Respekt
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 12.10.2009
Die Jury des Deutschen Buchpreises, sieben Köpfe aus dem Medien- und Literaturbetrieb, standen vor einer schwierigen Wahl. Herta Müller, eine der Nominierten, wird den Literaturnobelpreis bekommen, und die Jury entschied sich kurzfristig. Sie hat sich für Kathrin Schmidt entschieden. Ein mutiges Votum.
In der Öffentlichkeit ging es bei diesem Deutschen Buchpreis weniger darum, ob das Publikum, die Kritiker, die Verlage das Urteil teilen würden oder nicht. Es ging weniger darum, ob die Jury aus rund 200 Romanen wirklich den einen, den besten herausgepickt hat. Es ging vor allem um eine Frage: Bekommt Herta Müller nach dem Literaturnobelpreis auch noch diese Auszeichnung? Oder bekommt sie sie nicht? Lässt sich die Jury, die äußerst kurzfristig entscheidet, vom Urteil aus Stockholm beeinflussen? Oder bleibt sie frei?
Auch die Entscheidung für Kathrin Schmidt – ist es wirklich eine gegen Herta Müller? – kann diese Frage nicht endgültig beantworten. Sie ist eine mutige, hat sich die Jury mit ihr doch gegen die Erwartungshaltung gestellt, gegen die Favoritenposition Müllers, die sie seit der Nobelpreisentscheidung offenkundig innehatte. Man könnte vermuten, sie habe ihre Unabhängigkeit demonstrieren wollen. Es ist jedoch allen sieben Mitgliedern zuzutrauen, dass sie das nicht nötig gehabt hätten.
Vor allem aber hat sich die Jury mit der Entscheidung auf die Seite der Literatur gestellt. Diskussionen wie die derzeit geführte um Favoriten und Erwartungen haben einen Kern: Sie entfernen sich von der eigentlichen Debatte um das Buch, um die Texte und ihre Qualität. Dass Kathrin Schmidt den Buchpreis 2009 bekommt, zeigt: Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen einem Literaturnobelpreis und dieser Auszeichnung, zwischen der Intention der beiden Preise, zwischen ihrer Ausrichtung. Und: Es ist kein Widerspruch, dass in diesem Jahr nicht eine Autorin beide Preise bekommen hat. Das macht keine der beiden Entscheidungen zu einer Fehlentscheidung. Im Gegenteil.
Es ist nun Zeit, sich – wie die Jury – auf das zu konzentrieren, was wichtig ist: Kathrin Schmidt, die Autorin, und ihr Buch, Du stirbst nicht. Es ist Zeit, die Debatte um die Vergleichbarkeit von Preisen zu beenden. Und es ist Zeit, der Autorin die Ehre zukommen zu lassen, die sie verdient hat, bei allem Respekt ohne Blick auf Herta Müller. Kathrin Schmidt hat den besten Roman 2009 geschrieben. Herzlichen Glückwunsch.
iwe/news.de
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