Die Zukunft der guten alten Zeit
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 31.10.2009
Der Zuschauer des neuen Spartenkanals ZDFneo, Zielgruppe 25 bis 49, bekommt eine neue Primetime. Um 21 Uhr beginnt hier das Abendprogramm. Die Zukunft des Fernsehens aber könnte noch anders aussehen. Ganz ohne Sendezeiten etwa. Schöne neue Fernsehwelt?
Es ist eine der kleineren Randbemerkungen rund um den Start des neuen Spartenkanals ZDFneo, der – weitab von den aktuellen Grabenkämpfen – auffällt: Die Primetime beginnt bei ZDFneo nicht mehr um 20.15 Uhr, sondern um 21 Uhr. Angepasst an die Zielgruppe, die 25- bis 49-Jährigen. Der Beginn einer neuen Epoche?
Während sich das ZDF mit den Privatsendern noch um Fragen streitet, die mit dem Rundfunkstaatsvertrag zu tun haben, die mit dem Begriff «Vollprogramm» jonglieren oder dem Vorwurf der Gebührenverschwendung, darf man getrost alle juristischen Feinheiten und geschäftlichen Interessen einmal beiseite lassen und sich mit der Zukunft beschäftigen. Der Zukunft des Fernsehens.
Denn: Ist es eigentlich noch zeitgemäß, von einem Vollprogramm zu sprechen? Ist es noch zeitgemäß, sich an Zielgruppen und Sendezeiten zu klammern? Liegt die Zukunft nicht – auch durch das Internet – im Fernsehen «On-Demand», einem Programm, wann es der Zuschauer will? Auf Knopfdruck?
Die Zeit dafür ist bereits angebrochen und in einigen Jahren werden sich nicht wenige wohl fragen, wie man Fernsehen in den vergangenen Jahrzehnten überhaupt genießen konnte, sklavisch gebunden an Zeiten und Sender. Das Wort Wiederholung wird aus dem Wortschatz verschwinden, Einschaltquoten werden irrelevant, Werbung individualisiert.
Das alles klingt nach einer schönen neuen Welt. Nach Freiheit. Nach Service. Doch es wird auch eine Welt, in der Rituale wegfallen. Man muss heutzutage nur einmal an einem Sonntagabend einen Blick auf Twitter werfen, um zu verstehen, wie viel sich wirklich ändern wird. Dann nämlich wird dort der aktuelle Tatort diskutiert, in hübscher Regelmäßigkeit. Was, wenn die wegfällt? Verabreden wir uns in Zukunft nach Gusto oder Terminkalender zum Krimiabend mit Gleichgesinnten? Und was macht diese Entwicklung mit Live-Sendungen?
Ein bisschen erinnert diese Vorstellung dann doch wieder an die gute alte Zeit. An den Wunschfilm etwa. Nur, dass danach das Programm so weiter ging, wie man es gewohnt war. Und so ein bisschen Gewohnheitstier tut schließlich auch ganz gut. Aber erst einmal verschiebt sich ja für die 25- bis 49-Jährigen auch nur die Primetime. Wenn sie es denn wollen.
kst/news.de
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