Die Massenbewegung
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann, Frankfurt
Artikel vom 14.10.2009
Bücher-Marathon in Frankfurt: 300.000 Besucher wühlen sich durch die Hallen und sickern in die Kojen der Verlage. Hier werden Geschäfte gemacht, Münder fusselig geredet und Kaviarhäppchen mit Champagner heruntergespült. Buchmesse eben.
Füße weh, Stimme weg – wer diese Symptome nicht hat, war nicht auf der Frankfurter Buchmesse. Bis Sonntag wollen 7000 Aussteller entdeckt werden, die etwa 400.000 Bücher anpreisen, dazu locken 1000 Autoren in Fleisch und Blut und 2600 Veranstaltungen. Nicht zu vergessen die Leidensgenossen, die sich durch die Gänge schieben: Etwa 300.000 Besucher erwarten die Veranstalter in diesem Jahr.
Besonders in den Hallen für Literatur und Sachbuch ist das Gewühle groß. An den Ständen der großen Verlage wie dtv, Piper oder Diogenes stehen sich die Besucher gegenseitig auf den Füßen. Mit wichtigen Mienen und im feinen Zwirn führen Verlagsvertreter und Buchhändler Verkaufsgespräche. «Ich mache zum ersten Mal Thekendienst», erzählt der Außendienstler des Ullstein Verlags, Thomas Wetzel. Er ist überrascht, mit was für Fragen er den ganzen Tag bestürmt wird. «Ich hätte auch nicht gedacht, dass es so viele Übersetzer und Schriftsteller gibt, die noch keinen Verlag haben», gesteht er.
Christiane Glaeser, Vertriebsleiterin im Innendienst von dtv kennt das. Sie berichtet, dass «massenhaft» Autoren mit Exposés oder ganzen Manuskripten an den Stand kommen: «Wir müssen sie dann vertrösten, weil wir hier keine Manuskripte annehmen können. Es wäre doch schade, wenn sie im Trubel verloren gehen würden.» Deshalb bleibe ihr nichts anderes übrig, als den Autoren zu empfehlen, ihre Arbeit direkt an den Verlag zu schicken.
Manch einer reist mit Rollwagen an
Während die einen versuchen, ihre Werke an den Mann zu bringen, kommen andere, um möglichst viel wieder mitzunehmen. An beinahe jedem Arm baumelt eine stabile Papiertasche, die sich mit jedem zurückgelegten Kilometer füllt. Manch einer reist gar mit einem Rollwägelchen an. Zitronenbonbons, Notizbücher, Kugelschreiber und kiloweise Infomaterial werden aus den Hallen herausgetragen. Und die Standbetreiber beklagen sich immer wieder, dass auf der Messe so viele Bücher geklaut werden. Am Reclam-Stand wollten die Besucher sogar den magentafarbenen Teppich mitnehmen, erzählt Vertriebsassistentin Aysin Köse und schmunzelt. Der Teppich wurde farblich passend zur neuen Sachbuchreihe verlegt.
Groß ist der Andrang auch in der erstmals eingerichteten Gourmet-Gallery. Nicht wegen der Kochbücher, sondern weil hier Starköche effektreich in Töpfen rühren. So auch Chef Chakall. Unter dem Motto «Champagner meets Tapas» turnt er hinter den Kochplatten. Natürlich will jeder den superedlen Champagner probierten, und mit dem Stöffchen lässt sich der Beluga-Kaviar auch wunderbar herunterspülen. Was das mit Bücher zu tun hat? Egal.
Der schwarz-gelbe Turban und eine mit goldenen Drachen bestickte Kochjacke gehören wohl mit zur Show des argentinischen Kochs. So lässt sich auch die zweifelhafte Stopfleber lässig servieren. Doch erst einmal sucht der Gute ewig nach seinem chinesischen Pfeffer, und als das Publikum gerade einzuschlafen droht, wird er fündig und reicht das Gewürz zur Probe. Und tatsächlich: Es ist ein Erlebnis. Das Gewürz schmeckt zitronig und betäubt die Zunge, so dass sie sich anfühlt wie ein Brausebonbon. Morgen kommt sogar Sarah Wiener, aber nur zum Interview. Frau Wiener erscheint, um ihr neues Kochbuch vorzustellen, nicht um geschlauchte Messebesucher durchzufüttern.
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