Buch in der Bredouille
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Damit spricht er einen weiteren Angstgegener der Verlagsbranche an: Netzpiraten. Es gibt zwei verschiedene Ansätze, die elektronischen Texte zu schützen: Ein sogenannter harter Kopierschutz, der es aber auch unmöglich macht, Bücher zu verleihen oder verschenken. Die zweite Variante ist ein Wasserzeichen, das unsichtbar in die Datei eingebaut wird. Es enthält Informationen darüber, wer das Buch wo gekauft hat. Sollte der Text in einer illegalen Tauschbörse auftauchen, kann der Übeltäter leicht zurück verfolgt werden. Schild nennt das einen «psychologischen Kopierschutz».
Das Thema ist ein Wespennest – das Publikum reagiert mit geröteten Wangen, empörten Schnaufern oder zynisch gelüpfter Augenbraue, als Schild verkündet: «Raubkopien wird es so oder so geben. Mit einem harten Kopierschutz können es die Verlage nur verschlimmern.» Mit dieser Restriktion sei ein E-Book schlechter als die gedruckte Version, «wenn dann beide noch das gleiche kosten, bin ich gespannt, wie die Marketingexperten das an den Mann bringen.»
Etwas Wehmut beim Blick auf das E-Book
Während sich Experten und Verlagsvertreter die Köpfe heiß reden, hält die Grazer Buchhändlerin Ingrid Rössl ein Lesegerät für E-Books in der Hand. «Ich überlege mir, eines zu kaufen, damit ich weiß, ob ich das auch meinen Kunden empfehlen kann», erklärt sie. Gut findet sie, dass die Schriftgröße verändert werden kann: «Das ist besonders für ältere Kunden interessant.» Etwas Wehmut verspürt sie aber auch. «Ansonsten bin ich nämlich eine ganz große Verfechterin des gedruckten Buches. Ich mag einfach das Haptische», gesteht sie mit leuchtenden Augen. Überzeugt hat sie das Lesegerät jetzt noch nicht, aber sie habe Lust, es einmal auszuprobieren.
Auch die Leiterin der Raunheimer Stadtbibliothek, Erika Keitel, verschließt sich der neuen Entwicklung nicht. «Ich möchte mich hier darüber informieren, was technisch überhaupt machbar ist», sagt sie. Die Vorstellung, dass die Bücher in ihrer Bibliothek künftig einer digitalen Datenbank weichen könnten, findet sie schade. «Aber daran kommen wir wohl nicht vorbei», sagt sie tapfer und zuckt die Achseln.
Weniger skeptisch ist Nicole Weller. Sie ist Programmleiterin beim Verlag Wolters Kluwer und für Steuerliteratur verantwortlich. «Ich bin auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, unseren Kunden die Handhabung leichter zu machen», sagt sie. Für Fachbücher sei das doch eine tolle Sache, bei Belletristik sei sie sich da nicht so sicher. Privat und auf der Couch greife sie lieber zum guten alten Buch. Aber da fällt ihr dann doch noch etwas ein: «Ich könnte mir E-Books im Urlaub vorstellen, dann muss ich nicht so einen Stapel mitschleppen.»
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