Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Wie verdienen wir Geld mit digitalen Büchern? Das ist eine der größten Sorgen der Verlage auf der Frankfurter Buchmesse. Das Berliner Startup PaperC hat einen Weg gefunden: Es bietet online Fachbücher an. Das Lesen ist gratis, drucken und kopieren kostet.
Ein Universitäts-Lesesaal irgendwo in der Republik: Studenten wühlen sich durch Berge von Literatur, suchen nach brauchbaren Zitaten, nach Definitionen und guten Gedanken. Schließt die Bibliothek oder will man einfach nur näher zur heimischen Kaffeemaschine arbeiten, müssen einige der schweren Wälzer vielleicht sogar nach Hause geschleppt werden.
Das im August gestartete Onlineportal PaperC bietet digitale Recherche. Kostenlos können nach Anmeldung Fachbücher von der ersten bis zur letzten Seite gelesen werden. Und natürlich durchsucht: Zum Schlagwort «Literatur» wirft PaperC zunächst die Bücher mit dem Begriff im Titel aus. Zusätzlich zeigt es alle darin befindlichen Seiten an, die das Wort verwenden.
Will man Texte per Copy-and-Paste in der eigenen Arbeit zitieren, Seiten drucken oder sich digitale Notizen machen, kann das ganze Buch oder einzelne Seiten gekauft werden. Eine Seite kostet fünf Cent. Besonders praktisch für wissenschaftliche Recherchen: Im Nutzerbereich können neben Büchern, Seiten und Notizen auch Zitate verwaltet werden: Mit Buchtitel, Autoren und Herausgebern, Seite, Erscheinungsjahr und -ort sind die komplett fertig für die spätere Fußnote.
Ein Service, der nicht nur wirklich etwas nützt, sondern auch betriebswirtschaftlich eine gute Idee ist. Allerdings ist die Auswahl an Fachbüchern noch relativ dünn. Bisher finden sich rund 1500 deutsch- und englischsprachige Titel von derzeit 17 Partnerverlagen. Nutzer wünschen sich im Feedbackbereich Pflichtliteratur populärer Studiengänge.
Auch das Bezahlmodell ist noch nicht optimal: Zwar mag das Kaufen einzelner Seiten bei kleineren Recherchen sinnvoll sein, steigert aber beispielsweise bei Abschlussarbeiten den finanziellen Aufwand enorm. Immerhin spuckt der Kopierer in der Bibliothek für fünf Cent meist eine ganze A4-Seite und nicht nur eine Buchseite aus. Vorstellbar wären hier vernünftige Flatratemodelle.
Bisher hat PaperC keine Community. Dabei wäre es von großem Wert, könnten sich Nutzer die Notizen und markierten Zitate anderer Leser anschauen – zum Beispiel nachdem diese sie freigegeben haben. Mit dem gemeinsamen Arbeiten an Gedanken und Problemen, dem Kommentieren von Forschungsergebnissen entstünde auf PaperC ein wissenschaftlicher Mehrwert jenseits des bloßen Lesens.
nak/news.de