Investition gegen das Sterben
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 18.10.2009
Die Druckindustrie darbt, Tageszeitungen verlieren schon lange an Auflage. Trotzdem investieren Verlage ausgerechnet in ihre Druckereien: 2010 soll ein neues Druckzentrum in Rüsselsheim in Betrieb gehen, Madsack gibt gerade 15 Millionen Euro in Leipzig aus.
Das Drehkreuz am Eingang der Leipziger Zeitungsdruckerei ist offen. In zehn Minuten startet eine Führung durch das Gebäude und die Besucher haben keine Zugangskarte. «Sie können aber nicht auch einfach so durchgehen», ruft die Pförtnerin in den Nieselregen. Sie hat sichtlich zu tun, im Dunkeln die Besucher von den Arbeitern zu trennen. Die müssen ihre Zugangskarte zur Zeiterfassung auch bei offenem Drehkreuz gegen den Scanner halten. Schichtbeginn.
Kamen vor zehn Jahren noch 300 Menschen zur Arbeit in die Druckerei, sind es jetzt noch 180. Viele von ihnen Leiharbeiter, wie der Mann aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit auf Nachfrage sagt. An der Reduzierung ist neben dem Auflagenrückgang der Leipziger Volkszeitung (LVZ) der KBA Commander Schuld. Das 1700-Tonnen-Ungetüm wurde 2007 angeschafft und kostete die Verlagshäuser Madsack und Axel Springer 32 Millionen Euro. Rund 600.000 Exemplare der LVZ, der Bild und der Dresdner Neueste Nachrichten bedruckt und faltet die Maschine jede Nacht in weniger als acht Stunden. Das ist so effizient, dass pro Schicht nicht mehr als 70 Drucktechniker gebraucht werden.
Und künftig soll es noch effizienter gehen. Das Ende der Halle, in der Werbebeilagen in die fertigen Zeitungen eingelegt werden, erahnt man schon an normalen Tagen kaum. Aktuell sieht es noch unübersichtlicher aus. «Passen Sie auf, dass Sie nicht über die Europaletten stolpern», sagt der Mann aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit. Seit März werden hier neue Maschinen aufgebaut - in der wichtigsten Abteilung der Zeitungsproduktion: «Die Werbung macht es erst möglich, dass die LVZ am Kiosk nicht sechs oder sieben Euro kostet», erklärt der Marketing-Mann. Wenigstens die Leser der Zeitung sollen die Anzeigen mögen, wenn es schon die Werbekunden nicht mehr bedingungslos tun: Die Erlöse aus dem Anzeigengeschäft sinken seit Jahren, 2008 waren es fünf Prozent weniger als noch 2007.
Die neuen Maschinen für die Weiterverarbeitung werden am Ende 15 Millionen Euro gekostet haben. Für die Investition ist Madsack inzwischen der einzige große Geldgeber: Im Februar hat der Axel Springer Verlag seine Anteile an das niedersächsische Unternehmen verkauft. Es hält nun 85 Prozent der Anteile an der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft. Dabei hat Madsack in Sachsen 2008 im Vergleich zum Vorjahr fast vier Prozent weniger Umsatz gemacht hat. Überhaupt bringt die Druckereisparte des Verlages heute 13 Millionen weniger ein als noch 2004. Die LVZ komplettiert die Reihe der schlechten Zahlen, hat sie doch in den vergangenen zehn Jahren 30 Prozent ihrer Auflage verloren.
Ulrich Ordnung findet es mutig, unter diesen Voraussetzungen so kräftig zu investieren. «Es ist aber auch notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben», sagt der Leiter der Leipziger Zeitungsdruckerei. Man könne dann CDs und Sticker auf das Papier kleben, es heften und schneiden. Alles für neue Werbeformen, die einmal das Anzeigengeschäft stabilisieren sollen. Das der Bauer-Verlag seine Druckerei in Köln gerade schließen will, weil die Marktsituation es seit Jahren nicht zulasse, Druckereien wirtschaftlich rentabel zu betreiben, lässt Ordnung kalt. «Dabei handelt es sich um eine Tiefdruckerei für Zeitschriften. Wir drucken Zeitungen, das ist ein ganz anderer Markt.»
In der Leipziger Druckerei spricht der Mann von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit ausnahmsweise nicht über Werbung und Anzeigen, sondern beantwortet die Fragen der Leser. Bis wann eine Zeitung nachts noch geändert werden könne. «Die Stadtausgabe der LVZ können wir bis 24 Uhr andrucken, zum Beispiel bei einem späten Fußballspiel.» Aber die Osterländer Volkszeitung zum Beispiel, die müsse ja eher gedruckt werden, weil der Transportweg weiter ist, hakt der Leser nach. Steht dort dann das Fußballergebnis nicht drin? «Ja, das ist möglich.» Der Mann von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, eigentlich noch Student, gehört zur Problemzielgruppe der Tageszeitungen und muss schmunzeln bei seinem nächsten Satz: «Aber die Information liefern wir unseren Kunden selbstverständlich am darauf folgenden Tag nach.»
twa/news.de
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Ganz ohne Zweifel, hat man hier mit viel Mut viel Geld in die Hand genommen und investiert. Jedoch warum? Es geht um Wettbewerbsfähigkeit, um Flexibilität und wie immer geht es auch um Effizienz. Das alles, um insbesondere gegenüber der Werbeindustrie wieder als attraktiver Werbeträger zu gelten, denn dort wird (wurde) jahrzehntelang das (große) Geld verdient. Und die Zeitungsleser? Sie sind als "verkaufte Auflagenhöhe" insbesondere bei der Berechnung der Anzeigenpreise der alles enstscheidende Faktor.
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