Von Marina Antonioni
Auf kleinen Monitoren im Halbdunkeln läuft im zweiten Stock eines Münchner Bürogebäudes der Film, auf den die Fans sehnsüchtig warten: Mit Hochdruck werden derzeit den Charakteren von New Moon - Biss zur Mittagsstunde deutsche Stimmen verliehen.
Allein in Deutschland wurden für New Moon - Biss zur Mittagsstunde schon einen Monat vor Kinostart mehr als 150.000 Tickets verkauft - ein neuer Rekord. Der zweite Teil der Twilight-Vampirromanze mit den Teeniestars Robert Pattinson, Kristen Stewart und Taylor Lautner in den Hauptrollen kommt am 26. November in die Kinos, vorher wird der Film synchronisiert - unter großer Geheimhaltung.
Auf den Monitoren laufen die Szenen lediglich in Schwarz-Weiß, ein großes weißes Kreuz verläuft quer über das gesamte Bild und in der Mitte prangt aus Sorge vor Raubkopien der Name des Filmstudios.
Leichter machen die Sicherheitsmaßnahmen die Arbeit von Annina Braunmiller nicht unbedingt. Die 24-Jährige leiht der weiblichen Hauptfigur Bella (Stewart), die sich unsterblich in den Vampir Edward (Pattinson) verliebt hat, ihre Stimme. «Das Kreuz ist dummerweise manchmal genau vor dem Mund.« Am Anfang sei ihr das »richtig auf die Nerven« gegangen, «aber jetzt geht es», sagt Braunmiller.
Barfuß steht sie mit ihrem Kollegen Max Felder (21), der Bellas besten Freund Jacob spricht, an einem Pult im Studio. Auf dem Programm steht die Szene, in der Bella erfährt, dass Jacob ein Werwolf ist. Synchron-Regisseurin Ursula von Langen vergleicht die einzelnen Sätze und die Lautstärke jedes Wortes genau mit der US-Vorlage. Nach dem großen Erfolg von Twilight, der weltweit mehr als 380 Millionen Dollar einspielte, ist der Druck noch ein wenig größer geworden.
«Wir geben uns noch mehr Mühe als davor. Das ist der neue Potter!», sagt Felder, der auch der Synchronsprecher von Harry Potter-Darsteller Rupert Grint ist und als Schauspieler mit Caroline Links Film Pünktchen und Anton bekannt wurde. «Es heißt dann: Pass auf, im Original macht sie den Atmer etwas intensiver oder sie sagt das noch ein bisschen leiser», verrät Braunmiller.
Im zweiten Buch der Bestseller-Romanreihe von Stephenie Meyer stehen Bella und Jacob im Mittelpunkt. Vampir Edward (gesprochen von Johannes Raspe) verlässt Bella kurz nach ihrem 18. Geburtstag nach einem blutigen Zwischenfall zu ihrem eigenen Schutz. Bella zerbricht fast daran und findet nur durch Jacobs Hilfe die Kraft weiterzuleben, bis sie ihrerseits Edward retten muss.
US-Schauspieler Lautner hat für Jacobs Wandlung in einen Werwolf deutlich an Körpermasse und Muskeln zugelegt. Eine Herausforderung war dies auch für Felder: «Wir haben das schon beim ersten Mal von der Stimme her relativ tief angelegt - ich habe mich selbst nicht erkannt. Und jetzt mussten wir noch eine Spur drauflegen.»
Probleme, sich emotional in Bella hineinzuversetzen, hat Braunmiller nicht: «Ich kann verstehen, dass man in dieser Situation, in der ihre große Liebe fort ist, in so ein Loch fällt.» Im Film sei Edward zudem präsenter als in der Romanvorlage. «Die Zeit, in der er im Buch fehlt, ist im Film gestrafft.» Auch merke man zuweilen, dass mit Chris Weitz diesmal ein Mann Regie führt. «Da liegt die Betonung manchmal nicht so stark auf dem Zwischenmenschlichen.»
Fünf Tage hat Braunmiller bisher für New Moon im Synchronstudio gestanden, bei Felder waren es vier, bei Raspe rund zwei. Gearbeitet wurde bislang aber noch gar nicht mit der endgültigen Filmversion. An ihr wird in den USA noch gefeilt. Regisseurin von Langen, die in nur elf Tagen auch das deutsche Drehbuch verfasste, erklärt: «Wir bekommen es auf die letzte Minute. Wir müssen vorarbeiten, so gut es geht.» Sobald die Endfassung eingehe, müsse jeder Satz noch einmal abgeglichen werden. «Es zählt jede Sekunde, bis der Film am 8. November ins Kopierwerk geht.»
Aufbewahrt wird der Film von der FFS bis dahin natürlich unter einem falschen Titel in einem Safe. «Es gibt nur zwei, drei Leute, die wissen, wo er liegt», sagt Geschäftsführer Michael Haacke. In seinem Studio wurden bereits Kinohits wie Harry Potter oder Der Herr der Ringe synchronisiert.
Mitte November kommen die Twilight-Hauptdarsteller für einen Kurzbesuch nach München. Dass sie die drei dort erstmals persönlich kennenlernen wird, bezweifelt Braunmiller: «Die sind so extrem abgeschottet.» Und Felder fügt hinzu: «Die werden ja richtig verfolgt.» Gerade Pattinson könne ja «nicht mal mehr aus dem Fenster gucken».
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