Ric O’Barry ist ein Mann, der unter seinem schlechten Gewissen leidet. In den 1960er Jahren ....
«Delfine können keine Menschen heilen»
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Ric O’Barry ist ein Mann, der unter seinem schlechten Gewissen leidet. In den 1960er Jahren ....
Von news.de-Mitarbeiter Dieter Oßwald
In den 1960er Jahren war Richard O'Barry der Trainer von «Flipper». Dann wurde zum Tieraktivisten und kämpft seither gegen die Delfin-Mafia. Mit news.de spricht er über die brutale Jagd auf Delfine und verrät, dass er seine «Flipper»-Zeit sehr bereut.
Nein, Delfine können keine Menschen heilen. Und wenn sie es könnten, würden sie es nicht tun. Dazu sind sie zu intelligent.
Herr O'Barry, am Ende Ihres neuen Kinofilms Die Bucht (Start in den deutschen Kinos: 22. Oktober; Anmerkung der Redaktion) stehen Sie auf der geschäftigsten Kreuzung von Tokio und fragen: «Wenn wir dieses kleine Problem nicht lösen können, wie sollen wir dann die globalen Probleme lösen?» Fühlen Sie sich bisweilen wie ein Don Quichotte?
O’Barry: Ich habe nicht das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen, ich habe eher das Gefühl, dass wir diese Todesbucht in Japan bald schließen können. Bei diesem Kampf sehe ich unsere Aussichten jedenfalls sehr positiv.
Was macht Sie so zuversichtlich?
O’Barry: Überall, wo wir den Film gezeigt hatten, waren die Reaktionen des Publikums ganz enorm. In Sundance bekamen wir stehende Ovationen – was es für Dokumentarfilme bislang noch nie gab. Diesen großen Zuspruch der Zuschauer finde ich sehr ermutigend. Dieser Film hat die Macht, dass der Druck der Öffentlichkeit dazu führt, dass das Schlachten der Delfine in dieser Bucht (gemeint ist die Rote Bucht nahe der japanischen Stadt Taiji; Anmerkung der Redaktion) beendet wird.
Woher rührt die starke Reaktion der Zuschauer? Gibt es ein Bedürfnis, dass in der übergroßen Öko-Krise jemand wenigstens ein bisschen die Umwelt rettet?
O’Barry: Die Zuschauer leiden, lachen und applaudieren bei diesem Film, das ist jedenfalls unsere bisherige Erfahrung. Aber zudem werden sie anschließend auch aktiv. Nach der Premiere kam zum Beispiel Sting mit seiner Ehefrau zu mir und sagte: «Wie können wir helfen, etwas gegen diesen Skandal zu unternehmen?» Und Sting ist bei weitem nicht der einzige, der sich diese Frage stellt.
Wollen Sie Japan mit diesem Film den (Delfin-)Krieg erklären?
O’Barry: Ganz und gar nicht. Wir haben absolut nichts gegen Japaner und auch nichts gegen die japanische Regierung. Unsere Feinde sitzen in der japanischen Wahlfangkommission. Darin sitzen Leute, die ihre gut bezahlten Jobs nicht verlieren wollen. Nach diesem Film wird sich das hoffentlich ändern – und zwar nicht, weil dieses Fischen so grausam ist, sondern weil der Fisch verseucht ist.
Die Japaner verweisen auf die kulturelle Tradition des Walfangs...
O’Barry: Auf diese kulturelle Tradition wird immer gerne verwiesen, weil sich dagegen schwer argumentieren lässt. Bei der Bedrohung durch Quecksilber hat es die Lobby nicht so leicht: Das sind wissenschaftliche Fakten, die nicht widerlegt werden können.
Was hat es mit der Vergiftung auf sich?
O’Barry: Wir zeigen, wie stark dieses Delfin-Fleisch mit Schwermetallen vergiftet ist. Wenn Produkte derart mangelhaft sind, bricht ihr Markt zusammen, egal, ob es Fisch ist oder Cola. Wenn die Japaner von diesem Skandal erfahren, werden sie diese Ware nicht mehr kaufen. Damit ist das Geschäft mit Delfin-Fleisch gestorben und das grausame Abschlachten hat ein Ende.
Die Vergiftung ist ein Argument, die Grausamkeit gegenüber intelligenten Lebewesen ein anderes....
O’Barry: In Japan hat man ein anderes Verhältnis zu Delfinen. Bereits die Bezeichnung dafür ist irreführend, übersetzt heißt es soviel wie «Monster Fisch». Den unwissenden Fischern kann man also gar keinen Vorwurf machen, ganz anders verhält es sich mit den Tier-Trainern, die bei der Treibjagd nach schönen Exemplaren für ihre Shows suchen. Diese Leute arbeiten täglich mit diesen klugen Tieren und verursachen dieses große Leid.
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Die malerische Bucht liegt zwischen hohen Felsen eines Nationalparks. Vor der Küste schwappen sanfte Meereswogen. Was Besucher mehr ...
Leserkommentare (0)