandbreite an Themen Kerner in den 105 Minuten beackert. Leider aber geht das zu Lasten einer gepflegten Gesprächskultur. Doch ist Kerner wohl auch kaum als Konkurrenz zu Talkshows wie 3nach9 oder dem Kölner Treff konzipiert, politischer Talk will die Sendung schon gar nicht sein. Sie ist eher ein Risibisi, zusammengeschüttet aus der Atmosphäre von SternTV, den Themen von Nachmittagstalkshows und Ratgebersendungen jeglicher Couleur, abgerundet durch eine sanfte Prise Escher und den Einsatz interaktiver Spielereien.
Da geht es beim Stauproblem auf deutschen Straßen nicht nur um genervte Pendler, sondern auch um das Konjunkturpaket und seinen Beitrag für den Ausbau der Autobahnen. Da geht es beim Kontakt mit dem Jenseits, für den sich Kerner das fragwürdige Medium Pascal Voggenhuber eingeladen hatte, nicht nur um ein Gespräch mit den Toten, sondern auch um wissenschaftliche Fragen. Und da geht es beim Thema skurriler Rechtsirrtümer nicht nur um altbekannte Unterhaltung inklusive ein wenig Fremdschämen, sondern auch um handfeste Tipps für den Alltag. Dass die aber ausgerechnet von Ralf Höcker kommen, Anwalt, Autor und bereits in dutzenden Talkshows herumgereicht, wirkt reichlich abgeschmackt.
Wie auch der mit Mario Barth prominente Unterhaltunggast, der nun mal kaum mehr als seine faden und bekannten Kalauer zu bieten hat. Auch mit ihm hat sich Kerner sicher keinen Gefallen getan, vor allem nicht, da Barth erst im September bei ihm zu Gast war, damals noch im ZDF. Besser geworden sind seine Pointen seitdem nicht.
Die Sendung aber hat auch ihren Reiz. Vor allem, weil Kerner aufgrund des hohen Tempos gar keine Zeit hat, zu allem und jedem nett zu sein, immer und überall seinen verständnisvollen Plauderton anzuschlagen. Auf der Strecke aber bleiben echte Gespräche, neue Blickwinkel, neue Herangehensweisen an Themen. Kurz: eine wirklich moderne Sendungsarchitektur.
Verändert hat sich unterdessen offenbar Kerners Anspruch. Mit seinen Auftritten im ZDF verband sich noch ein Mindestmaß an Seriosität, bei aller Suche nach der goldenen Formel für Unterhaltung. Für seine neue Show scheint letztere aber in den Vordergrund gerückt zu sein. Emotion siegt über Information, Einzelschicksal siegt über gesellschaftlichen Zusammenhang, PR-Auftritt siegt über die Frage nach Relevanz.
Fraglich bleibt somit, ob Kerner mit dieser Mischung wirklich ein Zugpferd für Sat.1 werden kann – noch dazu auf dem schwierigen Sendeplatz am Montagabend. So prägnant die – wenig neuen – Themen aufgearbeitet sind, so wenig prägnant wirkt diese Sendung. Sie ist ein Gemischtwarenladen, wo vielleicht eher ein Fachhändler vonnöten wäre. Sie wirkt wie solides Handwerk, wo vielleicht eher Luxus gefragt ist. «Sat.1 stellt sich ein eher weibliches Publikum im Alter zwischen dreißig und neunundfünfzig Jahren vor», verriet Kerner der FAZ. Das könnte, dem ersten Eindruck nach, funktionieren.
Doch Kerner behauptete auch, gute Sendungen seien langfristig noch nie gefloppt. Ohne ihm da voreilig zustimmen zu wollen: Floppen dürfte auch Kerner so schnell nicht, den Umkehrschluss aber erlaubt das noch lange nicht. Ein Straßenfeger sieht anders aus.
Das Magazin Kerner läuft dienstags um 21.15 auf Sat.1.
Leserkommentare (4)
Zu Kerners Sendung ist doch nur ein Satz zu sagen: War nix !
jetzt antworten Kommentar meldenDer Mann leidet unter Realitätsverlust. Soll oft vorkommen bei Leuten die zu viel Geld verdienen. In Peking zu den Olympischen Spielen empfahl er gegrillte Seepferdchen am Spiess, obwohl die Tiere auf der Liste der bedrohten Arten stehen. Entblödet sich nicht einen Sientologen wie Will Smith in seine Sendung einzuladen, in der dann ein noch verblödeter Oliver Pocher dem Smith die Stiefel leckt. Und die Sache mit der Allufolie in der Kochshow war übelst arrogant u. zynisch. Kerner soll dem TV besser fernbleiben. Wie Muttis liebster Wunschschwiegersohn aussehen, reicht nicht.
jetzt antworten Kommentar meldenEr täte erst mal besser sich bei Eva Herman zu entschuldigen.Und was hat er denn geglaubt?Die Leute würden gleich zu einem Sender schalten wo es alle 10 Minuten heisst(bis nach der Werbung)und ständig was anderes in das Bild eingeblendet wird.Nein diese Programme werden nur noch gesehen wenn wirklich ein guter Film läuft aber sonst?Nein diese Privat-Sender sind nur noch eine Zumutung.Es müsste wirklich was geschehen dass das wieder aufhört,denn wenn nicht dann könnt ihr sicher sein dass bei diesen Sendern das Bild bald so aussieht wie bei den vielen Sex-Sendern.
jetzt antworten Kommentar meldenIch bleibe dabei: Kerner ist ein weichgespülter Präkariatsclown und sonst nichts!
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