Auch in diesem Jahr wurden auf der Frankfurter Buchmesse die Debatten um E-Books hitzig geführt. Viele Verleger fürchten um ihre Geschäftsgrundlage, Experten hingegen mahnen, den Trend nicht zu verschlafen. Ein Zwischenbericht.
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Digitale Bücher? Eine feine Sache. Jetzt fehlt nur noch ein passendes Dateiformat, so ähnlich wie MP3: Die überflüssigen Seiten werden einfach weggelassen.
15.10.2009
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«Das E-Book wird die Buchbranche komplett auf den Kopf stellen», prognostiziert Ronald Schild, Geschäftsführer des MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, heute auf der Frankfurter Buchmesse. Um etwas mehr Diplomatie bemüht sich E-Book-Entwicklerin Nina Kreutzfeldt: «E-Books werden gedruckte Bücher – und da bin ich mir sicher – nie ablösen».
Auch in diesem Jahr sorgt das Thema Digitalisierung für Zündstoff und Sorgenfalten. «Die Frage, wie wir mit digitalen Inhalten Geld verdienen können, treibt alle um», sagt der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos und fügt hinzu: «In Frankfurt treffen Menschen und Ideen aus rund 100 Ländern aufeinander. Die ideale Gelegenheit also, den schnellsten Weg vom Experiment zum Geschäftsmodell zu finden.»
Doch von einer Lösung des Problems ist die Buchbranche noch weit entfernt, in diesem Jahr zieht sie erst einmal Bilanz. Die Debatten werden weiterhin hitzig geführt. Auf einer Podiumsdiskussion beleuchten Referenten den «Zukunftstrend E-Content» unter der Frage: Wie virtuell wird die Buchwelt? Geladen sind Ronald Schild und Nina Kreutzfeldt. Schild hat für den Börsenverein, den Dachverband der deutschen Buchbranche, Libreka, eine Online-Plattform für elektronische Bücher, aufgebaut. An Libreka arbeiten nahezu alle großen deutschen Verlage mit. Kreutzfeld verwandelt Bücher in E-Book-Formate und bietet Beratung zum Thema Digitalisierung an.
Verleger fühlen sich als Master of Ceremony
Der «Hype um das E-Book» habe sich noch nicht bis zum Endkunden fortgesetzt, ist Schilds Einschätzung. Die Aufregung der Buchbranche quittiert er mit der Feststellung: «Technische Revolutionen werden meist kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt.» Schild findet klare Worte an die Adresse der Verleger: «Verleger haben bislang in einer Welt gelebt, in der sie der Master of Ceremony waren. Die digitale Welt ist komplett anders», wäscht er den Verlagsvertretern den Kopf.
Leidenschaftlich ist die Debatte um den Preis für E-Books. Die Verleger fürchten um ihre Umsätze, wollen den Leser aber auch nicht mit zu hoch angesetzten Preisen vergraulen. Kreutzfeldt rät ihnen, E-Books als eigene Ausgabe zu betrachten. «Ein E-Book ist gut, wenn es einen Mehrwert gegenüber gedruckten Büchern hat», sagt sie. In diesem Fall lasse sich auch ein höherer Preis rechtfertigen. Schild hingegen warnt davor, zu sehr nach den Buchpreisen zu schielen: «Die Kunden ziehen sich die Dateien sonst kostenlos aus dem Netz.»
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