Sa., 26.05.12

Sexpertin im Interview 17.10.2009 «Her mit den besseren Pornos»

Laura Méritt (Foto)
Laura Méritt will die Erotikbranche revolutionieren. Bild: Doris Spiekermann-Klaas

Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh

Laura Méritt betreibt einen Sexshop für Frauen, einen Escortservice für Lesben und gibt Workshops zum weiblichen Orgasmus. Nun vergibt sie den ersten feministischen Pornofilmpreis. Im Interview mit news.de verrät sie, wie sie die Erotikbranche verändern will.

Sie gelten als Expertin in Sachen Sex. Welches Sexspielzeug gehört in jedes Nachtkästchen und in jede Handtasche einer Frau?

Laura Méritt: Natürlich ein Vibrator. Für die Handtasche würde ich einen kleinen Reisevibrator und für zu Hause einen größeren, leistungsstärkeren empfehlen. Mein Lieblingsvibrator ist der «Magic Wand», der ist aus Amerika und den gibt es schon rund 30 Jahre. Das ist ein großes Ding, das aussieht wie ein Mikrofon.

Ob Sexspielzeuge oder Pornos, für viele Frauen ist das immer noch ein Tabuthema. Dass sich Männer Pornos anschauen, gilt dagegen schon fast als gesellschaftlich anerkannt. Mögen Frauen denn keine Pornos?

Méritt: Ich würde nicht sagen, dass das gesellschaftlich anerkannt ist – vor allem nicht bei Frauen. Und das liegt an der Art der Pornos, die die Männer konsumieren. Viele Frauen wollen solche Pornos selbst nicht sehen, aber sehr wohl einen Porno. Aber nicht den Scheiß, den es bisher gibt. Also her mit besseren Pornos!

Was will Frau im Unterschied zum Mann denn sehen?

Méritt: Bei uns im Laden kaufen ja nicht nur Frauen, sondern auch Männer Pornos, die nicht dem Mainstream entsprechen. Und die wünschen sich Filme, in denen es auch um die weibliche Lust geht. In herkömmlichen Pornos wird gezielt auf die Ejakulation des Mannes hin gearbeitet - wofür die Frau ackern muss. Meist wird ihr dann noch ins Gesicht ejakuliert. Es gibt aber verschiedene Arten von Lust. Der Mainstream-Porno ist sehr reduziert auf die Bedienung der männlichen Sexualität. Das ist für viele Frauen nicht das Nonplusultra.

Es gibt also einen breiten Markt für Frauenpornos?

Méritt: Ganz deutlich ja. Bereits in den vergangenen Jahren hat sich das Angebot an Sexspielzeugen an die Bedürfnisse der Frauen angepasst und nun wollen die Frauen auch schöne Pornos. Und deswegen verleihen wir jetzt den ersten feministischen Pornopreis. Damit endlich auch etwas in der Geschichtsschreibung stattfindet. Wo viele herkömmliche Produktionen Frauenporno draufschreiben, ist nämlich meist keiner drin. Unsere Gütesiegele «PorYes» und «FairPorn» erhalten dagegen nur solche Filme, in denen wirkliche weibliche Lust gezeigt wird. Wir wünsche uns aber auch, dass die männliche Lust vielfältiger und weniger verfremdet dargestellt wird.

Bedeutet das aber auch, dass sie generell Pornos ablehnen, in denen sich – ob Mann oder Frau – ein Sexualpartner dem anderen unterwirft?

Méritt: Wenn es ein erkennbares Spiel ist und vorher abgemacht ist, ist das in Ordnung. Und zwar in jede Richtung. Wenn es aber kein Spiel ist, sind wir natürlich dagegen.

Lesen Sie auf Seite 2, warum der erste feministische Pornofilmpreis parallel zur Erotik-Messe Venus vergeben wird

Heute vergeben sie den ersten feministischen Pornofilmpreis in Berlin. Gleichzeitig findet die Erotik-Messe Venus statt. Eine bewusste Gegenveranstaltung?

Méritt: Ja, sie sollen merken, dass es noch etwas anderes gibt. Und viele Händler, die auf der Venus sind, haben ja schon umgedacht, bieten kreativere Sexspielzeuge für Frauen an und sind von der Spritzorgie, die auf der Venus normalerweise stattfindet, total gelangweilt. Außerdem wollen wir die herkömmlichen Produktionen dazu bringen, dass sie nicht einfach nur auf ihre Pornos Frauenporno drauf schreiben, sondern auch die Kriterien dafür erfüllen. Ich bin davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist.

Die Nachfrage nach speziellen Pornos für Frauen ist Ihrer Meinung also da. Und dafür hat nicht zuletzt die Frauenbewegung in den letzten Jahrzehnten hart gekämpft. Wie und warum hat sich die Einstellung der Frauen zur Pornografie verändert?

Méritt: Alice Schwarzer hat mit ihrer «PorNo»-Kampagne (Anm. d. Red.: Ziel der Kampagne ist ein Gesetz gegen Pornografie) medial sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gleichzeitig gab es schon immer einen parallelen Flügel in der Frauenbewegung, der immer gesagt hat, wir wollen nicht nur dagegen sein, sondern auch einen anderen Zugang zur Sexualität aufzeigen. Das ist kein Gegensatz. Wir sind «PorNo», also gegen Sexismus und Rassismus im Porno, aber gleichzeitig auch «PorYes», für eine positivere Darstellung der Sexualität. In einem ersten Schritt war es einfach wichtiger, gegen Gewalt und Menschenverachtung zu kämpfen. In einem zweiten Schritt wollen wir jetzt zeigen, dass es noch etwas anderes gibt.

Aber warum hat die Erotik-Industrie die Frau als Zielgruppe erst so spät entdeckt? Normalerweise reagiert der Markt sehr schnell auf erhöhte Nachfrage?

Méritt: Die Industrie wird reagieren. Das ist nur eine Frage der Zeit. Der Markt ist in diesem Punkt einfach langsam. Die sagen sich: «Es sind ja noch so viele, die die kommerziellen Pornos schauen. Warum sollen wir etwas veränden. Also machen wir weiter.» Wenn jetzt die Frauen aber anfangen, etwas anderes zu kaufen, dann werden sie zu einer entscheidenden neuen Kaufkraft. Und im Schlepptau haben sie die Männer. Der Markt wird reagieren, da geht kein Weg dran vorbei. Genauso wie sich das Bio-Siegel durchgesetzt hat, wird sich der Frauenporno durchsetzen.

Angenommen immer mehr Frauen, aber auch Männer konsumieren in Zukunft immer mehr Frauenpornos. Wird das auch Auswirkungen auf deren Sexualleben haben?

Méritt: Pornos sind eine enorme Kraftquelle. Ich bin überzeugt, wenn Sex im Porno positiver dargestellt wird, dann verändert sich auch das Sexualleben. Man hat nicht mehr eine klassische passiv-aktiv-Aufteilung und kommt auch mal auf andere Ideen. Es geht darum, sich Anregungen zu holen und die Palette zu erweitern.

Laura Méritt ist eine deutsche Kommunikationswissenschaftlerin, Sex-Aufklärerin, Lachforscherin, feministische Lingusistin und Mitglied der Frauenbewegung. Sie betreibt in Berlin nicht nur einen Sexshop für Frauen, sondern auch einen lesbischen Escortservice und versucht in Vorträgen und Workshops, sexuelle Vielfalt zu lehren. Méritt ist Repräsentantin der PorYes-Bewegung, die für eine positive Darstellung von Pornographie, besonders der weiblichen Sexualität eintritt.

nak/news.de
Leserkommentare (6) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Elster
  • Kommentar 6
  • 25.12.2009 21:45
 Antwort auf Kommentar 3

Machen Sie doch Filmchen ,dann brauchen Sie nicht in Fernsehen. Ist doch Ihnen überlassen .

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  • Karolin
  • Kommentar 5
  • 22.10.2009 18:47
 Antwort auf Kommentar 4

Nee,stand auf meinem Computer . Fand es nicht übel .Stimmt doch auch 1 Oder ?

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  • ragnaroekr
  • Kommentar 4
  • 21.10.2009 17:15
 Antwort auf Kommentar 2

Klingt resigniert, oder?

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  • Lustmolch
  • Kommentar 3
  • 18.10.2009 16:33
 

Wie wird man denn Sexperte ? Gibts da Kurse ? Staatlich gefördert ? Komm ich dann ins Fernsehen ?

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  • Karolin
  • Kommentar 2
  • 18.10.2009 14:47
 

Wissen Sie warum Frauen einen Mann brauchen ? Weil der Vibrator keinen Rasen mähen kann .

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  • ragnaroekr
  • Kommentar 1
  • 17.10.2009 12:54
 

Hält sich eigentlich jemand an die Meinung einer Sexexpertin. Oder habe ich das falsch verstanden, hält man sich eine Sexexpertin? Der Expertin fehlt m.E. der Zugang zur Erotik. Der Vibrator scheint mir hierfür ungenügend zu sein.

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