Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Meerschweinchen retten die Welt! So etwas kann nur bei Walt Disney funktionieren. Im 3D-Actionspaß «G-Force - Agenten mit Biss» wird daraus gelungenes Familienkino.
Das Kino hat schon sehr seltsame FBI-Agenten gesehen. Die verschrobenen Mulder & Scully in Akte X. Der denkbar harmlose Christian Tramitz als Jerry Cotton. Die zimperliche Sandra Bullock im Outfit von Miss Undercover. Doch diese Figur stellt sie alle in den Schatten: Darwin, der Chef einer Spezialeinheit, hat Angst vor Hunden, bewegt sich am liebsten auf allen Vieren fort - und hat außerdem ein Büschel weißer Haare am Hintern. Denn Darwin ist ein Meerschweinchen.
Gemeinsam mit seinen Artgenossen Blaster und Juarez, einem Maulwurf namens Speckles und der Stubenfliege Mooch wurde er jahrelang vom FBI ausgebildet, um bei geheimen Missionen eingesetzt zu werden. Doch diesem Projekt droht das Aus, denn die Behörde muss sparen. Den Nagern bleibt nur eine Chance: Sie müssen beweisen, dass sie unentbehrlich sind. Deshalb wollen sie einen fiesen Wirtschaftsboss ausspionieren, den der Geheimdienst schon lange vergeblich überwacht und der mit den Haushaltsgeräten seiner Firma die Welt beherrschen will.
Dieser Plot hat drei Nachteile: Er ist weder besonders schlüssig noch originell. Für einige der jüngsten Kinogänger dürfte er ein Stückchen zu komplex sein. Und er kommt schwer in Schwung, so dass die G-Force erst nach etwa 20 Minuten wirklich Fahrt aufnimmt. Doch dann bietet der von Jerry Bruckheimer (Fluch der Karibik) produzierte Film pures Vergnügen.
Für Kinder ist dies ein harmloser Abenteuerspaß mit einer wirkungsvollen Schlusspointe, faszinierenden 3D-Effekten und niedlichen Haustier-Helden. Vor allem das Meerschweinchen Hurley dürfte kleine Herzen im Sturm erobern, auch dank der liebevollen Synchronisation von Wigald Boning. Auch wenn etwa die Fliege Mooch aus purer Lust an der Gefahr an ein paar fleischfressenden Pflanzen vorbeisummt, wird Liebe zum Detail deutlich - obwohl hier nicht ganz so fantasievoll gearbeitet wird wie etwa im Hause Pixar.
Es ist die größte Leistung von Regisseur Hoyt H. Yeatman, dass der Film auch für Erwachsene funktioniert - und zwar auf einer ganz anderen Ebene. Denn G-Force ist vor allem eine sehr charmante Actionfilmparodie. Weitaus selbstironischer, intelligenter und mit mehr doppelten Böden als beispielsweise in Hot Shots oder Men In Black wird hier der Technologie- und Waffenwahn auf die Schippe genommen, das notorisch-coole Sprücheklopfen von Hollywoods Weltenrettern und jedes Klischee, das jemals einen Starke-Männer-Film heimgesucht hat - von der Suche nach der eigenen Identität bis hin zum tapferen Kameraden, der sich für die gute Sache opfert.
Die Macher haben ein paar unvermeidliche Moral-Lektionen, einige spektakuläre 3D-Effekte und ganz viel Augenzwinkern in diesen Film gepackt. Das Ergebnis ist wunderbar unterhaltsam. Bloß Bruce Willis, Mel Gibson, Will Smith, Nicolas Cage & Co. sollten sich G-Force nicht ansehen. Denn sie werden schwer ernüchtert sein bei der Erkenntnis, dass Hollywood selbst aus Meerschweinchen wahre Superhelden machen kann.
Titel: G-Force - Agenten mit Biss
Hauptdarsteller: Bill Nighy, Zack Galifianakis
Synchronstimmen: Sony Kraus, Wigald Boning, Götz Otto
Spielzeit: 89 Minuten
Produktionsland und -jahr: USA 2009
FSK: 6 Jahre
Kinostart: 15. Oktober 2009
hi
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