Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Pornos sind unmoralisch. Richtig oder falsch? Die Pornobranche ist frauenverachtend. Richtig oder falsch? Manuel Grebing und Stephan Scheler legen mit Cumshots 2 ein Buch vor, das sich humorvoll, aber auch kritisch mit dem Sexfilm auseinandersetzt. Ein Buch zum Lachen wie zum Heulen.
Mit dem Erfolg hatte niemand gerechnet. Als Manuel Grebing und Stephan Scheler im Oktober 2007 das Buch Cumshots veröffentlichten, ihr erstes Werk als Autoren und gleichzeitig ihr Verlagsdebüt, war ihnen zwar klar, dass ein solches Projekt sein Publikum finden würde, der Sprung in die Bestsellerlisten aber war eine Überraschung.
400 originelle Cover internationaler Pornoproduktionen, die expliziten Stellen natürlich gepixelt, hatten sie damals zusammengetragen, nun, zwei Jahre später, folgt Cumshots 2. Der Unterschied zum ersten Band? «Wir haben wieder etwa 400 Cover zusammengetragen, unter denen sich diesmal auch viele ältere VHS-Filme befinden. Die 32 verschiedenen Kapitel selbst sind noch skurriler – so geht es nicht nur um Erotik-Genres, sondern zum Beispiel auch um Geld und Politik, Computer oder das Fernsehen. Dort findet man dann Titel wie die Lendenstrasse oder Petra Wegat ... und die Schulden sind wie weggeblasen.»
Allein diese Aufzählung zeigt schon, worum es nicht geht. Das Buch soll kein ernsthafter Blick auf die milliardenschwere Pornoindustrie sein. Dennoch gibt es ein durchaus seriöses Vorwort, indem sich die Autoren etwa mit dem Thema Moral oder der Sehnsucht der Branche nach den guten alten Zeiten auseinandersetzen. Und sie schildern darin einige skurrile Begegnungen, die sie im Laufe der Jahre gemacht haben, etwa die mit den «Christen für die Wahrheit» oder der Gruppe «Fuck for forest», die mit Amateurpornos den Regenwald retten will.
Auch das Abschlusskapitel des Buches, das nicht nur aus Bildern besteht, beschäftigt sich mit einem ernsten, fast schon traurigen Aspekt, wie Scheler sagt. Es zeigt Bewerbungsschreiben angehender Pornostars, bei denen einem teils zum Lachen, teils zum Heulen zumute ist. Die Autoren sind sich durchaus bewusst, dass sie mit ihrem Buch Grenzen erreichen. «Es ist schön, dass über unser Buch nicht nur gelacht, sondern auch kontrovers diskutiert wird», sagt Scheler. «Und vielleicht darf oder muss man bei so einem Thema an mancher Stelle auch mal schocken. Denn so lustig all diese Cover und Titel auch sein mögen, sollte man trotzdem nicht ignorieren, wie extrem und bedenklich manche Bereiche unserer Sexualität scheinbar geworden sind.»
Cumshots 2 zeigt, wie schon der Vorgänger, wie viele Wege es gibt, sich mit der oft verteufelten, von vielen aber auch schon als gesellschaftsfähig gepriesenen Pornoindustrie zu beschäftigen, mit ihren Auswüchsen und ihren Eigenheiten. «Vielleicht kehrt sich das Gefühl sogar irgendwann wieder um», sagt Scheler. «Erst ist man neugierig oder schockiert, bis einen auch die härtesten Cover nicht aus der Ruhe bringen und zuletzt mag man nacktes Fleisch einfach nicht mehr sehen. Und am Ende steht man plötzlich auf Blümchensex.» Bleiben die Autoren auf diesem Weg, dürfte auch ihr nächstes Projekt ein Erfolg werden. Und das beschäftigt sich mit nichts geringerem als – der deutschen Sprache.
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