Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Erst war er so mutig, der Direktor des Filmfestivals Dok Leipzig, und watschte die Fernsehanstalten ab, weil sie den Dokumentarfilm verkümmern ließen. Schade, dass er dem Gegenwind des MDR-Fernsehdirektors Vietze nicht standhielt, findet news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann.
Eine flammende Rede hielt Claas Danielsen, Direktor des Filmfestivals Dok Leipzig, zur Eröffnung. Mutig sprang er für den Dokumentarfilm im Fernsehen in die Bresche. Der gerate immer mehr ins Abseits des Programms und der Zuschauer werde als unmündiger Bürger abgestempelt, kritisierte er.
«Mir wird immer klarer, dass dies das Ergebnis einer gefährlichen Haltung Programmverantwortlicher gegenüber dem Zuschauer ist», waren Danielsens Worte.
So einen flammenden Verfechter kann der Dokumentarfilm gut gebrauchen. Und die Debatte um die Qualität des deutschen Fernsehens kann auch ruhig etwas mehr Zündstoff vertragen.
Wirklich schade ist allerdings, dass der Festivaldirektor seinen Kampfgeist verlor, als er dem MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze bei der Premiere des Films Kennzeichen Kohl gegenüber stand. Es war aber auch peinlich, denn der MDR ist ein wichtiger Partner der Dok Leipzig und natürlich war Vietze von Danielsens Rundumschlag nicht begeistert. Die Kritik sei vernichtend und verletzend, empörte sich der Fernsehdirektor.
Dass Danielsen daraufhin nur «Ich wurde falsch zitiert» entgegnete, ist wirklich schwach. Es ist verständlich, dass er den wichtigen Partner nicht verprellen möchte, aber dem Festival dient es auch nicht, wenn sein Direktor nicht zu seinem Wort steht.
bla/news.de