Sa., 26.05.12

500. Folge «Zimmer frei» 11.10.2009 «Eine Sendung und man ist gar wie ein Schnitzel»

Christine Westermann und Götz Alsmann (Foto)
Christine Westermann und Götz Alsmann feiern die 500. Folge von Zimmer Frei. Bild: ddp

Eigentlich sollten Westermann und Alsmann nur während des Sommerlochs die Wohngemeinschaftsqualitäten von Stars testen. Heute läuft die 500. Folge Zimmer frei im WDR. Im Interview erklären die Moderatoren das Erfolgsrezept der Sendung.

500 Ausgaben einer Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen - wie gelingt so ein anhaltender Erfolg?

Alsmann: Das war wirklich nicht absehbar. Die Kritiken der ersten Sendungen waren so verheerend, dass uns manche der eingeladenen Gäste bereits wieder absagen wollten.

Westermann: Ich glaube, wir haben 1996 unglaubliches Glück gehabt, weil wir die Zuschauer mit einer geballten Ladung Zimmer frei regelrecht beschossen haben. Mit 18 Sendungen in sechs Wochen haben wir Sehgewohnheiten geschaffen. Und dadurch fiel immer mehr Leuten auf, dass wir Sachen machten, die sie so noch nicht im Fernsehen gesehen haben. Wenn heute nach drei Sendungen die Einschaltquote nicht stimmt, dann wird abgesetzt. Ich halte das für den größten Fehler, den man machen kann. Man muss den Zuschauern die Chance geben, sich an eine Sendung zu gewöhnen.

Als Zuschauer hat man manchmal den Eindruck, dass Zimmer frei für die Moderatoren mehr Party als harte Arbeit ist.

Westermann: Das Schönste ist, wenn man da reingeht und alles so aussieht, als ob es von alleine läuft. Tatsächlich sind enorm viel Arbeit und ein wirklich tolles Team erforderlich, damit wir beide auf der Bühne das große Rad drehen können.

Alsmann: Diese Stunde Zimmer frei ist für uns durch die Improvisation und auch die Körperlichkeit sehr anstrengend. Nach so einer Sendung ist man gar wie ein Schnitzel.

Westermann: Genau, das ist wie ein Hindernislauf mit Staffelübergabe und Kugelstoßen.

Und was bedeutet das für die Gäste?

Alsmann: Manche Gäste unterschätzen die Sendung und können nicht ermessen, wie anstrengend das ist und wie viel Konzentration man benötigt. Es fällt auch einigen schwer, etwas selbstironisch mit der eigenen Biografie umzugehen. Die verkrampfen dann und werden einsilbig.

Manchmal merkt man, wenn Sie mit einem Gast nicht so gut können.

Alsmann: Das soll man auch ruhig merken. Ich bin gerne bereit, jemanden mit meinen Vorurteilen in der Sendung zu begrüßen. Ich bin dann aber auch ebenso bereit, diese Vorurteile während der Sendung kippen zu lassen. Der Gast hat also alle Chancen, unsere Vorurteile zu drehen.

Westermann: Und wir machen es ihm nicht schwer, finde ich. Es ist halt wie im richtigen Leben, da merkt man auch relativ schnell, ob die Chemie stimmt.

Sie hatten bei Zimmer frei nur wenige Politiker zu Gast. Ich könnte mir vorstellen, dass die bei einer so beliebten Sendung Schlange stehen.

Alsmann: Nein, genau das machen die Politiker nicht und da sind wir nicht unfroh drüber. Die Hälfte der Politiker, die gekommen sind, wurde dazu von ihren Pressereferenten gezwungen. Und sie haben leider häufig eine ausgesprochen erbärmliche Figur abgegeben.

Westermann: Wobei die weiblichen Politiker in der Regel mehr überzeugt haben als ihre männlichen Kollegen.

Woran sind die Politiker gescheitert?

Alsmann: Das waren häufig Leute, die im Politikzirkus als originelle Clowns oder Querdenker wahrgenommen werden. Aber das ist nun mal nicht dasselbe, als hier mit uns eine Stunde lang vor einem völlig enthemmten Publikum Sackhüpfen zu machen. Es gibt aber auch Prominente, die so gut beraten sind, dass man ihnen sagt: «Bei Zimmer frei wirst Du keine gute Figur machen.» Andererseits hat es auch Gäste gegeben, von denen wir eigentlich gar nichts erwartet haben - und die uns dann begeistert haben. Mit denen sind wir dann in inniger Zuneigung und tiefer Freundschaft aus der Sendung gegangen.

juz/ped/news.de/ddp
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • manfred dennes
  • Kommentar 1
  • 11.10.2009 15:28
 

Das brauchen die "Betroffenen der Pisa-Studie" viel öfter; panem et circenses im Sinne der Landesregierung. Ablenken und wegsehen !

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