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Von Marius zu Westernhagen (Bild 1/9)
Marius Müller-Westernhagen (Foto)
Foto: dpa
23.10.2009

Marius Müller-Westernhagen ist einer von wenigen deutschen Musikern, die seit Jahrzehnten begeistern und noch immer überraschen. Er schuf Hits wie Freiheit oder Sexy. Die energetischen wie gefühlvollen Konzerte sind sein Markenzeichen.
 

«Williamsburg»

Neues vom Schinderhannes

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Marius Müller-Westernhagen ist zurück, mit seinem neuen Album Williamsburg. Eine Platte, mit der sich der 60-Jährige Altbewährtem zuwendet, dem Blues, der leicht rotzigen Sprache, den Randthemen, und gleichzeitig Neuland betritt.

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Die Musik ist erdig, die Texte aus dem Leben und der Sound fett. Wurde ja auch Zeit, dass Westernhagen mal wieder eine Platte macht. Dieses ewige flache DSDS-Geblubbere darf doch wirklich nicht alles an deutschen Produktionen sein.

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Man darf nicht ungeduldig sein bei Marius Müller-Westernhagen. Nicht bei seinem neuen Album Williamsburg, dem ersten seit 2005. Wer allzu schnell aufgibt nach dem enttäuschenden Opener Hey Hey, einem textlich uninspirierten Blues-Stück, in dem sich der 60-Jährige die Einstiegszeile «Es ist das Leben, an dem wir kleben» leistet, der verpasst, soviel vorweg, eines seiner besten Alben überhaupt. Das beste seit Ja Ja, seit 17 Jahren, auf jeden Fall.

Doch sogar Hey Hey zeigt bereits den Weg auf, den Westernhagen auf Williamsburg einschlägt und den er konsequent geht. Den Weg der klaren Worte, der ehrlichen Musik. Den Weg, den er in seiner Anfangszeit schon einmal beschritten hatte, als man noch nicht darüber streiten musste, wer denn nun besser sei, Westernhagen oder Grönemeyer. Als die Unterschiede noch klar waren zwischen Rock und Pop. Spätestens 1994 aber, mit Affentheater, hat er diesen Weg verlassen. Nun ist er zurück.

Schon das zweite Stück tröstet über Hey Hey hinweg. Da singt Westernhagen von sich als Schinderhannes und von Lilly, seiner Braut, dem Luder, kälter als der Tod. «Lilli kann's mit Zunge, und ich bring's mit der Faust. Und wenn wir zwei zur Hölle fahr'n, dann aber mit Applaus», heißt es da, die Stimme überspannt, die Musik reduziert auf das Nötigste.

Schinderhannes ist der erhoffte Auftakt zu einer Platte, die spätestens mit dem dritten Stück zeigt: Westernhagen steht wieder Mit beiden Füßen auf dem Boden. Da entdeckt der Musiker plötzlich lateinamerikanische Klänge, da entdeckt er das Akkordeon, aber nur, um schleunigst wieder zurückzukehren zum Blues, um später wieder den Stil zu wechseln, aber immer ein Quentchen Westernhagen-Sound beizubehalten.

Ein wenig nachdenklich ist er geworden auf seinem 18. Studioalbum, ein wenig sentimental, wie zu besten Zeiten, wie auf Ja Ja. Sogar ein wenig Weltverbesserer schwingt mit, wenn er mit Aus Dir Mutter einen «Message-Song» zum Besten gibt, wie er selbst das nennt. «Ich wollte Geschichten erzählen, weil die Texte auf meinen letzten Platten ja immer kryptischer wurden», sagte er kürzlich in einem Interview. Und das tut er wie selten zuvor.

Auf Williamsburg singt Westernhagen von der Liebe und vom Alleinsein, von Sex und von Drogen, singt persönliche Stücke, klar in der Sprache, musikalisch zwischen Blues und Country, Rock und Soul, und – zwischen Swing und Tango.

Man merkt dem Album an, dass Williamsburg Westernhagen gut getan hat, dieser New Yorker Stadtteil am East River, mitten in Brooklyn, mit seiner Musikszene. Dort hat er es aufgenommen, dort scheint er die Ruhe gefunden zu haben, die den letzten Platten oft fehlte.

Beim Komponieren rutsche ihm halt ab und zu ein Pop-Song raus, sagte Westernhagen in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vergangene Woche. Als müsse er sich dafür entschuldigen. Das muss er nicht. Nicht bei diesem Album.

Interpret: Westernhagen
Titel: Williamsburg
Plattenfirma: Motor
Spielzeit: 48 Minuten
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2009

voc/news.de
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